Originaltitel: La Môme
Regie: Olivier Dahan
Darsteller: Marion Cotillard, Sylvie Testud, Clotilde Courau, Jean-Paul Rouve
Laufzeit: 135min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DD 5.1 (Deutsch; Französisch); DTS 5.1 (Deutsch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (Anamorp / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2007
Erschienen:2007
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 19€
Film:
Biopics sind immer für einen unterhaltsamen, lehrreichen und meist auch anspruchsvollen Filmabend gut. Ob „Ray“, „Walk the Line“ oder „Capote“ – Die inszenatorische und schauspielerische Qualität von Filmen dieses Genres ist meist im oberen Bereich angesiedelt. Auch „La Vie En Rose“, der Aufstieg und Fall oder besser gesagt der lebenslange Fall Edith Piafs versucht sich da einzureihen. Sie wurde schon als Kind von Einem zum Nächsten geschoben, wuchs in einem Bordell, einem Wanderzirkus und auf der Straße auf und ihre Kindheit war geprägt von Alkohol, Armut und Arbeit. Diese Erfahrungen und Lebensweise konnte sie auch nie ganz abschütteln und selbst an der Spitze ihres Erfolges dominierten Drogen und Ausschweifungen ihr Leben. Schließlich starb sie schon mit 47 Jahren an einer Leberzirrhose.

Der Film erzählt dieses von vielen Schicksalsschlägen geprägte Leben nicht chronologisch, sondern durcheinander. Am Anfang wird das Zurechtfinden in den vielen Zeitebenen noch durch Datumseinblendungen erleichtert, später verzichtete der Regisseur darauf. Dadurch ist es stellenweise schwierig, der Handlung noch zu folgen und Edith Piafs öfter wechselnde Frisur wird zum einzigen Anhaltspunkt für die derzeitige Epoche aus ihrem Leben.
Als viel problematischer stellt sich aber heraus, dass der Regisseur nie den Anspruch erhebt, dem Zuschauer Edith Piafs Lebenslauf näher zu bringen. Es geht nie wirklich um die Ereignisse und Personen in ihrem Leben, sondern immer nur um die Piaf und ihre Gefühlswelt selber. So werden wichtige Ereignisse, wie zum Beispiel der Tod ihres ersten und einzigen Kindes nur nebenbei erwähnt, Personen und Subplots eingeführt und nie beendet oder erklärt, Stationen ihres Lebens ganz weggelassen und trotzdem für das Verständnis der Handlung vorausgesetzt. Wer sich nicht vorher schon mal mit der Biographie von Edith Piaf beschäftigt hat, hat oft keine Chance, der Handlung überhaupt noch zu folgen und Ediths Handlungsweisen nachzuvollziehen.
Ein weiteres großes Manko des Films ist, dass einen die Identifikationsfigur Edith Piaf die meiste Zeit einfach nur nervt. Sie schreit ihre Freunde und Untergebenen an, ist launisch, schlecht gelaunt, großspurig, ungerecht und affektiv. Mag sein, dass diese Charaktereigenschaften der Wahrheit entsprechen, aber sie machen es dem Zuschauer natürlich enorm schwer, sich mit der Hauptdarstellerin zu identifizieren. Das gelingt eigentlich nur in den Szenen ihrer Kindheit und am Ende des Films, wo man alle Schicksalsschläge gesehen hat und endlich etwas versteht, warum sie so ist.
Edith Piaf wird von Marion Cotillard grandios verkörpert und auch die Ähnlichkeit zur echten Chansonsängerin ist verblüffend. Schauspielerischer und inszenatorischer Höhepunkt des Films ist sicher die minutenlange, ungeschnittene Szene, in der sie vom Tod ihres Geliebten erfährt und von Glück bis zur Verzweiflung alle Gefühlsspektren durchlebt.
Auch das Ende, bei dem sie, wie als Rückblick auf ihr Leben ihren weltberühmten Chanson „Non, je ne regrette rien“ („Nein, ich bereue nichts“) zum besten gibt, ist absolut mitreißend inszeniert. Überhaupt wurden die stellenweise neu gesungenen, stellenweise auf den Originalaufnahmen basierenden Lieder perfekt in den Film eingebunden. Allerdings gibt es bei der deutschen Fassung des Film ein riesiges Manko, welches man dem Verleiher Constantin Film anlasten kann: Die französischen Liedtexte, die vom Regisseur immer passend zur Handlung eingebunden wurden, wurden nicht deutsch untertitelt. Wer also kein französisch spricht, hat keine Chance zu verstehen, worum es in den jeweiligen Liedern geht. Das mag bei gewöhnlichen Filmen kein Problem sein, ist bei „La Vie En Rose“ aber verheerend, da einen so viele Informationen zur derzeitigen Gefühlswelt der Hauptdarstellerin verloren gehen. Auch die deutschen Untertitel schaffen da keine Abhilfe, da die Lieder trotzdem nur französisch untertitelt sind. Wirklich schade, denn dieser Umstand schadet dem Film mehr als anfangs gedacht.

Der Gesamteindruck bleibt trotz der wunderschönen Musik, der aufwendigen Inszenierung und der grandiosen schauspielerischen Leistung durchwachsen. Fans und Kenner von Edith Piaf werden sich freuen, mal mehr über die Psychologie ihres Stars zu erfahren, bei allen anderen werden sich während des Films mehr als ein großes Fragezeichen im Kopf auftun.
Bild:
Die Bildqualität ist okay, aber leider auch nicht viel mehr. Die Schärfe ist meist nur durchschnittlich, zudem durchzieht den Film die ganze Zeit ein leichtes Rauschen. In den (vielen) dunklen Szenen gehen leider viele Details verloren, zudem bilden sich Kompressionsartefakte. Das ist zwar alles im noch erträglichen Maß, aber für eine so neue Produktion doch sehr ärgerlich. Dafür sind die Farben schön kräftig gelungen und der Bildstand sehr ruhig.
Ton:
Der Ton ist eine Wucht! Besonders die deutsche DTS Spur holt das letzte aus den Boxen und die Musik verteilt sich sehr homogen und kraftvoll auf alle sechs Lautsprecher. Die französische Tonspur klingt von den Dialogen her selbstverständlich natürlicher, ist aber etwas zu dumpf und basslastig. Die deutsche DolbyDigital Spur klingt hingegen ein klein wenig zu dünn.
Bonus:
Leider war Constantin Film beim Bonusmaterial sehr sparsam. Dafür gibt es recht hübsche, mit Musik unterlegte Menüs und ein kleines Booklet mit Filmografien der Darsteller.
-Making Of (ca. 24min)
-Darsteller Infos
-Trailer (Die Kinder des Monsieur Mathieu; Michael Clayton; Das Parfum; Olga; Step Up; Fearless; Les Misérables; Alexander; Die Reisen des jungen Che)
Das Making Of ist sehr gut gelungen, wenn auch etwas zu kurz. Fernab von den üblichen Werbe-Making Ofs bietet es wirkliche Einblicke in den Dreh und in die Intention des Regisseurs und der Schauspieler.

FAZIT:
Ein gewöhnungsbedürftiger Film auf einer durchwachsenen DVD. Da wäre sicher mehr möglich gewesen.
Bild - 6/10
Ton - 9/10
Bonus – 5/10
Film - 6/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]