Westliche romantische Herzschmerz Komödien laufen alle nach dem gleichen Schema ab und sind beliebig austauschbar. Zudem nervt der meist vorherrschende Fäkalhumor. Daher lohnte immer ein Blick Richtung Asien, wo Filme wie „Please teach me english“, „Singles“, „Il Mare“, das grandiose „My sassy girl“ oder „Windstruck“ erfrischend anders waren. Leider dauerte ein Release immer Jahre und schlimmstenfalls nur als müdes Remake („Il Mare“ aka „Haus am See“ oder „My sassy girl“). Nun erscheint endlich sechs Jahre nach dem koreanischen Release der Film „Windstruck“ ebenfalls in Deutschland auf DVD.
Originaltitel: Nae yeojachingureul sogae habnida
Regie: Kwak Jae-yong
Darsteller: Jeon Ji-hyun, Jang Hyuk, Kim Soo-ro, Lee Ki-woo
Laufzeit: 123
FSK: 16
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen: 12.08.2010
Vertrieb: Highlight/Constantin
Preis: 16€
Film:
Durch einen dummen Zufall wird Myung-woo (seines Zeichens Lehrer an einer Mädchenschule) von der übereifrigen Polizistin Gyeong-jin gefangen genommen und in Handschellen gelegt. Kein allzu guter Start und nicht wirklich Liebe auf den ersten Blick. Mit der Zeit vertieft sich ihre Beziehung durch weitere Umstände aber, bis es zu einem tragischen Unfall kommt.

Der erste Teil des Film kommt hauptsächlich als typische Komödie daher, welche gewohnt asiatischen Slapstick mit teilweise gehörigen Overacting anreichert. Dazwischen begibt sich Regisseur Kwak Jae-yong (drehte auch schon „My sassy girl“) aber auch schon mal auf andere Genrepfade und inszeniert nebenbei einen gelungen Shoot Out. In einer Szene hätte auch ein Michael Bay mit übertriebener Coolness seine Freude gehabt, während andere extrem düster daherkommen. Nachdem das Paar dann zu sich gefunden hat, macht der Film jedoch einen Bruch und wird zu einem Drama inkl. Selbstmordgedanken, welches zum Ende hin aber leider sehr schmalzig wird und gehörig auf die Tränendrüse drückt.
Genau dieses Ende ist auch der einzige wirkliche Kritikpunkt, welcher allerdings den ganzen Film in ein schlechtes Licht rückt. Jedes Mal, wenn man glaubt, dass der Film zuende ist, kommt es doch noch mal zu einer Wendung und dann noch einer. Es ist einfach zuviel des Guten und 20 Minuten weniger hätten den Film wirklich gut getan. Alles wirkt hier etwas zu sehr aufgesetzt. Positiv dagegen ist wiederum die Musik, welche sich zwar an einigen Stellen wiederholt, aber dennoch mit teils gecoverten Songs zu überzeugen weiß.
Hauptdarstellerin Jeon Ji-hyun macht ihre Sache sehr gut. Sie muss in „Windstruck“ aber auch recht viele Gemütszustände durchmachen, was teils an ihre Rolle in „My sassy girl“ erinnert. Auch ihr Kollege Jang Hyuk gibt sich keine Blöse, wenngleich sein fast immer gleicher treudoofer Blick etwas nervt. Zudem stimmt die Chemie zwischen den Beiden und sie haben sichtlich Spaß an ihrem Spiel.

Bild:
Der Film hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel und das Bild kommt dennoch etwas schwächer daher, als die damalige koreanische DVD. Kontrast und Schärfe sind leider nur Durchschnitt, aber auch auf einem 42“ noch sehenswert.
Ton:
Der Soundtrack passt hervorragend und ist mehr als gut mit den Dialogen und Hintergrundgeräuschen abgemischt. Die deutsche Syncro ist ganz angenehm und versucht das Overacting gut umzusetzen, was aber auch nicht immer klappt. Die wenigen Actionsequenzen lassen dann auch mal etwas mehr aus den Boxen hören und spielen auch ein wenig mit den Satelliten.
Bonus:
Meistens wird man bei solchen Veröffentlichungen mit einem müden Trailer abgespeist, doch hier gibt es neben dem Trailer noch ein Making of, zwei Interviews, Darstellerinfos in Textform und ein Musikvideo, sowie sechs Trailer aus dem Highlight/Constantin Programm. Leider ist das Cover mehr als schlecht gewählt! Wobei man hier schon von hässlich sprechen kann. Ein Wendecover gibt es nicht.

FAZIT:
Als ich den Film das erste Mal im Jahre 2005 sah (ich habe die koreanische Limited Edition) war ich hin und weg und auch beim zweiten Sichten war ich noch sehr angetan. Jetzt beim dritten Mal nervten mich dann einige Sachen, über die ich damals noch hinwegsehen konnte. So ist das Ende einfach gute 20 Minuten zu lang und das Overacting nervt bisweilen zu sehr. Auch mag der typisch koreanische Slapstick Humor nicht jedermann Sache sein. Dennoch ist „Windstruck“ ein mehr als guter Film mit vielen Genreversatzstücken, welche dennoch recht stimmig sind. Auch die Musik und allgemeine Inszenierung wissen zu gefallen.
Bild – 6,5/10
Ton – 7/10
Bonus - 5/10
Film – 7,5/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Highlight/Constantin zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]