Animes sind ein teures und langwieriges Hobby. Man wartet wochenlang bis endlich eine weitere DVD der geliebten Serie erscheint und dann darf man noch einen ordentlichen Batzen Geld dafür hinlegen. Neidisch blickt man da auf den UK und US Anime Markt, wo Sammelboxen regelmäßig auf den Markt kommen. Nach langem ausharren kommt endlich Planetes diese Ehre zugute und erscheint in einer Box mit allen 6 DVDs. Stellt sich nur mehr die Frage ob die Serie ihr Geld wert ist.
Originaltitel: Puranetesu
Regie: Gorō Taniguchi
Laufzeit: 625 Minuten (26 Folgen je 25 Minuten)
FSK: 12
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Italienisch (Dolby Digital 2.0), Französisch (Dolby Digital 2.0), Japanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch
Regionalcode: B
Bildformat: 1,78:1
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen: 15. April 2011
Vertrieb: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
Preis: 22€
Film:
Im Jahre 2075 ist es der Menschheit endlich gelungen das Weltall zu besiedeln. Es wurden zahlreiche Raumstationen rund um die Erde und eine Mondkolonie errichtet, in denen die Menschen leben und arbeiten. Wer im Weltall lebt, muss mit einer stetigen Bedrohung rechnen, Welltraummüll. Über die Jahre hinweg hat sich einiges an Müll im Orbit angesammelt, welcher ziellos und unkontrolliert durch das All treibt. Ein einzelner, aus der Flugbahn geratener Satellit stellt für eine Raumstation eine massive Bedrohung dar, selbst kleinere Teile können die Hülle eines Raumschiffes durchschlagen. Die Großkonzerne haben dieses Problem erkannt und gründeten spezielle Firmen, die sich damit befassen und den Orbit von Satelliten, Müll und sonstigen Teilen frei räumen.

Ai Tanabe, eine junge Rekrutin, schließt sich eines der Trümmer Teams an. Am Anfang erscheint ihr das Team völlig chaotisch und unorganisiert, doch diese Leute wissen wie wichtig ihre Aufgabe ist und erfüllen diese mit Stolz, auch wenn der Rest der Welt sie verachtet und als einfache Müllmänner ansieht. Von Hachimaki lernt Ai wie man sich im schwerelosen Raum arbeitet und bewegt, langsam wird sie ein vollwertiges Mitglied des Toybox Crew.
An dieser Stelle sei nicht zu viel von der Geschichte verraten, nur so viel, dass sie durchwegs spannend und abwechslungsreich ist. Die ersten Folgen widmen sich hauptsächlich der Einführung der Charaktere und der Welt. In diesen wird das Leben im Weltraum, die Arbeit und auf die einzelnen Crewmitglieder eingegangen. Die Handlung in diesen Episoden ist abgeschlossen. Spätere Folgen sind zusammenhängend und befassen sich hauptsächlich mit dem ersten Jupiterflug, den beiden Hauptprotagonisten Ai Tanabe und \"Hachimaki\" Hoshin und die Beziehung zwischen ihnen. Während Ai immer an das Gute in dem Menschen glaubt und stolz auf die Arbeit ist, ist Hachimaki der sture Typ, der mit seinem Leben nicht zufrieden ist. Er setzt alles daran an dem Jupiterflug teilzunehmen und verliert sich dabei immer mehr.

Der Anime legt viel wert auf die Charakterentwicklung und investiert darin sehr viel Zeit, selbst Nebencharakter durchleben diese Entwicklung und man findet sie des Öfteren noch in der Handlung.
Wer jetzt denkt das der Anime in ein reines Liebesdrama abdriftet, kann ich beruhigen. Der Müll ist nicht die einzige Gefahr im Weltraum. Daneben gibt es noch Terroristen, Umweltsünder und Killersatelliten. Damit wäre alles ist nötige vorhanden, um die Handlung mit Spannung und Action auf zu lockern.
Ein großer Pluspunkt des Animes ist die sehr realistische und glaubhafte Darstellung der Welt. Das Ausgangsszenario, Weltraummüll (Space debris), ist schon in unserer Zeit ein großes Problem in der Raumfahrt. Über die Jahre hinweg wurde von der Menschheit das Weltall verschmutzt und dieser Abfall bedroht die ISS, die Satelliten und Shuttles. Jede Raumfahrtbehörde hat mittlerweile schon eigene Büros, wo überlegt wird, wie man dieses Problem in den Griff bekommt. Da scheint der Gedanke von Müllsammelteams im Weltall nicht weit hergeholt.
Auch das restliche Szenario erscheint äußerst realistisch. Den Menschen ist es mittlerweile gelungen den Mond zu besiedeln und eine alternative Energiequelle zu erschließen, doch kämpft man auf der Erde noch immer mit den selben Problemen wie in unserer Zeit, Bürgerkriege und eine Zweiklassengesellschaft. Denn nur wer über die nötigen Finanziellen Mitteln verfügt, kann in den Weltraum investieren. Somit wird das All von den Industriestaaten und Großkonzernen regiert und verwaltet, kleinere Länder und Firmen werden nicht wahrgenommen und übergangen. Diese Lage führt wiederum dazu, dass es immer wieder zu Terroranschlägen auf den Raumstationen und dem Mond kommt.
Der Anime versucht ebenfalls ein realistische Bild, vom Leben in der Schwerelosigkeit und dem Weltall zu übermitteln. Neben offensichtlichen Punkten, wie geräuschlose außen Szenen und die drehenden Raumstationen, um eine künstliche Erdanziehung zu erzeugen, gibt es viele Kleinigkeiten die einem erst mit der Zeit bewusst werden. Überall in den Raumstationen und Raumschiffen sind Griffe angemacht, die einem die Fortbewegung im schwerelosen Raum erleichtern, Getränke werden meistens nur in verschlossenen Bechern und Flaschen serviert, ein komplettes Rauchverbot um Sauerstoff zu sparen und Haarspray, damit die Frisur auch in der Schwerelosigkeit perfekt sitzt. Neben diesen Punkten gibt es noch viele weitere solcher Details.
Auch auf die Gefahren des Lebens in Raumschiffen und der Mondstationen wird eingegangen. Eine Episode widmet sich gänzlich den Versicherungsvertretern, die auf der Jagd nach neuen Kunden sind, und das Schreiben eines Testament. Das ist auch bitter nötig, da einem immer wieder vor Augen geführt wird, wie schnell man im Weltraum sterben kann, egal ob Mini-Meteoriten oder durch Strahlung. Selbst auf das Thema “Kinder in Schwerelosigkeit” wird angeschnitten. Diese “Mondkinder” sind die Schwerkraft der Erde nicht gewohnt und können nur auf dem Mond überleben.

Animation und Bild:
Die Umsetzung des Mangas als Anime übernahm Studio Sunrise, bekannt auch für diverse Gundam Serien und Cowboy Bebop. Wie schon die ganze Szenarios, sind die Zeichnungen sehr realistisch und detailreich. Beliebtestes Element sind die Nahaufnahmen des Gesichts, wenn ein Charakter in einem Raumanzug ist. Ebenfalls wird der Blick auf die Feinen Details der Welt gelenkt. Kenner der Cowboy Bebop Serie werden wohl auch das Gefühl nicht los, als gehören die beiden Serien irgendwie zusammen. Dürfte aber an der ähnlichen Welt und am Zeichnerteam liegen. Soviel zum Thema der Animation, aber wie sieht es mit der DVD aus? Das Ergebnis ist recht ordentlich und fast ohne Fehler. Einzig großer Kritikpunkt ist der Weltraum. Viel zu oft wird aus dem satten dunklen Schwarz ein Dunkelgrau.
Ton und Synchronisation:
Ein großer Kritikpunkt bei Animes ist immer wieder die Synchronisation. Viel zu oft wird hier an der falschen Stelle gespart, glücklicherweise ist das hier nicht der Fall. Die Namen Constantin von Jascheroff und Anne Helm werden wohl niemand etwas sagen. Vielleicht hilft es wenn man weis, das beide ihre Stimmen Sora und Namine in Kingdom Hearts geliehen haben. Auch in Planetes über nehmen sie die Hauptrollen. Generell ist die Synchronisation sehr gut gelungen und keine Stimme fällt negativ auf. Wer damit nicht zufrieden ist, kann den Anime noch auf Japanisch, Englisch, Italienisch und Französisch genießen. Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass alle Audiospuren in Dolby Digital 2.0 vorliegen.
Bonus:
Auf den 6 DVDs findet man einige Extras. Wie üblich gibt es das Opening und Ending Textlos, sowie kurze Trailer zur Serien und dem Programm von Beez. Daneben gibt es noch eine kurze Charakterbeschreibungen. Einigen Episoden spendierte man sogar einen Audiokommentar. So viel zu den üblichen Extras, denn es gibt noch einen Audiocomic. Hier wird in Synchronisierten Standbildern eine kurze Geschichte erzählt, welche abseits der Serie spielen.
Verpackung
Mittlerweile kommt Planetes schon zum dritten mal auf den Markt. Den Anfang machten Einzel DVDs, danach kamen zwei Sammelboxen und jetzt eine Box mit allen 6 DVDs. Den Sammler wird es freuen, denn die Box ist äußerst platzsparend.

Fazit:
Mit 26 Folgen ist die Serie sehr mächtig, dennoch hab ich alle in 2 Tagen gesehen. Die Serie hat mich in ihren Bann gezogen durch die realistische und detailreiche Darstellung der Welt und das Team rund um die Toybox. Das ganze Team wächst einem richtig ans Herz und man will unbedingt wissen wie es mit ihnen weitergeht. Der Regisseur war sich dem bewusst und spielt gegen Ende hin mit den Gefühlen der Zuschauer. Er stellt uns mit dem ungewissen Schicksal einer Person auf eine harte Probe. Wenigstens gibt es ein Ende, dass alle Zuschauer zufrieden stellen sollte, ist mittlerweile schon eine Seltenheit bei Animes.
Auch wenn man mit der japanischen Animations Kunst nicht viel anfangen kann, sollte man einen Blick riskieren. Der Anime wirkt sehr realistisch und kommt ohne die üblichen Klischees aus. Glaubt mir, Ihr werdet nicht enttäuscht sein. Zudem gibt es 6 DVDs zu einem Schnäppchenpreis von 22€! Wer kann da noch Nein sagen.
Bild – 6/10
Ton – 8/10
Bonus - 6/10
Film – 8/10
[Review verfasst von Andy]