Drive - Kinoreview

02. February 2012

Drive - Kinoreview

„The Gateway“, „Bullitt“, „Fluchtpunkt San Francisco“ und „Driver“. Filme einer leider längst vergessen Art von klassischen Action Dramen. Darbend mussten Fans warten, bis sich mit Michael Mann wieder ein Regisseur am Genre versuchte und mit „Heat“ 1995 ein wahres Epos erschuf. Lange her. Dies muss sich wohl auch Regisseur Nicolas Winding Refn gedacht haben, welcher sich nach seinen gefeierten Filmen „Bronson“ und „Walhalla Rising“ auf nach Holywood machte, um einen Film zu drehen, der in einer selten erreichten filmischen Brillianz daherkommt.

Originaltitel: Drive
Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Ron Perlman, Oscar Isaac, Christina Hendricks
Laufzeit: 101
FSK: 18
Bildformat: 2,35:1
Produktion: 2011
Erschienen: 26.01.2012
Vertrieb: Universum Film

Film:
Der Einstieg in „Drive“ ist für ein Action-Drama überraschen unkonventionell, aber dafür umso genialer. So startet der Film mit einer Verfolgungsjagd, welche dermaßen perfekt inszeniert wurde, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Und dabei gibt es nicht mal schnelle Schnitte oder gar Blechschäden. Der Driver (Ryan Gosling) agiert intelligent, zurückhaltend und unglaublich Cool, um seine Auftraggeber ans Ziel zu bringen. Ohne eine Miene zu verziehen passt er seine Fluchtstrategien den jeweiligen Ereignissen an. Übergehend in den Openingsong „Nightcall“ von eletro Artist Kavensky, welcher in düster, melancholischen Bildern durch die nächtliche Stadt führt ...

 

Selbst nach diesem eher gemächlichen Auftakt schaltet „Drive“ noch ein paar Gänge herunter und führt mit der Nachbarin (Carey Mulligan alias Irene) des Driver und ihrem Kind eine kleine Romanze ein, die durch die introvertierte Art des Driver allerdings eher distanziert wirkt. Als allerdings der Vater (Oscar Isaac alias Standard) des Kindes aus dem Knast entlassen wird, scheint alles aus dem Ruder zu laufen. Der Driver möchte der jungen Familie helfen und will die Schuld begleichen, welche Standard noch mit einem Gangsterboss offen hat. Mit einer bösen Wendung ...

Die Figur des Driver ist ein typischer Stereotyp und im Grunde völlig eindimensional. Wortkarg, keine Familie noch Vergangenheit und nur wenigen Regungen im Gesicht. Verzieht er letzteres dann doch mal, liest man jedoch mehr daraus, als aus den spärlichen Dialogen. Seine introvertierte Art explodiert zudem immer wieder in pure Gewalt, welche nicht nur mit einem Lächeln kommentiert wird, sondern auch sehr unerwartet kommt und wieder geht. Im Herzen erinnert der Film somit an die Klassiker des Genre und macht aus Nicolas Winding Refn's „Drive“ den wohl legitimen Nachfolger zu Sam Peckinpah's „The Gateway“! Aber auch die Nebendarsteller überzeugen auf ganzer Linie. Allen voran Albert Brooks als Gangsterboss Bernie Rose, welcher mit folgendem Dialog gekonnt eingeführt wird.

Bernie Rose reicht dem Driver die Hand
Driver: „Meine Hände sind schmutzig.“
Bernie Rose: „Meine auch.“


Der zweite Hauptdarsteller neben Ryan Gosling ist aber die Inszenierung! Wie eingangs bereits erwähnt ist die filmische Umsetzung ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus. Perfekt inszenierte Szenen, welche bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und mit einem Sounddesign versehen wurden, dass es einem die Sprache verschlägt. Gekonnte Zeitlupen, tolle Schwenks und spannende Perspektiven ergeben mit dem Soundtrack eine Symbiose, die seinesgleichen sucht. Dabei gibt es stimmige vocal Songs, sowie spannungserzeugende Instrumentalstücke von Cliff Martinez (z.B. „Traffic – Macht des Kartels“). So erinnert der Film letztendlich erzählerisch eher an das 1970er Jahre Kino, während filmisch und musikalisch „Drive“ eher wie ein poppiger 1980er Jahre Streifen daherkommt.

 

 FAZIT:

„Drive“ ist eine stilistische Punktlandung, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Filmisch perfekt inszeniert und mit einem Sounddesign, welches jede einzelne Szene grandios unterstützt und die Spannungskurve immer weiter steigen lässt. „Drive“ ist poetisches, düster, bedrohlich-melancholisches Neo-Noir Kino in hypnotisierenden Bildern. Ein Stoff, aus dem Kult entsteht! Das einzige was man „Drive“ wirklich ankreiden könnte, ist, dass die Story an sich nicht tiefgründig oder nachhaltig daherkommt. Dennoch … anschauen!

Film – 9,5/10

[Review verfasst von Shagy]

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