Als Baldur`s Gate: Dark Alliance damals, Ende 2001/Anfang 2002 erschien, schlug es wie eine Bombe ein. Im Gegensatz zu den PC Spielen, bot das damals PlayStation 2 exklusive Spiel eine bombastische 3D Optik und einen eher an Genregrößen wie Diablo angelehnten Spielfluss. Man zog nicht mehr mit einer Heldentruppe durch die Gegend, sondern suchte Ruhm und Ehre allein oder zusammen mit einem anderen Spieler(in) im Kooperativ Modus.
Nun, zwei Jahre später erscheint der Nachfolger. Das ursprüngliche Programmierteam, Snowblind Studios, werkelt mittlerweile für Sony (Champions of Norrath) - die Grafikengine wurde glücklicherweise lizenziert, so dass auch Dark Alliance II auf dem gleichen Kern basiert, wie der Vorgänger. Doch was hat sich verändert? Was ist besser geworden? All die Antworten auf diese Fragen wird dieser ausführliche Test lüften.
Der Onyx Turm
Wie es sich für einen zünftigen Nachfolger gebührt, setzt die Story genau nach dem Ende in Teil 1 an. Nach dem Sieg über die verräterische Eldrith, die mit Hilfe des schwarzen Turmes die Stadt Baldur`s Gate dem Erdboden gleich machen wollte, reisen unsere drei damaligen Helden durch das letzte Portal und finden sich in einer fremden Umgebung wieder, umringt von dunklen Kreaturen. Seitdem strömen immer mehr Abenteurer nach Baldur`s Gate, nicht nur um nach den verschollenen Helden zu suchen, sondern auch um Ruhm und Reichtum zu ernten. So kommt es, dass auch folgende fünf Kämpfer den Weg in die Stadt finden.
Grundsätzlich sollen die Kämpfer sich ja in den Fähigkeiten voneinander unterscheiden, jedoch machen sich die Unterschiede nur spärlich bemerkbar. Wieso kann zum Beispiel der Nekromant keine ganze Horde an Skeletten beschwören oder gar andere Wesen wie niedere Dämonen? Auch mehr als unrealistisch ist die Charakterauswahl mit der Dunkelelfin, denn jeder, der die „Vergessenen Reiche“ Romane rund um Drizzt Do`Urden gelesen hat, weiß wie selten diese bösartige Rasse Taten zum Wohle anderer verrichtet. Auch dass sie sich frei in Baldur`s Gate bewegen darf, ist mehr als unglaubwürdig.
Verbesserungen, die man mit der Lupe suchen muss
Wie dem auch sei, hat man sich dann für einen Recken(in) entschieden, stürzt man sich auch sofort ins Abenteuer. Auf dem Weg nach Baldur`s Gate trifft man auf eine überfallene und geplünderte Karawane und muss die Gefangenen retten. Erst nach und nach ergeben sich neue Aufträge, und die Hintergrundgeschichte von Dark Alliance II kommt langsam ins rollen. Spielerisch hat sich dabei jedoch recht wenig geändert. Noch immer rennt ihr nach bester Hack`n`slay Manier durch die Levels, tötet Unmengen an Gegnern, sammelt fallen gelassene Gegenstände ein und zwingt den ein oder anderen Bossgegener in die Knie. Die Neuerungen sind so sparsam ausgefallen, dass man schon genauer hinschauen muss, um sie zu finden. So ist es jetzt möglich bestimmte Waffen mit Edelsteinen zu horrenden Preisen aufzuwerten (das alles kennt man schon aus Diablo 2), um sie dadurch stärker bzw. widerstandsfähiger zu machen. Nachdem ich das Spiel jetzt beendet habe, muss ich aber zugeben, dass das System nur unzureichend umgesetzt wurde. Zum einen kostet es Vermögen, solche Edelsteine in die Waffen einzubauen, zum anderen machen sich die Upgrades nur geringfügig bemerkbar. Man kommt im Prinzip besser, dass Geld zu sparen, denn bessere Waffen findet man immer mal wieder oder kauft man sich beim örtlichen Händler. Eine weitere Neuerung sind die Nebenquests, die auf den Spielcharakter zu geschnitten sind. Das sind sozusagen Bonusdungeons, die man absolvieren kann, aber nicht muss. Ein netter Zeitvertreib, der jedoch umfangreicher hätte ausfallen können. Eine weitere Verbesserung findet man bei den Bossgegnern. Während man in Teil 1 keine bestimmten Taktiken anwenden musste, sieht es in Dark Alliance II schon anders aus. So zum Beispiel kann man einen Untoten nur besiegen, wenn man seine Urne (unter vielen anderen) findet und zerstört. Bei einem anderen Fiesling muss man zuerst die Gehilfen (die ihn permanent heilen) ausschalten, bevor man den eigentlichen Feind angreifen und verletzen kann. Da sind ein paar nette Ideen dabei – auf der anderen Seite aber auch die einzigen Kämpfe, die halbwegs fordernd sind.
Kommen wir nach den Neuerungen zu den negativen Eigenschaften des Spiels und die fallen auch nicht gerade knapp aus. Der größte Minuspunkt im Gameplay ist der lasche Schwierigkeitsgrad. Spieler, die schon in Baldur`s Gate waren, sollten gleich auf dem härtesten Schwierigkeitslevel anfangen, sonst könnte man sich recht schnell langweilen, denn man findet immer genug Gold und Rückruftränke, um sich beim örtlichen Händler neue Heiltränke kaufen zu können. Dazu kommen noch die großzügig gesetzten Speichersteine, die wie im Vorgänger schon für ein freundliches Speichermanagement im Falle des Ablebens sorgen.
Ein zweiter Nachteil ist direkt auf den Coop-Modus bezogen: konnte im ersten Dark Alliance noch jeder für sich, Gold und Gegenstände einsacken, fließt jetzt alles Geld auf ein gemeinsames Konto. Damit wird den Spielern praktisch jeglicher Wettbewerb und Gier untereinander genommen. Schade ist zudem auch, dass man sich nach dem ersten Baldur`s Gate: Dark Alliance immer noch nicht um eine vernünftige Story bemüht hat. Durch eine tiefe und vor allen Dingen gute Geschichte hätte der zweite Teil von einer hohen Motivation leben können. So aber ist das Erzählte genauso armselig wie im Vorgänger. Bis auf ein paar Cutscenes in Spielegrafik gibt es keine Zwischensequenzen oder Storyfortführung. Das machen die Japaner mit ihren Rollenspielen weitaus besser, da ist zum Beispiel jede Rendersequenz in Final Fantasy ein großer Augenschmaus.
Neues Entwicklerteam = schlechtere Grafik?
Von einem Nachfolger, der ganze zwei Jahre, nach dem Erstling erscheint, erwartet man natürlich eine verbesserte Grafik. Aber Pustekuchen! Auf mich wirkte Dark Alliance II sogar einen ganzen Kanten schlechter als der grandiose Vorgänger. So bieten die Dungeons größtenteils einfallslose, niedrig aufgelöste Texturen und viel Dunkelheit. Vielmals hatte ich Probleme überhaupt den Pfaden zu folgen, da viele Stellen richtig gehend düster und dunkel waren – zu dunkel. Hätte man den Helden wenigstens Fackeln in die Hand gegeben, so aber beschränkt sich der Sichtkreis meistens auf das wenige, was die Levelbeleuchtung preisgibt. Auch schlechter erschienen mir die Figurenmodelle, die Animationen sind bei weitem nicht so smooth und flüssig wie noch im Vorgänger und auch im Allgemeinen kann man von einem schlechteren Design der Figuren sprechen. Aufgefallen ist mir zudem das einfallslose und recht langweilige grafische Design der Bossgegner. Während mir schon alleine beim „Beholder“ in Teil 1 der Kiefer runterklappte, fand ich in Dark Alliance II keinen Endgegner sonderlich berauschend.
In der Wildnis spielt kein Orchester
Während die deutsche Sprachausgabe gerade mal Mittelmaß dank gelangweilter und sich wiederholender Sprecher erreicht, hat man bei Entwickler Black Isle auch noch an der Musik gespart. Denn man hört in den Dungeons wirklich nur sehr, sehr selten ein paar Melodien. Meistens herrscht absolute Stille, die dann nur durch sich ständig wiederholende und nervende Einzeiler der Helden durchbrochen wird.
FAZIT:
Pluspunkte:
Minuspunkte:
Meinung anderer Redakteure
Justicer: Nachdem Baldur`s Gate Dark Alliance seinerzeit einfach aufhörte, anstatt mit einem Ende aufzuwarten, habe ich dem Nachfolger sehnlichst entgegen gefiebert. Endlich wieder ein Spiel, das sich kooperativ zu zweit bestreiten lässt. Die Enttäuschung war um so größer als .ram und ich uns wieder zum zocken zusammengesetzt haben. Grafisch stellt es durch die extreme Dunkelheit schon fast eine grafische Verschlechterung dar – von einer Verbesserung kann definitiv keine Rede sein. Na gut, bei einem anderen Entwicklerteam kann ja durchaus einiges anders ausfallen. Viel schlimmer war dagegen der Fakt, dass man seinen Charakter aus dem Vorgänger nicht übernehmen kann, zumal Dark Alliance II storytechnisch am Vorgänger anschließt. In Summe blieb mir nur ein Spielerlebnis, das durch seinen Kooperativ-Modus Spaß bereitet hat. Allerdings bedeutend weniger als der Vorgänger. Da sich die sogenannten Neuerungen kaum oder zum Teil negativ bemerkbar machen, ist Dark Alliance II ein klassisches Beispiel für einen neuen Aufguss. Mit etwas mehr Mühe, hätte man einiges mehr herauskitzeln können.