Die „Der Pate\" Trilogie gehört mit zu den besten Trilogien, welche je das Licht der Leinwand erblickt haben, doch wurde „Der Pate\" bisher leider nur mit mittelmäßigen DVD Veröffentlichungen bedacht. Nun fasste sich Paramount ein Herz und restaurierte dieses Juwel der Filmgeschichte von Grund auf neu. Ob die Technik der grandiosen Trilogie endlich gerecht wird, erfahrt in diesem Review.
Originaltitel: The Godfather, The Godfather: Part II, The Godfather: Part III
Regie: Francis Ford Coppola
Darsteller: Al Pacino, Marlon Brando, Robert Duvall, James Caan, John Cazale, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Bridget Fonda, Sofia Coppola
Laufzeit: 170, 194, 163
FSK: 16
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Englisch), DD Mono 1.0 (Deutsch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,78:1 in 16:9
TV-Norm: Pal
Produktion: 1971, 1974, 1990
Erschienen: 05.06.08
Vertrieb: Paramount Pictures
Preis: 30€
Film:
Es gibt wohl niemanden, der nicht mit dem Aufstieg und Fall der Familie Corleone vertraut ist. Der erste Teil zeigt den alternden Mafia Boss Don Vito Corleone (Marlon Brando) in der Nachkriegszeit, wie er in seinem abgedunkelten Büro seine „Freunde\" empfängt und ihnen bei diversen Gefälligkeiten hilft, während draußen vorm Haus ein großes Fest zu Ehren der Hochzeit seiner Tochter Connie stattfindet. Zwar steht mittlerweile halb New York in seiner Schuld, doch die Geschäfte beginnen sich langsam zu ändern. So eröffnet sich den Gangsterbossen mit dem Drogenhandel ein neuer Geschäftszweig in dieses Vito Corleone allerdings nicht einsteigen will. Diese Absage an seine Kollegen bringt seine ganze Familie in arge Bedrängnis und läutet den Fall seiner Familie ein.

Auch der zweite Teil beginnt wieder mit einem großen Fest, in dem die Kommunion des Sohnes von Don Michael Corleone (Al Pacino) gefeiert wird. Michael ist der jüngste Sohn von Vito Corleone und hält nun das Zepter der Familie in der Hand. Michael will seine Geschäfte erweitern und groß in die Casinos in Las Vegas einsteigen, wobei ihm dabei ziemliche Steine in den Weg gelegt werden. Diese Steine werden aber schnell weggeräumt und Michaels Imperium wächst und wächst. Doch dies alles hat einen sehr hohen Preis. An um so mehr Macht Michael gelangt, um so mehr Kontrolle er bekommt und um so mehr er seine Familie beschützen will, um so mehr zerstört er alles was ihm lieb ist. Am Ende sehen wir einen Gangster, welcher zwar auf dem Höhepunkt seine Macht angelangt, aber dabei völlig vereinsamt ist. Seine Frau hat ihn verlassen und Freunde und Familie hat er teils selber ermorden lassen. Auf der anderen Seite wird im zweiten Teil der Familiensaga noch die Jugend des Vito Corleone (gespielt von Robert De Niro) erzählt, wie er im Jahre 1901 mit neun Jahren aus Sizilien nach New York fliehen muss, nachdem seine Familie vom örtlichen Mafiaboss Don Francesco Ciccio (Giuseppe Sillato) ermordet wird. Der nun fünfundzwanzig Jährige Vito Corleone lebt ein einfaches und ehrliches Leben, bis er seinen Job durch den örtlichen Mafiaboss Fanucci (Gastone Moschin) verliert.
Sollte man wirklich nach achtzehn Jahren eine Fortsetzung zu zwei grandiosen Filmen drehen? Eigentlich müsste man die Frage angesichts von Filmen wie „Terminator 3\", \"Fluch der Karibik 2\" „Matrix Realoaded\" sowie „Matrix Revolutions\" und „RoboCop3\" verneinen, doch ein Francis Ford Coppola ist halt kein Allerweltsregisseur. So vollbrachte er mit Mario Puzo und Gordon Willis das Glanzstück und schuf mit „Der Pate III\" einen mehr als gelungenen Abschluss der Trilogie, wenngleich der Film nicht ganz an die Klasse der zwei Vorläufer heranreicht. Wir sehen nun einen alten Michael Corleone, welcher auf dem absoluten Höhepunkt ist und ein riesiges Wirtschaftsimperium leitet. Wie in den ersten beiden Filmen, beginnt auch der letzte Teil wieder mit einem großen Fest. Dieses Mal zu Ehren Michaels selbst, da er mit dem St. Sebastian-Orden die höchste Auszeichnung der Kirche erhält. Diesen erhält er für seine wohltätigen Dienste, denn in den letzten Jahrzehnten versuchte er aus dem Sumpf der Illegalität herauszukommen. Doch immer wieder gerät er dabei in illegale Machenschaften und kann seiner Vergangenheit nur schwer entfliehen. Er lernt, dass man mit Geld eben nicht alles kaufen und sich schon gar nicht von seinen Sünden und Verbrechen befreien kann.

Bild:
Das Bild wurde bei den ersten zwei Teilen komplett neu abgetastet und schaut dem Alter entsprechend einfach toll aus. Die Schärfe hat deutlich zugenommen und auch die Farbwiedergabe kommt dem Original sehr nahe. Zwar sind einige Szenen noch immer etwas zu weich und das Filmkorn trübt ebenfalls etwas den Gesamteindruck, doch macht das Bild letztendlich schon viel mehr her als noch in den alten Veröffentlichungen. Dadurch, dass die Filme über eine beeindruckende Länge verfügen, lassen sich oft auch ein paar Kompressionsfehler ausmachen. Beim zweiten Teil kommt zudem noch etwas Blöckchenbildung hinzu, da der Film erstmals nur auf einer DVD ausgeliefert wird (bei bisherigen Veröffentlichungen lag der Film immer auf zwei Scheiben). Auch wirkt das Bild ab und an etwas zu überstrahlt. Der grünliche Ton dient aber als Stilmittel und ist nicht auf eine schlampige Restauration zurückzuführen.
Auch der dritte Teil würde etwas überarbeitet, wenngleich nicht komplett neu abgetastet. Da der Film allerdings recht neu ist, war dies auch nicht zwingend Notwendig. Leider kann die Schärfe hier aber immer noch nicht vollends überzeugen und wirkt teilweise etwas zu weich. Immerhin sind die Probleme mit dem überstrahlen in einigen Szenen nicht mehr vorhanden. Aufgrund der Filmlänge gibt es hier allerdings auch ein paar Kompressionsartefakte.
Ton:
Die ersten beiden Filme wurden neu synchronisiert und in DD 5.1 abgemischt (wobei Nostalgiker auch auf die deutsche Mono Spur umschalten können). Beides ist hervorragend gemacht und eine echte Bereicherung für die Filme. Die Sprachwiedergabe kommt um einiges natürlicher und dynamischer daher. Zudem hat man die Stimmen etwas an das Alter des Filmes angepasst. Da die Filme sehr Dialoglastig sind, kommt zwar kein richtiger Raumklang zustande, doch die hinteren Boxen werden immer wieder bei Musik und Massenszenen angesprochen. Alles in allem sehr gut und kein effekthascherischer Upmix für die Tonne, wie man ab und an bei anderen Filmen gewohnt ist. Beim dritten Teil liegt nur eine deutsche Sprachfassung und wurde auch nicht neu synchronisiert. Technisch ebenfalls in Ordnung, doch aufgrund der Dialoglastigkeit kommt ebenfalls nur selten ein Raumklang zustande.
Bonus:
Schön zu sehen ist, dass das komplette Bonusmaterial der alten Veröffentlichung in diese neue Box übernommen wurde. So kommt man auch hier in den Genuss der tollen Audiokommentare und der 3h umfassenden Bonus DVD mit folgenden Extras:
- Die Familie des Paten: Ein Insider-Blick
- Vor Ort
- Storyboards von Der Pate - Teil II
- Storyboards von Der Pate - Teil III
- Fancis Coppolas Notizbuch
- Die Musik des Paten
- Coppola und Puzo über das Drehbuchschreiben
- Gordon Willis zur Kinematographie
- Der Pate - hinter den Kulissen 1971
- Zusätzliche Szenen/Chronologie
- Ehrungen und Publikumsreaktionen
- Dankesreden anlässlich der Oscar-Verleihung
- Liste der Preise und Nominierungen
- Der Pate im Fernsehen 1974
- Biografien der Filmemacher
- Biografien der Figuren
- Biografien der Schauspieler
- Fotogalerien
- Kinotrailer
Neben den bekannten Bonusmaterial gibt es zudem noch eine neue Bonus DVD mit zusätzlichen fast 80 Minuten Material, welches nach dem Sichten keine Fragen mehr offen lassen sollte. Folgende Features sind enthalten:
- Die Welt des Paten
- Meisterwerk mit Hindernissen
- Nachdem die Schüsse verhallt waren
- Die Restaurierung von Der Pate
- Der Pate auf dem roten Teppich
- Der Pate vs. Der Pate - Teil II
- Cannoli
- Improvisationen zu Improvisationen
- Clemenza
In der „Die Welt des Paten\" wird einem deutlich gemacht, inwiefern der Film vergleichbare Produktionen beeinflusst hat, während im Feature „Meisterwerk mit Hindernissen\" auf Probleme bei der Produktion des ersten Teils hingewiesen wird. Abschließend gibt es noch einen Blick auf die Geschichte der Filme in „Nachdem die Schüsse verhallt waren\", ein Special über die Restauration, sowie ein paar Stimmen von Stars zur Trilogie in „Der Pate auf dem roten Teppich\". Abgerundet wird alles durch die vier Kurzfilme „Der Pate vs. Der Pate - Teil II\", „Cannoli\", „Improvisationen zu Improvisationen\" und „Clemenza\". Wer übrigens mit der wirklichen tollen Neusynchronisation nichts anfangen kann und lieber in Nostalgie schwelgt, dem sei gesagt, dass auch die alte Syncros in Mono vorliegen. Verpackt kommen die fünf Schieben in vier Slim Cases daher, welche sich in einem Pappschuber befinden. Freunde von Steelbooks, greifen dagegen zu der Blechbox, welche ebenfalls die fünf Silberlinge umfasst.

Die Vergleichbilder der \"alten Version\" stammen übrigens von den Negativen der Filmrolle und nicht von der älteren DVD Veröffentlichung.
FAZIT:
Die „Der Pate\" Trilogie gehört zweifelsohne mit zu den besten Filmen aller Zeiten. Der Aufstieg und Fall der Corleone Familie ist extrem komplex, vielschichtig und sehr glaubhaft inszeniert. Doch trotz der Unmengen an Charakteren, welche in einem Großen Netzwerk mit- und gegeneinander, bleibt am Ende immer alles nachvollziehbar. Neben dem grandiosen Drehbuch und der fabelhaften Regie, sind es aber auch die Darsteller wie Marlon Brando, Al Pacino, Robert Duvall, Diane Keaton, James Caan und Talia Shire die immer auf ganzer Linie zu überzeugen wissen. Die neue DVD Box wird zudem der Trilogie endlich gerecht und überzeugt mit einem tollem Bild und einer mehr als gelungenen Neusynchronisation und 5.1 Ton. Aber auch die Extras sind hervorragend und lassen einem noch mehr in die Familiensaga eintauchen. Falls noch niemand die Filme zu Hause hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Alle anderen warten aber vielleicht noch auf eine Blu-ray Veröffentlichung, welche zwar noch nicht angekündigt wurde, aber sicher kommen wird.
Bild - 7/10
Ton - 7/10
Bonus - 10/10
Film - 9,5/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Paramount Pictures zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]