Halloween

17. November 2008

Halloween

Klassiker zu remaken ist gefährlich, aber lukrativ. Und ab und zu können die Regisseure, wie z.B. geschehen bei „Dawn of the Dead\", dem Stoff noch ganz neue Seiten abgewinnen. Regisseur Rob Zombie versucht das bei Halloween auch, kann aber leider nicht ganz überzeugen...

Originaltitel: Halloween
Regie: Rob Zombie
Darsteller: Malcolm McDowell, Scout-Taylor Compton, Brad Dourif, Tyler Mane
Laufzeit: 110min
FSK: Keine Jugendfreigabe
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DTS HD 5.1 (Deutsch; Englisch)
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2007
Erschienen:2008
Vertrieb: Senator/Universum Film
Preis: 29€

Film:
Das Rob Zombie es mit einem Remake von John Carpenters Kult-Horror „Halloween\" schwer haben würde, war von vornherein klar. Dass er es sich aber selbst so schwer machen würde, nicht. Das Original glänzt durch Schlichtheit: Die Story ist einfach, die Hintergründe werden nicht beleuchtet und selbst die Gewalttaten sind nur kurz und selten. Die meiste Zeit wirkt auf den Zuschauer nur eine ungeheure, düster-dreckige Atmosphäre.

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Das Remake wollte alles besser machen und fing dabei mit der Frage an, wie ein Mensch so böse wie Michael Myers werden kann. Ganz abgesehen davon, wie Zombie dieses Problem löst - will man das überhaupt wissen? Und gibt es eine Begründung, nach der der Zuschauer sagt: „Ahja, alles klar, jetzt versteh ich warum Michael Myers wie Michael Myers ist!\"? Wahrscheinlich nicht, denn traurige Kindheitsgeschichten liefern zwar Gründe, können aber nicht die Ursache für die absolute Boshaftigkeit sein. Die liegt nun mal im Menschen selbst verborgen und ist unabhängig von sozialer Herkunft. Carpenter wusste und nutzte das, indem er die Geschichte noch erschreckender gestaltete und Myers aus einem gutbürgerlichen Haushalt kommen ließ. Zombie hat das offensichtlich nicht verstanden und versucht in der ersten Hälfte des Films auf Teufel komm raus Gründe zu präsentieren, warum Myers so ist, wie er ist. Da hätten wir einen brutalen, dummen, versoffenen Stiefvater, das Leben in einer White-Trash Familie, eine nuttige große Schwester, böse Schulkameraden, eine strippende Mutter,... Das klingt wie aus dem Lehrbuch des Wahnsinns abgeschrieben. Wenn Myers Kindheit wirklich so ein langweiliges Klischee war, hätte ich lieber nichts von ihr gewusst.

In der zweiten Hälfte des Film beginnt quasi die Handlung des Originalfilms: Michael bricht aus, kommt nach Haddonfield und verfolgt seine Schwester. Dabei wurden Szenen quasi 1:1 aus dem Original übernommen, was ja aber nichts schlechtes sein muss. Die Unterschiede zum Original liegen hauptsächlich in einem deutlich höheren Gewaltlevel und Zombies noch dreckigerem Stil. Der ist zwar nicht so abgedreht wie in seinen letzten Filmen, aber dennoch wiederzuerkennen. So ist die Inszenierung den gesamten Film über sehr gelungen und besonders die Schauspielerauswahl zeigt mal wieder, dass Zombie ein Händchen für schräge Typen hat. Nur das letzte Drittel von „Halloween\" ist etwas eintönig, da es nur noch eine durchgehende Verfolgungsjagd von Myers und Laurie in dunklen Häusern ist.

Die Musik hält sich erfreulicherweise sehr nah an Carpenters Originalscore und vermittelt einen unwiderstehlichen 70er Jahre Flair. Insgesamt weiß Zombies „Halloween\" also durchaus zu unterhalten, an die Qualität und den Einfallsreichtum des Originals kommt es aber zu keinem Zeitpunkt heran.

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Bild:
Das Bild ist gut, kann aber leider nicht vollends überzeugen. So ist die Schärfe nicht so gut, wie es auf dem Medium Blu-ray möglich wäre und auch das stetige Bildrauschen muss nicht sein. Trotzdem, die Kontrast- und Farbwiedergabe ist top und kann auch in den vielen Nachtszenen überzeugen.

Ton:
Der Ton bewegt sich auf hohem Niveau und nutzt mit einer hohen Dynamik alle vorhandenen Lautsprecher. Qualitative Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Spur gibt es dabei nicht.

Bonus:
Die beiden Blu Ray Discs kommen in einem schicken Steelbook daher. Die Extras sind extra für die Blu Ray bzw. DVD produziert (also keine Werbe Featuretten) und kommen in normaler PAL Auflösung daher. Sie sind äußerst umfangreich und zum größten Teil sehr informativ.

17 entfallene Szenen (mit Audiokommentar)
Die Masken des Michael Myers (ca. 6min)
Making of Halloween (3 Featurettes; ca. 19min)
Outtakes (ca. 10min)
Alternatives Ende (optional mit Audiokommentar)
Das Casting (ca. 30min)
Probeaufnahmen für Laurie Strode (ca. 8min)
Die Darsteller (ca. 18min)
Ein Gespräch mit Rob Zombie (ca. 9min)
Kinotrailer (deutsch)

Die entfallenen Szenen sind äußerst vielfältig und umfangreich, die Audiokommentare dazu interessant. Allerdings muss man doch etwas an Zombies Fähigkeit Geschichten zu erzählen zweifeln, wenn er den Film so oft umschneiden muss und so viele Szenen für den Papierkorb dreht. Außerdem ist schade, dass die Szenen der Unrated Version nicht enthalten sind.

In Die Masken des Michael Myers geht es auch nur um diese. Einmal natürlich um seine weiße original Maske und dann um die viele Masken, die er im Film als Kind baute. Allerdings gibt das Thema natürlich nicht all zu viel her und das nicht einmal erwähnt wurde, dass die Original Halloween Maske eine Captain Kirk Maske war, ist schon etwas schwach. Das Making Of ist äußerst interessant und vermittelt tiefergehende Eindrücke in die Produktion von Halloween, auch wenn es natürlich stellenweise ruhig etwas ehrlicher hätte ausfallen können. Aber das kann man bei so einem aktuellen Film leider nicht erwarten. Die Outtakes sind lang und sehr witzig. Malcolm McDowell scheint ein lustiger Typ zu sein...

Das alternative Ende hat seinen Namen wirklich verdient und bietet einen komplett anderen Ausgang der Geschichte. Auch der dazugehörige Audiokommentar von Zombie ist sehr aufschlussreich. Das Casting ist ein Zusammenschnitt der Castingszenen von einem Großteil der Darsteller. Wen\'s interessiert... Probeaufnahmen für Laurie Strode ist genau das Selbe, auch wenn hier viele der Castingszenen aufwendiger angelegt sind. Die Darsteller ist ein relativ langes Video, was fast die komplette Riege der Darsteller mit Interviews und Filmausschnitten näher beleuchtet. Im Gespräch mit Rob Zombie redet dieser über das Inszenieren, was vor allem für Regie-Freunde sehr interessant sein dürfte.

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FAZIT:
Halloween ist leider etwas durchwachsen, aber für Freunde von gepflegten Horrorfilmen trotzdem zu empfehlen. Mit der Blu-ray kann man sowieso nichts falsch machen.

Bild - 7/10
Ton - 9/10
Bonus - 8/10
Film - 7/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Senator/Universum Film zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]