Gangs of New York

10. August 2008

Gangs of New York

Ich persönlich halte ja einen Martin Scorsese für überbewertet. Besonders seine neueren Werke wie „Aviator\" oder das verhunzte Remake „Departed - Unter Feinden\", welches zwar um einiges Länger als das Original („Infernal Affairs\") ausfiel, aber bei weitem nicht so intensiv war, sprechen gegen seinen Kultstatus. Auf der anderen Seite gibt es wiederum Filme wie „Taxi Driver\" und seine Frühneunziger Filme wie „Good Fellas\" und „Casino\". Wie sich „Gangs of New York\" in die Filmographie einfügt, klären wir in unserem Review.

Originaltitel: Gangs of New York
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Jim Broadbent, Henry Thomas, Liam Neeson , Brendan Gleeson, John C. Reilly, Gary Lewis
Laufzeit: 167
FSK: 16
Ton: dts-HD 7.1 (Deutsch, Englisch), dts Headphone (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1 in 16:9
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2002
Erschienen: 27.06.2008
Vertrieb: Splendid films
Preis: 23€

Film:
Bei solch einer Laufzeit erwartet man natürlich eine dicke Story, doch leider brachten die Autoren nur eine Halbgare Rachestory zu Papier. Bei einer Straßenschlacht, welche beide Parteien wollten, wird der Boss der Natives (Liam Nielson) durch den Boss der Dead Rabbits Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis) vor den Augen des jungen Amsterdam (Leonardo de Caprio) umgebracht. Jahre später erscheint Amsterdam wieder in den Straßen der Five Points und sinnt natürlich auf Rache. Er schleicht sich nicht nur in die Organisation rund um den Butcher ein, sondern verliebt sich gleich noch in seine Adoptivtochter (Cameron Diaz). Natürlich fliegt Amsterdam auf und er zieht in eine letzte Große Schlacht.

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Neben dem recht dünnen Hauptplot, versuchte Scorsese noch etwas Politik mit ins Spiel zu bringen und die amerikanische Geschichte etwas aufzuarbeiten. Doch wirklich gelingen tut im das nur kurz vorm Ende, als es einen Aufstand unter der Bevölkerung gibt. Die restlichen Ereignisse werden nur am Rande aus dem Off erzählt oder nur angeschnitten. Das Hauptaugenmerk ist und bleibt die Rachestory. Zu Gute kommt dem Film nur, dass er dabei auf zwei grandiose Hauptdarsteller zurückgreifen kann. Daniel Day-Lewis als Butcher gibt einen fabelhaften Bösewicht ab und Leonardo DiCaprio schaut endlich erwachsen aus und spielt gekonnt gegen sein Titanic Image an. So sind die Highlights des Filmes gerade diese Szenen, wo beide zusammen auf der Leinwand agieren. Auf der anderen Seite ist eine Cameron Diaz völlig fehlbesetzt und wirkt den kompletten Film über blass und austauschbar. Die Liebesgeschichte zwischen Diaz und DiCaprio wirkt auch zu aufgesetzt, was an der fehlenden Chemie zwischen DiCaprio und Diaz liegt. Da sich der Film auch nur auf die beide Hauptdarsteller konzentriert, verkommen die Nebendarsteller leider nur zu Statisten. Schade um einen John C. Reilly oder Brendan Cleeson.

Neben DiCaprio und Day-Lewis ist die Ausstattung das dritte Highlight. Man kann ja von „Gang of New York\" halten was man will. Das die Kulissen und die Kostüme grandios sind, kann man nicht abstreiten. Scorsese führt uns in ein detailliertes Bild des New York von 1860. Die Straßenzüge sind hervorragend und die Kostüme sehr liebevoll in Szene gesetzt. Hier versteht Scorsese und sein deutscher Kameramann sein Handwerk. Leider reicht eine grandiose Kulisse und zwei tolle Darsteller nicht aus, um solch einem Monumentalfilm wirklich Monumental werden zu lassen.

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Bild:
Gangs of New York ist eine Big Budget Produktion und mit nicht einmal sechs Jahren auf dem Buckel noch relativ jung. Daher ist es unverständlich, wie uns Splendid so ein Bild vor die Nase setzten kann. Zwar kann der Schärfegrad bei Close Ups durchaus überzeugen, doch in allen anderen Szenen ist das Bild viel zu weich und unscharf. Man sieht einfach keine feinen Details. Als wäre dies nicht genug, gibt es sehr viele Verschmutzungen und Kratzer zu sehen. Des Weiteren plagen dem Zuschauen noch etliche Szenen mit Doppelkonturen. Auch der Kontrast und der Schwarzwert sind mehr als unzureichend und sehr wechselhaft. Hier rächt es sich, dass Splendid kein neues Master erstellte. Immerhin gibt sich der Film durch die Rauschfilter fast frei von groben Filmkorn. Dennoch ist das Bild für so ein bildgewaltiges Epos sehr enttäuschend und die schlechteste Blu-ray, welche bisher in meiner PS3 verweilte. Wer den Film dennoch auf Blu-ray möchte, sollte sich mal im Ausland umschauen, da der Film in vielen Ländern durch verschiedene Publisher veröffentlicht wurde. So veröffentlicht zum Beispiel in den USA Buena Vista den Streifen auf Blu-ray.

Ton:
Immerhin gibt es beim Ton mehr positives zu berichten und kommt in den Actionszenen sehr dynamisch daher. Der Raumklang ist wirklich sehr gut, wenn die Dead Rabbits am Anfang auf die Natives treffen. Auch bei späteren Actionszenen kämpferischen Aufeinandertreffen, kann der Sound in Verbindung mit der Musik punkten. Auch Freunde des Tiefenbass kommen hier voll auf ihre Kosten. Der größte Teil des Filmes kommt jedoch recht ruhig daher, bietet aber fast keinen Anlass zur Kritik, da alle Dialoge klar verständlich sind. Nur dass sie recht frontlastig daherkommen stört etwas.

Bonus:
Neben dem informativen Audiokommentar (ja ja ... bei solch einer Lauflänge passen viele Infos in solch einen Kommentar) gibt es noch ein paar Features, welche jedoch alle in SD Auflösung auf der Disc liegen und schon von der 2 Disc DVD Special Edition bekannt sind. Bei solch einem opulenten Film, ist vor allem das Design und die Entstehung der Kulissen interessant. Des Weiteren gibt es eine Führung von Scorsese persönlich durch die Original Set und eine gelungene 360° Tour durch das Setting. Die Kostüme bekommen ebenfalls ein eigenes Feature und das Special über die Five Points ist auch interessant. Abgerundet wird alles durch die Doku „Die wahren Gangs of New York\" des Discovery Channel und einem Musikvideo von U2. Trailer, Teaser und Eigenwerbung gibt es ebenfalls auf der Blu-ray.

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FAZIT:
„Gangs of New York\" ist ein Bildgewaltiges Epos. Keine Frage. Doch leider rechtfertigt die Story um einen jungen Mann, der seinen Vater rächen will keine Laufzeit von über zweieinhalb Stunden! Zwar bringt Scorsese auch etwas Politik ins Spiel, doch leider verpufft dies, da alles nur angeschnitten wird. Die historischen Fakten wirken zu aufgesetzt und dienen anscheinend nur als Alibi, um die Laufzeit wenigstens etwas zu rechtfertigen. Ein „Es war einmal in Amerika\" macht dies bedeutend besser! Zum gerade so noch durchschnittlichen Film gesellt sich zudem noch eine technisch unterdurchschnittliche Blu-ray, geht man vom Bild aus. Der wirklich gute Ton kann den Karren schließlich nicht mehr aus dem Dreck ziehen.

Bild - 4/10
Ton - 9/10
Bonus - 7/10
Film - 6,5/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Splendid films zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]

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