Seraphim Falls

03. December 2007

Seraphim Falls
Der Western erlebte in den letzten Jahren ein kleines Comeback und brachte einige neue Perlen dieses Genres hervor. Und auch wenn „Seraphim Falls“ hierzulande nicht im Kino erschien, ist er doch eine davon.

Originaltitel: Seraphim Falls
Regie: David von Ancken
Darsteller: Pierce Brosnan, Liam Neeson, Tom Noonan, Anjelica Huston
Laufzeit: 107min
FSK: 16
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DD 5.1 (Deutsch; Englisch); DTS 5.1 (Deutsch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (Anamorp / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2006
Erschienen:2007
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 15€

Film:
Die Story von „Seraphim Falls“ liest sich wie ein Remake des Charles Bronson Klassikers „Yukon“: Kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg jagt eine Gruppe von Männern unter der Führung von Colonel Carver (Liam Neeson) den ehemaligen Ex-Soldaten Gideon (Pierce Brosnan). Diese äußerst brutale und harte Jagd führt sie über verschneite Berge bis in die heißen Wüsten Nevadas.


Regisseur David von Ancken legt mit „Seraphim Falls“ nach einigen Serienfolgen sein Film-Erstlingswerk vor. Die Handlung ist so simpel wie effektiv und beginnt ohne Vorlauf und Einleitung. Stattdessen wird der Zuschauer direkt in den Film geworfen und erlebt von der ersten Sekunde an pausenlose Spannung. Die Inszenierung zeigt dabei schon in den ersten Minuten, dass jegliche Westernromantik hier fehl am Platz ist. Gestorben wird qualvoll, lang und blutig. Dabei wird auf Dialoge weitgehend verzichtet, die meiste Zeit jagen sich die beiden Kontrahenten wortlos. Der eigentliche Grund von Carver, Gideon zu töten, wird bis fast zum Ende aufgespart und ist auch der einzige Schwachpunkt des Films: In einer langen Rückblende erzählt wirkt er zu klischeebehaftet, zu konstruiert. Kein Vergleich mit Rückblenden in Klassikern wie zum Beispiel „Spiel mir das Lied vom Tod“. Dabei hätte es sich der Regisseur so einfach machen und den Grund im Dunkeln belassen können. Spielt er doch für die Handlung und die Aussage des Films überhaupt keine Rolle und ist sowieso viel zu hanebüchen. Schade, verliert der Film dadurch doch etwas an Intensität und Glaubwürdigkeit.

Ansonsten hat David von Ancken aber nichts falsch gemacht: Zusammen mit Kameramann John Toll („Last Samurai“, „Braveheart“) schafft er eindrucksvolle Bilder und eine ganz eigentümliche, düstere Grundstimmung. Dabei verläuft der Film immer mehr in eine Metaebene, so dass die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn am Ende in der flirrenden Hitze der Wüste verschwinden. Diese Parabelstruktur wirkt auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, doch gibt dem Film letztendlich viel mehr Tiefe und Aussagekraft als es manch Genrekollege vermag.

Die beiden Titelhelden spielen, besonders in anbetracht der Tatsache, dass sie fast keine Dialoge haben, grandios. Besonders Pierce Brosnan zeigt, dass er wirklich mehr als nur James Bond spielen kann und allein mit Mimik und Gestik manch anderen Westernhelden locker an die Wand spielen würde.
Ansonsten begegnet uns eine Reihe an bekannter Nebendarsteller, die ihre Sache allesamt äußerst überzeugend machen.

Die Musik von Hans Zimmer Lehrling Harry-Gregson Williams weiß mehr als nur zu Gefallen und passt wunderbar zu den elegischen Bildern. Und glücklicherweise hört man ihr die Media Ventures Herkunft auch zu keiner Sekunde an.

„Seraphim Falls“ ist ein Roadmovie, eine Geschichte über Gewalt, Rache und Hass, der aus Konkurrenzfilmen eindeutig hervorsticht. Schade, den erlittenen finanziellen Misserfolg hat er wahrlich nicht verdient. Aber vielleicht sieht man in nächster Zeit trotzdem mehr von David von Ancken, zu hoffen wäre es auf alle Fälle.


Bild:
Das Bild ist überdurchschnittlich gut und hat nur ab und an mit ein paar Kompressionsartefakten zu kämpfen. Die Schärfe ist zwar nicht der Überflieger, aber lässt trotzdem fast alle Details erkennen. Bloß der volle Name von Anjelicas Hustons Charakter, der am Ende vom Film auf ihrem Planwagen steht und der Schlüssel zum Verständnis von eben diesem ist, ist leider beim besten Willen nicht mehr zu entziffern. Aber hier stößt die DVD eben an ihre Grenzen…

Ton:
Auch der Ton weiß zu gefallen und bietet ordentlichen Raumklang. Da es aber fast nie ausufernde Actionsequenzen gibt, werden die Boxen hauptsächlich für die Musik genutzt. Der deutsche Ton ist um einiges lauter als der englische, bietet aber sonst keine Unterschiede. Auch der DTS Ton bietet keinen nennenswerten Mehrwert.

Bonus:
Obwohl der Film von 2006 ist bietet die DVD leider bis auf ein paar Trailer leider keinerlei Extras. Schade…

-Darstellerinfos (Texttafeln)
-Trailer (Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer; War; Fearless; Alexander; The Dark; Wild Things; The Jacket; Hero; Das Ende – Assault on Precinct 13; City of God, 21 Gramm)


FAZIT:
Ein wahrer Geheimtipp, nicht nur für Westernfans, auf einer technisch zwar sehr guten, doch in der Bonussektion enttäuschenden DVD.

Bild - 8/10
Ton - 8/10
Bonus – 1/10
Film - 8/10

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]