Walt Disney war ein Visionär und seiner Zeit oftmals auch voraus. Am deutlichsten wurde dies bei seinem Experiment „Fantasia“, welches über zwanzig Jahre lang seine Kosten nicht einspielen konnte. Zudem hatte das Werk mit etlichen Umstrukturierungen zu kämpfen. Nun, siebzig Jahre nach der Aufführung erscheint der „Fantasia“ endlich (fast) ungeschnitten auf Blu-ray und einer nie dagewesenen Qualität.
Originaltitel: Fantasia
Regie: James Algar, Samuel Armstrong, Ford Beebe
Laufzeit: 124
FSK: 6
Ton: dts-HD 7.1 (Englisch), dts-HD 5.1 (Deutsch, Italienisch), DD 5.1 (Türkisch, Griechisch, Arabisch), DD 2.0 (Audiokommentare)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte
Regionalcode: A, B, C
Bildformat: 1,37:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 1940
Erschienen: 04.11.2010
Vertrieb: Buena Vista
Preis: 25€
Film:
„Fantasia“ ist kein Film im ursprünglichen Sinne, sondern eher ein Genreexperiment. Das Werk besteht nämlich aus acht Kurzfilmen, welche allesamt nur mit klassischer Musik unterlegt sind. Gesprochenes Wort gibt es nur zwischen den einzelnen Stücken, wo der Musikkritiker Deems Taylor den folgenden Kurzfilm und seine Begleitmusik vorstellt und erklärende Worte liefert. Dabei unterscheiden sich alle Episoden voneinander und ein roter Faden lässt sich anfangs nicht ausmachen. Letztendlich handeln aber alle Kurzfilme entweder über die Jahreszeiten, die Vergänglichkeit, den Kreislauf des Lebens, sowie Tag und Nachtwechsel. Hier nun kurz die einzelnen Stücke:
1 - Toccata und Fuge in D-Moll (Johann Sebastian Bach)
2 - Nussknacker Suite (Pjotr Ilijtsch Tschaikowski)
3 - Der Zauberlehrling (Paul Dukas nach einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe)
4 - Le Sacre du Printtemps (Igor Strawinski)
4 - 6. Sinfonie, Pastrale (Ludwig van Beethoven)
5 - Der Tanz der Stunden aus der Oper „La Gioconda“ (Amilcare Ponchielli)
6 - Eine Nacht auf dem kahlen Berge aus der Oper „Der Jahrmarkt von Sorotschinzy“ (Modest Mussorgski)
7 - Ave Maria (Franz Schubert)

Wie bereits erwähnt gibt es zwischen den einzelnen Stücken zur Erläuterung einen Kommentar von Deems Taylor, während es zwischen dem 4. und 5. Stück eine verkürzte Pause, sowie als Auflockerung ein „Interview“ mit dem Star des Filmes – dem Ton – gibt. Die einzelnen Stücke wurden aber nicht komplett in „Fantasia“ eingefügt, sondern teils drastisch gekürzt und auch neu arrangiert. Als Beispiel sei die Nussknacker Suite erwähnt, wo nicht nur die Ouvertüre und der Marsch der Zinnsoldaten fehlen, sondern die verbleibenden Stücke neu angeordnet wurden. Beethovens 6. Sinfonie wurde zudem um fast die Hälfte gekürzt, wobei alle relevanten Themen erhielten blieben und man lediglich auf Wiederholungen verzichtete.
„Fantasia“ hatte in den letzten Jahrzehnten viel durchmachen müssen und wurde etliche mal umgeschnitten und neu arrangiert. Walt Disney hatte viel vor und mischte zum Beispiel den Soundtrack in Mehrkanalton ab, was seinerzeit für einen Spielfilm einmalig war. Zudem druckte er spezielle Eintrittskarten, welche eher an die Programmhefte fürs Theater erinnerten. Aufgrund des Themas war der Film aber recht schwer zu vermarkten und er flopte gewaltig. So wurde später das Werk von 124 Minuten auf 81 Minuten heruntergekürzt. Zudem waren die Kommentare von Deems Taylor nur noch aus dem Off und in Kurzform zu hören. Nebenbei gab es noch ein paar kleinere Skandälchen um die „Pastrale“ Episode von Beethoven. Hier gab es nicht nur barbusige Zentaurinnen und Dämonen (mit Nippeln in Großaufnahme), sondern auch eine Zentaurin mit afrikanischem Oberkörper und dem Unterkörper eines Esels. Während es die Brüste noch immer zu sehen gibt, wurde die afrikanische Zentaurin in den 1960er Jahren aufgrund von Rassismusvorwürfen aus allen Kopien verbannt. Demzufolge ist auch die nun veröffentlichte Blu-ray im Vergleich mit der Uraufführung geschnitten.
Übrigens war einer der Hauptgründe von „Fantasia“ ein Combackversuch von Mickey Maus, welche in den 1930er Jahren eine größere Krise hatte und das Publikum eher Figuren wie Donald Duck bevorzugte. So ist auch die Episode „Der Zauberlehrling“ mit der Beste und Aufwendigste Abschnitt. Das es der Film so schwer hatte ist selbst aus heutiger Sicht kein Wunder. Selbst wenn man offen für Zeichentrickfilme und orchestrale Musik ist, ist der Einstieg sehr schwer. Zu surreal und gewöhnungsbedürftig sind einige Episoden. Zwar hat der Film eine FSK 6 Einstuffung, doch wirklich kindertauglich ist das schwer zugängliche Werk nicht wirklich. Auch die Themen sind nicht sonderlich kindertauglich.

Bild:
Die Restaurierung ist wirklich mehr als gelungen, wobei sie nicht an Referenzen wie \"Pinocchio\" heranreicht. Die Schärfe ist meist auf hohem Niveau und nur selten etwas zu weich. Die Realfilmaufnahmen sind zudem etwas zu dunkel und es saufen hier und da ein paar Details ab. Dafür ist die Farbwiedergabe erstklassig und es gibt keinerlei Verschmutzungen, Kratzer oder sonstige Defekte. Falls es doch mal zu Bildschwankungen wie zum Beispiel Doppelkonturen kommt, liegt dies nicht an der technischen Umsetzung/Restaurierung, sondern sind Animationsbedingt.
Ton:
Hier macht die Blu-ray eine hervorragende Figur. Der orchestrale Soundtrack ist fast perfekt umgesetzt wurden und alle Lautsprecher/Satelliten wurden gekonnt mit einbezogen. Nur selten kommt es bei höheren Tönen zu einer leichten Verzerrung (z.B. beim „Ave Maria“). Leider liegt nur der englische Ton in dts-HD 7.1 vor, was wiederum für Punktabzug führt.
Bonus:
Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen bietet diese hier nur eine Blu-ray und eine DVD. Während es auf der DVD nur den Film und einen Einblick in das Familienmuseum gewährt, gibt es auf der Blu-ray zusätzlich noch drei Audiokommentare (Disney Historiker Brian Sibley, Roy Disney mit Dirigent James Levine und Animations Historiker John Canemaker und Filmrestaurator Scott MacQueen, sowie Walt Disney mit Archivaufnahmen), eine wundervolle und umfangreiche Kunstgalerie, das bekannte Disney View (hier werden die seitlichen Balken mit Artworks verschönert) und den Einblick in das Notizbuch von Herman Schultheiss. Dieser hat während der Produktion alles haarklein zusammengefasst und aufgezeichnet. Sehr interessant, doch leider schmerzt es dennoch, dass es kein richtiges Making Off auf die Disc geschafft hat. In der Erstauflage gibt es zudem noch einen schicken Pappschuber. Leider gibt es jedoch kein Wendecover.

FAZIT:
„Fantasia“ macht es dem Zuschauer nicht leicht. Zu experimentell und surreal sind einige der Episoden was den Zugang erschwert. Das ausloten des Mediums verdient aber große Anerkennung und man sollte „Fantasia“ mindestens ein Mal gesehen haben, schon alleine wegen den Episoden „Der Zauberlehrling“, dem witzigen „Der Tanz der Stunden“ und dem Finale bestehend aus „Eine Nacht auf dem kahlen Berge„ und dem „Ave Maria“. Die Blu-ray gibt sich technisch keine Blöße, wobei sie Qualitativ nicht ganz an zum Beispiel „Pinocchio“ heranreicht. Leider patzt die Veröffentlichung an den wenigen Extras. Gerade ein solcher Film hätte hier mehr bieten müssen.
Bild – 8/10
Ton – 9/10
Bonus – 5/10
Film – 8/10
[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Buena Vista zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]