JCVD

24. July 2009

JCVD

Auf hiesigen Kinoleinwänden war Jean-Claude Van Damme, neben Dolph Lundgren und Steven Seagal, einer der großen B-Movie Actionhelden der Neunziger. In der Neuzeit reichte es dann aber nur noch für die Videothek und aus B-Movies wurden C-Movies, denn die Zeiten für eindimensionale und Wortkarge Actiohelden sind lange vorbei. Was macht man nun als abgehalfterter Actionheld? Produziert man weiter Scheiße, oder denkt man über seine Vergangenheit und Zukunft nach? Van Damme entschied sich für letzteres und geht einen ähnlichen Weg wie David Hasselhoff. Er demontiert sich bewusst selber, wenn auch nicht so lächerlich wie The Hoff.

Originaltitel: JCVD
Regie: Mabrouk El Mechri
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, François Damiens, Zinedine Soualem, Karim Belkhadra, Jean-François Wolff, Anne Paulicevich
Laufzeit: 96
FSK: 16
Ton: dts-HD 5.1 (Deutsch, Französisch) DD 2.0 (Audiokommentar)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2008
Erschienen: 24.07.2009
Vertrieb: Koch Media
Preis: 18€

Film:
Van Damm, der sich hier selber spielt, zieht es zurück in seine Heimat Brüssel, um etwas Ruhe vorm Alltag zu bekommen. Die hat er auch bitter nötig, da er vor kurzem unter anderem das Sorgerecht für seine Tochter verloren hat. Kaum in Brüssel angekommen gehen die Probleme aber weiter, denn sein Anwalt macht Van Damme darauf aufmerksam, dass der letzte Check geplatzt sei. Um die Sache zu klären, begibt sich der Abgehalfterte Karateklopper in eine Postfiliale, um die Sache mit dem Check zu klären. Als hätte er aber nicht schon genug Probleme, gerät er beim Betreten der Post zudem noch in einen Überfall. Mittels eines gezielten Karate Kicks müsste sich die Sache aber schnell zu erledigen lassen. Oder doch nicht? Denn anstatt mal schnell aufzuräumen, bangt der große Unverwundbare Actionheld nun um sein Leben.

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Was nun folgt ist eine Abrechnung mit sich selbst und eine Demontierung seiner Person, welche man so noch nicht gesehen hat. Van Damme scheint zu wissen, dass er auch viel Mist in seinem Leben verzapft und damit nicht viel zur Allgemeinheit geleistet hat. Filmisch wird dies einem schon in der Eröffnungssequenz gezeigt, wo er als Actionheld durch eine alte Industriebrache rennt, dabei Hundertschaften von Bösewichten mittels Kampfkunst und Waffengewalt den gar aus macht und dabei selber keinen Kratzer abbekommt. Die komplette Szene kommt dabei ohne einen Schnitt aus und man sieht deutlich, wie die anderen „Darsteller\" nur darauf warten, von Van Damme eins auf die Mütze zu bekommen.

Nach dem Auftakt folgt Seitenhieb auf Seitenhieb und Fans des Belgien Exports werden aus dem Schmunzeln nicht mehr herauskommen. Das fängt beim arroganten Gehabe von Van Damme an (er benennt sogar den Film nach sich), geht über bissige Seitenhiebe zu Steven Seagal sowie John Woo und hört bei Szenen wie im Gerichtssaal lange nicht auf. Denn anstatt bei der Verhandlung konstruktive Kritik über das Verhältnis Tochter und Vater an den Tag zu legen, knallt der Anwalt einen brutalen Film nach dem anderen auf den Tisch und erklärt lieber, wie die Menschen in diesen Filmen zu Tode kamen. Das sich die Polizei in einer schmuddeligen Videothek ihre Zentrale aufbaut kommt ebenfalls gut. Highlight des Filmes ist schließlich der Seelenstriptease Van Dammes in der zweiten Hälfte von \"JCVD\", wo er sein Leben mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren lässt. Zwar hat Van Damme nicht über Nacht das Schauspielern gelernt, doch beeindruckend ist der Monolog allemal! Ich könnte noch auf so vieles eingehen, doch ich will euch auch nicht alles spoilern.

Bild:
Wirklich scharf und wirklich HD ist die Blu-ray von „JCVD\" leider nicht. Das Bild ist matschig, verrauscht, grobkörnig und überstrahlt. Wobei letzteres eindeutig Stilmittel ist. Da der Film größtenteils aus Close Ups besteht, wirkt sich die Unschärfe noch negativer aus. Das der ganze Film auch recht schmutzig (braun/grau) ausschaut, kann man ebenfalls als Stilmittel durchgehen lassen, da dies die Karriere und den Abstieg Van Dammes durch die Trostlosigkeit gekonnt unterstreicht.

Ton:
Der Film bietet bis auf die Eröffnungsszene keinerlei Action. Die Boxen bekommen also nicht viel zu tun. Die Dialoge sind aber stehts sehr gut zu vernehmen und der Soundtrack mit seinen sehr Ohrwurmtauglichen Popsongs passt hervorragend zum Film.

Bonus:
Die Bonussektion ist leider etwas dürftig und befindet sich auf einer separaten DVD. Warum man die reichlich Neunzig Minuten nicht noch mit auf die Blu-ray packte, ist mir schleierhaft. Platz genug wäre sicher noch gewesen. Zu sehen gibt es neben einen recht guten Making Of noch zwei geschnittene Szenen und ein lustiges Syncro Outtake der deutschen Stimme von Van Damme. Das Kernstück der Bonus DVD ist aber das 53-minütige Interview mit Van Damme, welches leider ziemlich durchwachsen ist. So ging es mir ziemlich auf den Sack, dass Van Damme immer wieder vom Interview Partner unterbrochen wurde. Auch das er andauernd Van Damme seine Sätze vollendet nervte gewaltig. Brauchbare Infos gibt es hier aber dennoch zu hören. Schön dagegen ist das Wendecover, um den FSK Flatschen auf die Innenseite zu verbannen.

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FAZIT:
Bei den „Muscles from Brussels\" ist die Luft raus, was er selber auch zu wissen scheint. Denn ohne sich dessen bewusst zu sein, kann man solch einen Film wohl nicht machen. Die Satire ist bissig und driftet sogar ab und an in eine Karikatur ab. Als Fan und Kenner von Jean Claude Van Damme ist der Film herrlich anzusehen, wobei allen anderen viele Kleinigkeiten und Hintergründe nicht auffallen werden. Unterhalten werden diese durch die gelungen Story aber dennoch. „JCVD\" ist ein echter Geheimtip, welchen man sich nicht entgehen lassen sollte! Vor so viel Mut sollte man seinen Hut ziehen. Leider ist die Technik hinter der Blu-ray nicht die Welt.

Bild - 6/10
Ton - 7/10
Bonus - 6/10
Film - 9/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]