Graveyard of Honor: Yakuza Box Vol. 1

10. August 2004

Graveyard of Honor: Yakuza Box Vol. 1

Hierzulande wurde Kinji Fukasaku hierzulande erst durch „Battle Royale“ richtig bekannt. Der Film sorgte für Aufruhr und das nicht nur in Japan. Einige halten ihn für ein Meisterwerk, andere wie ich für Hirnlose Zeitverschwendung. Fukasaku ist in Japan aber nicht erst seit „BR“ umstritten. In den Siebzigern drehte er mit „Graveyard of Honor“ den ersten richtigen Yakuzafilm und sorgte damit für Aufsehen. Jahre später gilt der Film als Meisterwerk und Japans Kultregisseur Takashi Miike ehrte Fukasaku mit einem Remake. Beide Filme bringt Asienspezialist Rapid Eye Movies nun zusammen im Digipack.

Kinji Fukasaku’s Graveyard of Honor (Japan 1975)

Originaltitel: Jingi no hakaba
Regie: Kinji Fukasaku
Darsteller: Tetsuya Watari, Tatsuo Umemiya, Yumi Takigawa, Noboru Ando
Laufzeit: 93

FSK: 16
Sprachen: Japanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Ton: DD 2.0
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Vertrieb: Rapid Eye Movies

Takashi Miike’s Graveyard of Honor (Japan 2002)

Originaltitel: Shin jingi no hakaba
Regie: Takashi Miike
Darsteller: Goro Kishitani, Yoshiyuki Daichi, Hirotaro Honda, Harumi Inoue
Laufzeit: 131
FSK: Keine Jugendfreigabe
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 5.1
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,85:1
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Vertrieb: Rapid Eye Movies

Kinji Fukasaku’s Graveyard of Honor:
Story:
Im Tokyo der Nachkriegszeit wird der Kleinkriminelle Rikio Ishikawa (Tetsuya Watari) in eine große Lokale Yakuza Bande aufgenommen, nachdem er sich auf den örtlichen Märkten einen Namen als brutaler Gangster gemacht hat. Er ist jedoch ein Draufgänger der ab und zu mal Amok läuft und so die lokalen Yakuza Banden in Unruhe bringt. Nachdem er sich von der eigenen Gang betrogen fühlt, versucht er ein Attentat auf seinen Boss. Leider hat er dabei nicht bedacht, das die Mitglieder auf Rache aus sind und so stellt er sich lieber der Polizei, um den Anschlägen zu entgehen. Nach dem Knastaufenthalt ist seine Lage jedoch nicht besser geworden und er wird für 10 Jahre aus Tokyo verbannt. Er zieht nach Osaka weiter wo er einige Jahre verbringt und drogenabhängig wird. In Osaka plant er nun seine blutige Rückkehr und läuft wieder Amok...“

 

Die Geschichte um Ishikawa wird dabei teilweise aus dem Of erzählt und Regisseur Fukasaku inszenierte sein (fiktives) Meisterwerk wie eine Biographie. So erzählen am Anfang einige Bekannte, anhand von Fotos, von Ishikawa wie er als Kind war und wie er zu einem Kriminellen wurde. Der Film spielt Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre wo Japan am Ende war und gesellschaftlich am Boden lag. So gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen den Alliierten und den Chinesen. Dabei ist die Kamera immer dicht am Geschehen und der Zuschauer erkennt klar was auf den dreckigen Hinterhöfen abläuft.
Überall herrscht Brutalität...so werden Frauen vergewaltigt oder gnadenlos Menschen in schön inszenierten Shoot-Outs abgeschlachtet. Die Ausstattung ist ebenfalls toll und die Coolness der Yakuza mit ihren riesigen Sonnenbrillen schlägt so manch heutigen Gangsterstreifen, wie die bemerkenswerte Musikbegleitung. Der in einigen Szenen eingefügte s/w Filter mit Gelbstich sorgt zusätzlich für Atmosphäre und verstärkt das Gefühl eine Dokumentation zu sehen.
Die Darsteller sind, allem voran Testsuya Watari als Ishikawa, allesamt sehr gut besetzt und machen ihre Sache super. Ishikawa ist immer ruhig und kann kurz darauf wie ein Vulkan explodieren. Auch scheint er unsterblich zu sein, da er alle Attentate überlebt. Aber in seiner Welt besteht keine Hoffnung...auch nicht für ihn selbst wie das Ende beweist. Auf seinem Grabstein steht: „Menschlichkeit und Gerechtigkeit“, aber was er damit dem Zuschauer mitteilen will bleibt ihnen überlassen. Wenn man den Film sieht, merkt man auch woher Takeshi Kitano z.B. seine Inspirationen nimmt, denn „Graveyard of Honor“ ist ganz großes Gangsterkino, welches auch heute noch beeindruckt und bewegt.


Takashi Miike’s Graveyard of Honor:

Story:
"Ishimatsu (Goro Kishitani) ist ein armer Tellerwäscher der in einer Bar arbeitet wo häufig auch die Yakuza zu Gast ist. Eines Tages marschiert ein Auftrageskiller (Takashi Miike als Cameo) in den Laden um einem Yakuza Boss das Lebenslicht auszublasen. Ishimatsu scheint die Ballerei etwas auf die Nerven zu gehen und zieht dem Killer kurzerhand einen Stuhl über den Kopf, noch bevor dieser den Boss töten konnte. Nun hat Ishimatsu natürlich einen mächtigen Stein im Brett und wird sofort die rechte Hand des Yakuza Bosses. So beginnt der schnelle Aufstiegt vom Tellerwäscher zum hochrangigen Yakuza. Doch leider ist er ziemlich respektlos und schlägt gern mal über die Stränge und schneller als der Aufstieg ist dann auch der Fall von Ishimatsu. Durch eine kleine Fehlinformation läuft er Amok und will seinen Boss beseitigen. Durch seine blinde Wut bemerkt er jedoch nicht, dass es doch noch Freunde gibt die ihn beschützen wollen. So bringt er alle nacheinander in das Verderben..."

 


Miike hat die Geschichte von der Nachkriegszeit in die Achtziger/Neunziger verlegt, aber der Gedanke ist der gleiche. In dieser Zeit hatte Japan ähnliche Gesellschaftliche Probleme und somit ist das Szenario wieder topaktuell. Ob der Film nun gesellschaftskritisch ist, wage ich aber dennoch nicht zu beurteilen. Miike geht sehr behutsam mit dem Thema um und überzeichnet das Geschehen nicht so wie in seinen bekannten Filmen „Ichi: The Killer“ oder „Dead or Alive“. Er zeigt realistisch den Auf- und Abstieg eines Yakuzas und dabei verhält sich Miikes Ishimatsu ähnlich wie beim Original. Wo ich gerade beim Original bin: Miikes Film fängt dort an, wo das Original endet. Ishimatsu klettert auf den Gefängnisturm und springt vom Selbigen. Das Bild stoppt während er in der Luft ist und ein Schnitt zu Ishimatsu als Tellerwäscher setzt ein. Auch andere (meist Kleinigkeiten) verbinden die Filme. So gibt es immer wieder ein Deja vú wie eine Vergewaltigung auf einer Toilette, oder die zukünftige Frau von Ishimatsu wird ebenfalls zuerst vergewaltigt. Auch an Details wie eine Orange die Ishimatsu zu seiner Frau wirft hat Miike gedacht.Dabei kopiert er aber nicht das Original, sondern bringt auch eigene Sachen mit ein. Das Remake zeigt alles um einiges brutaler als beim Original und das war schon ziemlich heftig. Übertreibungen wie bei Ichi gibt es jedoch zum Glück nicht. Auch optisch ist der Film realistischer als Miike's andere Werke, kommt aber nicht an das dreckige Szenario des Originals heran.
Die schauspielerischen Qualitäten wissen auch zu überzeugen und nur die übertriebene Coolness des Ishimatsu Darstellers wirkt etwas aufgesetzt (kommt auch nicht an Watari alias Ishikawa im Original heran) und durch die peinliche deutsche Synchro wird das ganze noch verstärkt. Wie im Original hat auch hier Ishimatsu keine Zukunft in der Welt bzw. sein Leben. Denn wie teilt uns Ishimatsu/Ishikawa in beiden Filmen mit: „Was für ein Spaß - 30 Jahre Hölle auf Erden.“

Bild:
Das Bild des Fukasaku Klassikers ist richtig gut und besitzt nur eine leichte Unschärfe. Ganz selten sind aber Artefakte als schwarze oder weiße Flecken zu sehen. Dagegen ist die Scheibe des Remakes ziemlich bescheiden. Das Bild ist unscharf, rauscht ziemlich und hat teilweise deutliche Artefakte. Mir ist schleierhaft warum eine Film von 2002 so viel schlechter abschneidet, als wie ein Film aus den Siebzigern.

Ton:
Im japanischen Originalton sind beide Scheiben gelungen. Die Originaltonspur ist sehr gut mit den Hintergrundeffekten abgemischt (beim Remake hätten sie jedoch einen Tick lauter sein können) und zudem besitzen beide Filme tolle Filmmusik. Besonders der jazzige Soundtrack des Remakes von Miike ist sehr gut und geht ins Ohr. Während das Original nur japanischen Ton hat, bietet das Remake auch eine deutsche Vertonung. Diese hätte man sich jedoch sparen können, da zum Einen die Stimmen ziemlich daneben sind und fast schon lächerlich wirken. Zum Anderen sind die Stimmen teilweise zu leise und werden von den Hintergrundsgeräuschen übertönt. Auch gibt es bei der deutschen Vertonung teilweise Dialoge die es im japanischen Original gar nicht gab. So z.B. in der Anfangssequenz wo ein Yakuza zu einem Handlanger sagt „Friss nicht so viel“. Im japanischen sagt dieser dagegen nichts.

Bonus:
Bei der Fukasaku Scheibe (hübsche Picture Disk) gibt es leider nur den japanischen Trailer und Biographien. Aufgrund des Alters war dies jedoch zu erwarten. Auf der DVD des Remakes befindet sich dagegen neben dem Trailer ein Making Of und ein Interview mit Takashi Miike welches deutsche UT bietet. Die UT’s sind beim Klassiker sehr gut (flimmern nur etwas leicht), jedoch beim Remake teilweise nur Durchschnitt. Beide DVD’s befinden sich in einem Digipack (inkl. Poster) welches recht hübsch daherkommt. Auf beiden DVD’s (Menus sind mit Filmszenen unterlegt) sind auch Trailer aus dem REM Programm zu sehen. Diese wären.
Original: Aragami, Electric Dragon 80.000V, Uzumaki
Remake: Battles without Honor & Humanity, Aragami, 2LDK, Electric Dragon 80.000V, Kinji Fukasaku Graveyard of Honor, Lady Snowblood, Tetsuo: The Iron Man, Uzumaki, Yakuza Graveyard


Fazit:

Kinji Fukasaku Graveyard of Honor:

 


Das Original gefällt mir im direkten Vergleich etwas besser. Zum einen gefällt mir das Fukasaku alles wie eine Biographie erzählt, zum anderen ist der Film einfach kompakter und besitzt keine längen. Auch die Rolle des Hauptdarstellers Ishikawa gefällt mir um einiges besser, da er hier nicht so Möchtegern cool rüberkommt. Hier wirkt alles auch viel dreckiger, da sich das Szenario meist auf Hinterhöfe beschränkt. Für mich ein tolles, realistisches Zeitdokument und einer der besten Gangsterfilme!

Bild - 9/10
Ton - 8/10
Bonus - 2/10
Film – 9/10

Takashi Miike Graveyard of Honor:

 


Miike hat sich nahe ans Original gehalten (dieses aber nicht kopiert) und aus dem Stoff zum Glück keinen Comicstrip alá Ichi: The Killer gemacht. Leider zieht sich Miike’s Interpretation jedoch teilweise etwas in die Länge und kann die Spannung nicht ganz aufrechterhalten. Miike hat es dennoch geschafft einen ernsten, düsteren Yakuza Thriller zu drehen, welcher sich nicht hinter dem Original zu verstecken braucht. Zudem bringt er durch die Verlagerung in die Neuzeit eine gewisse Aktualität des gebeutelten Japans mit sich. Eine perverse Gewaltorgie wie Ichi: The Killer oder Dead or Alive darf man jedoch nicht erwarten.

Bild - 6/10
Ton - 4/10 bzw. 8/10 für den japanischen
Bonus - 5/10
Film – 8,5/10
 

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Rapid Eye Movies zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]