Paycheck

02. August 2009

Paycheck

Eine Geschichte von Philip K. Dick? John Woo als Regisseur? Was kann da noch schief gehen? Alles.

Originaltitel: Paycheck
Regie: John Woo
Darsteller: Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti
Laufzeit: 119min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch,...
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Italienisch, Französisch, Spanisch); DolbyTrueHD 5.1 (Englisch)
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2003
Erschienen:2009
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 19€

Film:
Autor Philip K. Dick, der gern auch als der „zweite Kafka\" bezeichnet wird, war ein Visionär, dessen Werke zwar nicht durch einen ausgefeilten Schreibstil, aber dafür durch eine intelligente, mehrbödige Handlung glänzten. Das erkannten Drehbuchautoren schon früh und so basieren Filme wie „Blade Runner\", „Total Recall\", „Screamers\" oder „Minority Report\" auf seinen Geschichten. Auch Dean Georgaris, der vorher nur das Drehbuch zum eher katastrophalen „Tomb Raider - Die Wiege des Lebens\" geschrieben hatte, nahm sich einem seiner Texte an. In ihm geht es um einen Mann, der (meist illegale) Entwicklungen für große Konzerne tätigt um sich danach von diesen das Gedächtnis löschen zu lassen. So verliert er zwar immer mehrere Wochen seines Lebens, kann danach aber mit einem dicken Gehaltscheck (Paycheck) nach Hause gehen. Das geht so lange gut, bis er einen Auftrag über drei Jahre annimmt. Die Summe von 90 Millionen Dollar klingt im Austausch für drei Jahre seines Lebens zu verlockend. Als der Job erledigt und seine Erinnerung gelöscht ist, muss er jedoch erfahren, dass er auf das Gehalt verzichtet und sich stattdessen einen Umschlag voll scheinbar unnützer Gegenstände geschickt hat. Zudem wollen ihn jetzt plötzlich alle möglichen Leute tot sehen. Ihm bleibt nur noch eine Möglichkeit: Herauszufinden, was er da die letzten drei Jahre entwickelt und warum er 90 Millionen gegen wertlose Gegenstände eingetauscht hat.

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Das klingt spannend und ist von der Prämisse her auch in bester Philip K. Dick Tradition. Leider fehlte Autor Georgaris jegliches Gespür, diese Geschichte in ein ansprechendes Drehbuch umzusetzen. So macht er einen großen Anfängerfehler und löst die Geschichte schon nach der Hälfte der Laufzeit auf. Ab da ist klar, was der Umschlag soll, was Hauptcharakter Jennings in den drei Jahren erfunden hat und wer der eigentliche Drahtzieher hinter der ganzen Sache ist. Von nun an bewegt sich die Handlung keinen Millimeter mehr weiter, stattdessen gibt es noch ein paar nett anzusehende Verfolgungsjagden, ein bisschen Rumgeschieße und ein paar unglaublich dämlich geschriebene Dialoge.

Regisseur John Woo, dessen beste Zeiten nun doch schon eine Weile zurückliegen, kann man also bezüglich der Handlung keine Vorwürfe machen. Aber er hätte den Schwachsinn erkennen und in irgendeiner Art und Weise ausbügeln müssen. Leider versucht er das nicht einmal. Der Film ist uninteressant und gradlinig erzählt und lässt jede Ironie, jeden Witz vermissen. Die Optik ist hochtechnisch und kühl und macht dem Zuschauer den Zugang zum Film noch schwerer. Auch beim Casting bzw. der Schauspielführung wird diese aufgebaute Distanz noch verstärkt. Ein wie geleckter Ben Affleck, ein geschniegelter und aalglatter Aaron Eckhart und eine vollkommen deplatzierte Uma Thurman bieten zu keiner Zeit auch nur die Möglichkeit einer Identifikation. Sie haben keinen Hintergrund, keinen Charakter und müsste man nach dem Film ihre Persönlichkeit beschreiben, fielen einem keine treffenden Adjektive ein. Soll „Love Interest\" Uma Thurman nun eine ernstzunehmende, emanzipierte Wissenschaftlerin oder das kleine Dummchen sein? Hat sich Ben Afflecks Charakter einmal Gedanken drüber gemacht, wieviel Lebenszeit er verliert, wenn er ständig seine Erinnerungen löscht? Da gäbe es so viele interessante, philosophische Ansätze, mit der man die Story etwas Würzen könnte, aber keiner davon wird aufgegriffen.

Stattdessen gibt es meist uninteressante Actionszenen, eine zugegeben gute Musik von John Powell, eine Werbefilm Optik und viele, viele Belanglosigkeiten. Das wird zwar alles nie langweilig, aber auch nie interessant. Es passiert halt und ist schneller vergessen, als der Abspann abgelaufen ist. Schade, sehr schade um die schöne Geschichte, die so viel interessanten Stoff geboten hätte...

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Bild:
Obwohl Paycheck aus der Prä-Blu-Ray Ära stammt, ist die Bildqualität exzellent. Der technokratische, kühle Look wird sehr gut wiedergegeben, die Schärfe ist fast durchgängig auf höchstem Niveau und die Kontrast- und Schwarzwerte geben keinen Grund zur Kritik. Einzig ab und zu auftretende Artefakte verhindern die Höchstwertung.

Ton:
Auch der Ton „haut rein\" und zeigt, wozu sechs Boxen fähig sein können. Leider gibt es Drehbuchbedingt trotzdem recht wenig Actionszenen, die das Potenzial voll Ausschöpfen können, doch auch in den Dialogen macht sich eine starke Dynamik bemerkbar.

Bonus:
Sämtliche Extras werden leider nur in Standard Definition präsentiert.

-Audiokommentar (John Woo)
-Audiokommentar (Dean Georgaris)
-Paycheck: Das Design der Zukunft (ca. 18min)
-Verlockendes Schicksal: Die Stunts von Paycheck (ca. 17min)
-Deleted Scenes (ca. 12min)

Paycheck: Das Design der Zukunft ist ein vollwertiges Making Of, welches in seiner kurzen Laufzeit doch sehr viele sehr interessante Informationen über den Dreh und die Intention des Films vermitteln kann. Auch für Leute, die der Film nicht für sich gewinnen konnte, ist es auf alle Fälle einen Blick wert. Im Verlockenden Schicksal geht es ausschließlich um die Stunts. Die sind in Paycheck sowieso nicht sonderlich spannend, so dass auch dieses Video nicht über das übliche „er hat all seine Stunts selber gemacht!!\" hinaus kommt. Eine große Überraschung bietet sich dem Zuschauer bei den Deleted Scenes: Hier sind ganze Hintergrundhandlungen und kleine, weiterführende Handlungsstränge zu finden, die es nicht in den Film geschafft haben.

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FAZIT:
Paycheck ist durchaus unterhaltsam, wenn man seine Ansprüche zurückschraubt. Ein guter Film ist er deshalb trotzdem noch nicht. Dafür lässt die Blu Ray fasst keine Wünsche offen und ist zumindest in technischer Hinsicht eine klare Empfehlung wert!

Bild - 9/10
Ton - 9/10
Bonus - 6/10
Film - 6/10

[Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]