In meinem Himmel

04. August 2010

In meinem Himmel

Mit „Braindead“ wurde er Kult, mit der „Der Herr der Ringe“ Saga massenmarkttauglich und mit „King Kong“ lies er alten Charme in neuen Glanz erscheinen. Gemeint ist hier natürlich Peter Jackson, welcher aber nicht nur Over the Top Filme abgeliefert hat. Denn neben diesen Filmen war es vor allem das Drama „Heavenly Creatures“ welcher mich begeisterte. Sein neuster Film „In meinem Himmel“, welcher auf einem Roman von Alice Sebold basiert, schlägt in eine ähnliche Kerbe.

Originaltitel: The lovely bones
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Rachel Weisz, Saoirse Ronan, Susan Sarandon, Rose Mclver
Laufzeit: 135
FSK: 12
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch), dts-HD 5.1 (Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Dänisch, Spanisch etc.
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2009
Erschienen: 19.08.2010
Vertrieb: Paramount Pictures
Preis: 30€


Film:
Die 14-jährige Susie Salmon hatte ihr Leben noch vor sich, als sie brutal ermordet wurde. Bevor Susie allerdings in den Himmel kann, muss sie erst ihrem Vater Hilfestellung leisten, um ihren Mörder dingfest zu machen. So gibt sie Väterchen aus der Zwischenwelt heraus diverse Hinweise und versucht auch gleichzeitig weiteres Unheil abzuwenden. Erst wenn das erledigt ist, kann Susie in den wahren Himmel.

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So steht es zumindest auf der Rückseite der Blu-ray Hülle, was auf einen spannenden Krimi schließen lässt. Letztendlich ist die Filmbeschreibung aber ganz großer Schwachfug, da die Aufklärung des Mordes nicht das Hauptthema des Filmes ist und eine weit untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr geht es um die Verarbeitung des Verlustes einer geliebten Person und das man daran nicht zerbricht. „In meinem Himmel“ versucht das Unfassbare fassbar zu machen. Und gerade das ist hier ganz harter Tobak und lässt sich nur schwer in Worte und ein Review fassen. Es fängt schon bei der Tat an sich an, welche im übrigen nicht plakativ gezeigt wird, aber dennoch grausam wirkt. Wenn dann Susie auch noch in einem weißen Raum steht, der voller Blut und Erde ist, während der Mörder entspannt in der Badewanne liegt, merkt man ganz schnell, wo Peter Jackson seine Wurzeln hat. Und genau solche Szenen sorgen dafür, dass die Thematik sich in den Köpfen der Zuschauer festsetzt.
 
Was den Film besonders ausmacht, ist hierbei die visuelle Kraft. Egal ob die farbenfrohe Zwischenwelt oder die in Realität, welche ziemlich auf Retro getrimmt wurde. Das dabei die Zwischenwelt arg kitschig wirkt, ist ein morbider Kunstgriff zu den eher gedeckten Farben der Realität. Doch es passt immer zu den gezeigten Gefühlen. Wenn man sich die Darsteller Riege betrachtet, wird der Film zudem von zwei Schauspielern getragen. Zum einen spielte Mark Wahlberg zuletzt in „Boogie Nights“ so gut wie hier, wo man ihm einfach alles abnimmt. Zum anderen das Böse in Person in Form von Stanley Tucci, welcher es in seinem Spiel locker mit einem Javier Bardem alias Anton Chigurh aus „No country for old men“ aufnehmen kann. Seine dämonische Präsenz steht über allem und das, obwohl sein Charakter nicht eindimensionaler hätte sein können. Aber auch Saoirse Ronan als Susie kann meist überzeugen. Vor allem in der Szene, wo ihre jugendliche Naivität in blanke Angst übergeht, zeigt sie großes Potenzial.

Leider macht „In meinem Himmel“ den Fehler auf ein größeres Publikum abzuziehlen. Egal ob von Jackson oder dem Studio gewollt, es passt einfach nicht. Zum einem kommt es dabei zu fiesen Logikfehlern …

ACHTUNG LEICHTER SPOILER

... und zum anderen zur aufgesetzten Genugtuung für die meisten Zuschauer. Der ungemütliche Weg zum realistischen, wenn auch düsterem Ende wird leider nicht gegangen.

SPOILER ENDE

Zudem fühlt man sich als Zuschauer kurz vorm Ende nicht mehr am Geschehen beteiligt, sondern scheint nur noch einer Erzählung zu folgen. Aber auch mitten im Film gibt es Szenen, die unlogisch wirkten. So verschwindet auf ein Mal die Mutter und lässt ihre Kinder zurück. Wirklich schlimm scheint es für die Kinder aber nicht zu sein, da diese ihren Trott weiterleben.

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Bild:
Leider kann das Bilder der Blu-ray nicht völlig überzeugen. Vor allem die Schärfe lässt die komplette Laufzeit über zu wünschen übrig. Alles wirkt verwaschen und auch das Filmkorn ist hier ziemlich deutlich zu sehen. Auch stört es, dass das Bild teils überstrahlt. Während es in der Zwischenwelt noch zur Szenerie passt, stört es in der realen Welt etwas. Farbtechnisch wurde die reale Welt ziemlich auf Retro getrimmt, während die Zwischenwelt übersaturiert wurde.

Ton:
Bei solch einen Film bekommen naturgemäß die hinteren Boxen und der Sub wenig zu tun. Zum Glück gibt es bei „In meinem Himmel“ einen wirklich sehr guten Score, welcher sich auch schön auf die hintern Boxen verteilt. Die Dialoge sind immer gut verständlich, auch wenn der Score und die Soundeffekte mal etwas aufdrehen.

Bonus:
Ein Making Of im eigentlichen Sinne und einen Audiokommentar gibt es hier nicht, dafür versucht man einen anderen, interessanten, Ansatz. Man unterteilte den Bonus in drei Teile, die da wären: Dreharbeiten in den USA, in Neuseeland und abschließend die visuellen Effekte. Diese drei Teile unterteilte man nochmals in 15 Drehwochen, welche den kompletten Ablauf chronologisch zeigen. Chronologisch zu den Dreharbeiten und nicht zum endgültigen Film. Somit kann es sein, dass man die eigentliche Anfangsszene des Filmes erst viel später im Making Of sieht. Man erfährt von Peter Jackson aus dem Off ziemlich viel über die Dreharbeiten, diverse Probleme und Änderungen im Bezug auf den Roman. Großes Marketinggebrabbel gibt es zum Glück keines. Wer eine Allergie gegen Flatschen hat, kann übrigens das Cover auch einfach wenden. Leider gibt es keine Interviews mit den Darstellern, Trailer oder Konzeptzeichnungen (welche zu der Zwischenwelt recht interessant gewesen wären).

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FAZIT:
„In meinem Himmel“ hätte ganz großes Kino werden können, wenn Jackson seiner Linie bis zum Ende treu geblieben wäre. Die Emotionen, die auf den Zuschauer einbrechen, sind hart und man fühlt (oder versucht es zumindest) mit den Protagonisten. Die Darsteller spielen hervorragend und optisch ist der Film ebenfalls ein Genus. Wer keinen Thriller (wie auf dem Cover der Blu-ray angekündigt) erwartet, der bekommt ein hervorragendes Drama mit einer Herangehensweise, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat.

Bild – 7/10
Ton – 8/10
Bonus - 8/10
Film – 7/10


[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Paramount zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]