Originaltitel: Face/Off
Regie: John Woo
Darsteller: John Travolta, Nicolas Cage, Joan Allen, Gina Gershon, Dominique Swain, Alessandro Nivola
Laufzeit: 139
FSK: 16
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch), dts 5.1 (Deutsch, Italienisch), PCM 5.1 (Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Englisch für Hörgeschädigte
Regionalcode: A, B, C
Bildformat: 1:2,35 (16:9)
TV-Norm: 1080p
Produktion: 1997
Erschienen: 25.10.2007
Vertrieb: Buena Vista Home Entertainment
Preis: 30€
Film:
Sean Archer vergnügt sich, ohne böse Vorahnung, mit seinem Sohn auf dem Rummel als ihn plötzlich eine Kugel durchdringt und dabei ungewollt sein Sohn das Leben verliert. Eigentlich sollte Archer bei diesem Attentat dran glauben. Übeltäter ist der Terrorrist und Psychopath Castor Troy. Sechs Jahre später ist es dann endlich so weit und Archer kann sich bei Troy rächen. Dieser ist nämlich gerade in der Stadt, versucht sich aber inklusive Bruder Pollux mit einem Flugzeug abzusetzen. Leider misslingt der Plan, Pollux wird gefangengenommen und Troy bei einem Zweikampf mit Archer so schwer verletzt, dass er ins Koma fällt. Zu allem Übel hat Castor der Stadt vorher aber noch ein kleines Abschiedsgeschenk in Form einer chemischen Waffe gemacht. Wo sich die Bombe allerdings befindet, weis neben dem im Koma liegenden Castor nur sein ihm höriger Bruder Pollux. Dieser verweigert allerdings die Aussage und Archer läuft die Zeit davon. Da kommt eine Kollegin mit einem perversen Plan gerade recht. Zwar sträubt sich Archer anfangs noch, doch ihm bleibt leider keine andere Möglichkeit mehr. Er soll sprichwörtlich in die Haut von Castor schlüpfen, anschließend in das Gefängnis geschleust werden, aus Pollux den Standort der Bombe herauskitzeln und dann wieder zurück das Ganze. Ihm wird also sein Gesicht chirurgisch entfernt und das von Castor aufgesetzt. Dazu gibt es noch eine Fettabsaugung, eine Haarangleichung sowie die passende Stimme. Augenfarbe und Größe sind dabei fast identisch und vernachlässigbar. Das Beide eine unterschiedliche Blutgruppe haben stört da selbstverständlich auch nicht, zumal man ja noch einen Unterschied für den weiteren Storyverlauf benötigt. Denn wie es das Schicksal so will, erwacht Castor wie gerufen aus dem Koma, schnappt sich Archers Gesicht und schlüpft somit in seine Rolle. Alle Mitwissenden werden kurzerhand eliminiert.

Es brauchte eine Zeit, um die doch ziemlich an den Haaren herbeigezogene Ausgangssituation zu akzeptieren. Danach entwickelt sich jedoch ein fantastisch intelligentes Action Drama mit den gewohnten Tugenden, welche einen John Woo Film so brillant machen. Es geht um Ehre, Schuldzuweisungen und Familie. Dabei sind sich die beiden Kontrahenten gar nicht so verschieden. Beide haben ihre eigene Symbolik im Umgang mit Familienangehörigen, beiden wird durch den jeweils anderen ein Familienmitglied geraubt, beide entfernen sich immer weiter von ihren Frauen und Familien, finden in der neuen Rolle aber jeweils Trost in der anderen Familie. Besonders deutlich wird dies zum Beispiel in zwei Szenen. Hier beschützt Troy (jetzt Archer) in einer Szene die Tochter von Archer (jetzt Troy) vor einem zu stürmischen Verehrer. Nach dieser Aktion führt er sie in die Welt der Selbstverteidigung ein und zeigt ihr den Umgang mit einem Butterfly Messer. Auf der anderen Seite hält Archer als Troy seine schützende Hand über den Sohn von Troy, welcher neue Vatergefühle in Archer auslöst. Immerhin schaut der kleine seinem verstorbenen Sohn recht ähnlich. Es ist teilweise fast schon beängstigend, wie beide später auch gefallen am Leben des anderen finden. Dies geht weit über das gewohnte Gut-Böse Schema hinaus, doch damit der Rollentausch auch gut funktioniert, ist es einem gehörigen Overacting notwendig. So verhalten sich beide in markanten Situationen extrem übertrieben. Hier zeigen beide was sie können beide haben auch sichtlich Spaß an ihren Rollen. Bei Travolta weis man nie wo bei ihm der Wahnsinn anfängt, während Cage den alleingelassen Cop sehr gut mimt.

Hatte John Woo bei seinen ersten beiden Hollywood Filmen noch Probleme seine Handschrift zu hinterlassen, kann man diese hier sofort wiedererkennen. Der exzessive Einsatz von Superzeitlupen wird hier genauso gefrönt, wie der hohe Bodycount, weiße Tauben und Shootouts mit zweihändiger Bewaffnung. Dabei wirkt die Action aber nie aufgesetzt wie beispielsweise in seinem späteren Machwerk „Mission: Impossible 2“, sondern resultiert immer aus der vorhergehenden Situation und ist dabei unumgänglich. Vor allem die letzte Actionszene ist hierbei hervorzuheben und wurde brillant in Hinblick auf die Story gelöst. Hier stellen sich die beiden Protagonisten keinen Hundertschaften, sondern bringen den Konflikt alleine unter sich zu Ende. Die Inszenierung ist wie bei Woo’s Hongkong Klassikern fast schon poetisch und wunderschön. Es erinnert fast schon an einen Tanz, wobei man die Brutalität hier deutlich heruntergeschraubt hat. Nichtsdestotrotz kann man hier uneingeschränkt von einem heoric bloodshed Movie sprechen! Leider kam nach diesem filmischen Hoch ein tiefer Fall und John Woo vegetierte zuletzt bei „Mission: Impossible 2“, „Paycheck“ und „Blackjack“ vor sich hin. Wird Zeit, dass er wieder zurück nach Hongkong geht und Chow Yun Fat gleich mit nimmt!

Bild:
Von Buena Vista wurde man technisch gesehen immer sehr verwöhnt, doch leider gilt das nicht für diese Blu-ray. Es ist neben „Die Reise der Pinguine“ das schlechteste, was ich bisher in meiner Playstation 3 hatte. Das Bild ist durchweg völlig verrauscht und hat mit argen Verschmutzungen (es gibt massig kleine schwarze Punkte im Bild) zu kämpfen. Auch die Schärfe kann bei weitem nicht überzeugen und lässt jedes Detail im Nichts verschwinden. Die Farben wirken ebenfalls etwas blas und komplettieren die Enttäuschung. Zwar besser als die DVD, aber weit weg von einer HD Vorführscheibe.
Ton:
Hier schaut es zum Glück nicht so desaströs wie beim Bild aus. Der Ton kommt bei den Actionszenen voll in Fahrt und wurde schön auf alle Boxen verteilt. Die Oscar Nominierung erhielt der Film bei dieser Abmischung zu recht. Aber auch bei den ruhigen Szenen kommt ein schöner Raumklang zustande. Der Soundtrack ist für einen Actionfilm zwar ruhig, zeichnet sich jedoch durch den typischen John Woo Stil aus. Die Dialoge kommen meist aus dem Center, wurden aber auch schon mal auf die anderen Boxen verteilt. Einziger Nachteil ist wieder die fehlende deutsche PCM Abmischung.
Bonus:
In den USA erschien vor kurzem eine neue DVD inklusive neuer Specials wie sieben Deleted Scenes und einem alternativen Ende. Des Weiteren befindet sich noch ein Audiokommentar von John Woo, ein Making Of und weiteren Specials auf der Scheibe. Und was gibt es auf der Blu-ray zu sehen? Einen Trailer zum Film, sowie einen Actiontrailer, wo einfach nur ein paar Actionszenen aneinander geschnitten wurde und die bekannten Blu-ray Demonstrationen. Bravo Buena Vista! Man hätte ja wenigstens das Einlegeblättchen der alten DVD beilegen können. Beim Starten der Blu-ray gibt es auch noch ein paar Trailer zu anderen Buena Vista Veröffentlichungen.

FAZIT:
Nachdem er bei seinen ersten beiden Hollywood Produktionen noch nicht so recht sein Können zeigen konnte, zieht er in „Face/Off“ alle Register seiner Kunst. Perfekt choreographierte Action mit tollen Bildern und den super aufgelegten Travolta und Cage. Damit avanciert der Film neben „Terminator 2“ zum Besten und intelligentesten Hollywood Actionfilm der Neunziger Jahre! Leider hat Buena Vista die Technik etwas versaut und wird dem Film nicht würdig, was sich auch etwas auf die Gesamtwertung auswirkt. Dies gilt auch für die mangelnden Extras.
Bild - 6/10
Ton - 9/10
Bonus - 1/10
Film – 9,5/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Buena Vista zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]