Die Geheimnisse der Spiderwicks

05. December 2008

Die Geheimnisse der Spiderwicks

Was sich deutsche Verleiher manchmal bei ihren Titelübersetzungen denken, ist nicht nachzuvollziehen. So führt auch hier der deutsche Titel in die Irre und ist noch nichtssagender als der Originaltitel. Trotzdem sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern in diesen Film unbedingt mal einen Blick riskieren...

Originaltitel: The Spiderwick Chronicles
Regie: Mark Waters
Darsteller: Freddie Highmore, Mary-Louise Parker, Sarah Bolger, Andrew McCarthy
Laufzeit: ca. 96min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch , Italienisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DD 5.1 (Deutsch; Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch); Dolby True HD 5.1 (Englisch)
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p / AVC MPEG-4
Produktion: 2008
Erschienen:2008
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 29€

Film:
Familie Grace zieht um, ohne Vater, dafür mit Mutter, Tochter und zwei Söhnen. Neuer Wohnort ist ein abgelegenes Landhaus und schon in der ersten Nacht ist klar: hier stimmt was nicht. Sachen verschwinden spurlos, Geräusche kommen aus der Wand und in Geheimkammern befinden sich mysteriöse Bücher. Schon bald finden die Kinder raus, dass das Haus ein Zufluchtsort vor bösen Fantasiewesen ist, die nur durch einen Ring aus Pilzen um das Anwesen davon abgehalten werden, einzudringen. Denn unter ihrem Anführer, dem Oger Mulgarath, wollen sich unbedingt an das Buch „Die Spiderwick Chroniken\" gelangen, welches der Groß-Groß-Onkel der Familie Grace vor 80 Jahren geschrieben hat. Darin befinden sich alle Geheimnisse der Fantasywelt, so dass es einer bösen Macht damit möglich wäre, die gute Seite komplett auszulöschen. Die Kinder müssen schon bald nicht nur das Buch beschützen, sondern auch um ihr eigenes Leben bangen.

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„The Spiderwick Chronicles\" ist eine relativ erfolgreiche amerikanische Kinderbuchreihe, die in diesem hierzulande recht unbekannten Film aufwendig umgesetzt wurde. Im Abspann befinden sich große Namen wie James Horner (zuständig für die Musik, bekannt unter anderem für seinen oscarprämierten „Titanic\" Soundtrack), Industrial Light and Magic (zuständig für die visuellen Effekte, bekannt durch „Starwars\" und alle anderen teuren Effektfilme), Phil Tippet (zuständig für Figureneffekte, verantwortlich unter anderem für „Jurassic Park\") und Michael Kahn (zuständig für den Schnitt, Stammcutter von Steven Spielberg). Wenn man dazu noch ein Budget von 90 Millionen zur Verfügung hat, lastet natürlich ein großer Druck auf so einem Projekt. Leider konnte „The Spiderwick Chronicles\" die an ihn gestellten Erwartungen aber nicht ganz erfüllen und spielte insgesamt nur 162 Millionen ein, in Amerika selbst sogar nur 71 Millionen. Ein finanzieller Misserfolg also, aber gilt das auch für den Film selbst?

Auch wenn die etwas kitschige Prämisse und die vielen Klischees etwas anderes befürchten lassen, ist dem nicht so. Im Gegenteil, der flott und farbenfroh inszenierte Film weiß durchaus zu unterhalten und in einigen berührenden Szenen sogar zu verzaubern. Kein Vergleich also zu kalten Fantasyblockbustern wie „Der goldene Kompass\". Sogar die vielen computeranimierten Charaktere gehen dem Zuschauer nicht auf den Geist, sondern sorgen für viele Schmunzler und machen für die Handlung wirklich Sinn. Überhaupt ist der recht simple Plot trotz seiner Einfachheit immer spannend und sorgt nie für lange Weile. Man könnte sogar so weit gehen, in stellenweise für zu spannend und gruselig zu halten, was ihm in Deutschland auch eine FSK 12 Freigabe bescherte. Auch einige „Splattereffekte\" am Ende, in der die bösen Gnome förmlich zerfließen oder zerplatzen, sind nicht unbedingt was für Kinder, aber immer noch harmlos gegen das, was stellenweise im Nachmittagsfernsehen zu sehen ist.
Schwächen des Films sind die eingangs schon erwähnten Klischees, die vor allem in dem Beziehungsgeflecht der kleinen Familie und ihren Konflikte zu finden sind. Das hat man schon tausendmal gesehen und es löst sich am Ende auch auf die zu erwartende Art und Weise auf. Trotzdem, man merkt den Film das hohe Budget, die vielen guten Leute und den Spaß an, den sie bei der Arbeit hatten. Heraus kam zwar kein Meisterwerk, aber ein durch und durch unterhaltsamer Film, der vor allem Kinder ab acht Jahren ansprechen dürfte.

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Bild:
Die Bildqualität enttäuscht leider etwas, besonders wenn man bedenkt wie aktuell die Produktion ist. Die Kontraste, Farben, die Kompression etc. sind zwar exzellent, aber die Schärfe überzeugt nicht. So wirkt alles, sogar die Spezialeffekte, etwas zu weich und zu wenig detailliert. Schade, da wurde offensichtlich geschlampt.

Ton:
Der Ton haut wirklich rein. Besonders der Bass-Einsatz und die unglaubliche Dynamik wissen zu überzeugen. Die Rear-Speaker könnten zwar noch etwas genutzt werden, aber ansonsten gibt\'s nichts zu meckern.

Bonus:
Das komplette Bonusmaterial ist in HD, wirkt wie aus einem Guss und ist äußerst liebevoll gemacht. So wird in der ganzen Aufmachung sehr deutlich, dass die Zielgruppe wie beim Film die Kinder sind. Trotzdem sind die Informationen auch für ältere Semester sehr interessant.

Spiderwick: Es ist alles wahr! (ca. 7min)
Es ist eine Spiderwick Welt! (ca. 9min)
Athur Spiderwicks Handbuch der magischen Geschöpfe
Spiderwick: Triff den Clan (ca. 14min)
Erschaffung Spiderwicks (ca. 21min)
Die Magie von Spiderwick (ca. 15min)
Ein letzter Rat! (ca. 2min)
Vier entfernte Szenen (ca. 8min)
Nickelodeon TV Spot
Kinotrailer

In „Spiderwick: Es ist alles wahr!\" gibt der Regisseur eine kleine Einleitung, die speziell für Kinder gedacht ist und beschreibt, dass es die Fantasiewelt aus dem Film wirklich gibt. In „Es ist eine Spiderwick Welt!\" wird dann genau diesen Welt genauer beschrieben. Erst aus der Sicht der Buchautoren und dann, wie sie für die Verfilmung angepasst und umgesetzt wurde. Das „Handbuch der magischen Geschöpfe\" ist das Buch aus dem Film, nur in digitaler Form. Man kann sich zu jedem im Film vorkommenen Geschöpf so nähere Informationen durchlesen oder direkt an Szenen im Film springen. Außerdem lässt sich das Handbuch, Blu-Ray machts möglich, auch direkt in den laufenden Film einblenden.

In „Triff den Clan\" geht es um das Casting. Die einzelnen Schauspieler geben Interviews, werden beim Dreh gezeigt und Regisseur und Produzentin geben auch noch ihre Kommentare dazu ab. Es ist schon erstaunlich und im Film nicht zu bemerken, dass Jungdarsteller Freddie Highmore zwei Charaktere, nämlich sich und seinen Bruder spielt.
Die „Erschaffung Spiderwicks\" ist wie ein kleines Making Of. Nachdem auf den Kulissenbau eingegangen wird, beschäftigt es sich mit den Dreharbeiten. „Die Magie von Spiderwick\" beschäftigt sich eingängig mit den digitalen Effekten. Das geht sogar so weit, dass die konkrete Arbeitsaufteilung zwischen Phil Tippets Firma und ILM erklärt wird.

In „Ein letzter Rat\" gibt der Regisseur den jüngeren Zuschauern nochmal den Hinweis, dass der Film zwar künstlich gemacht wurde, die Fantasiewelt aber wirklich existiert. Einige der entfernten Szenen ergänzen die Story so sinnvoll, dass man sich wirklich fragt, raum sie rausgeschnitten wurden. Schade, dass es zu ihnen keinen Kommentar des Regisseurs gibt.

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FAZIT:
„Die Geheimnisse der Spiderwicks\" ist ein gelungener Kinderfilm auf einer sehr guten Blu-Ray. Wer das „inner Kind\" noch nicht ganz verloren hat oder seinen eigenen Kindern eine Freude machen will, kann hier nichts falsch machen.

Bild - 7/10
Ton - 9/10
Bonus - 8/10
Film - 8/10

[Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]