Manche Filme sind richtige Legenden und man kennt ihren Namen schon lange bevor man sie überhaupt gesehen hat. „Ein Offizier und Gentleman“ gehört sicherlich dazu, doch wird er diesem Status gerecht?
Originaltitel: An Officer and a Gentleman
Regier: Taylor Hackford
Darsteller: Richard Gere, Debra Winger, David Keith, Louis Gosset Jr.
Laufzeit: 119min
FSK: 16
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch, Deutsch, Dänisch, Bulgarisch, Arabisch, Dänisch, ...
Ton: Mono
Regionalcode: 2
Bildformat:1,85:1 (16:9 / anamorph)
TV-Norm: PAL
Produktion: 1982
Erschienen 2007
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 20€
Film:
Unter dem Titel „Ein Offizier und Gentleman“ vermutet man wohl so etwas wie den Inbegriff des romantischen Films. Schließlich spielt sogar Richard Gere mit, und der gibt sich ja selten für ein anderes Filmgenre her. Der Film war 1982 ein riesiger Erfolg, wurde mit Oscarnominierungen überhäuft und half Geres Karriere mehr als auf die Sprünge.
Zu Unrecht, wenn man sich „Ein Offizier und Gentleman“ unter heutigen Gesichtspunkten anschaut. Die Geschichte vom wilden, ungehobelten Rekruten Zack Mayo (Richard Gere), der unbedingt Offizier werden will und sich mit aller Kraft durch die Grundausbildung vom harten, aber gerechten Ausbilder Foley (Louis Gosset Jr.) kämpft ist lahm und vorhersehbar. Da hilft es auch nichts, dass er nebenbei ein Verhältnis mit einer Frau aus dem Ort (Debra Winger) hat. Denn das ist genauso langweilig wie die Ausbildung.
Ums kurz zu machen: Den ganzen Film (und das sind volle 119 Minuten) passiert nicht viel. Gere macht mal ein paar Grundausbildungsübungen, streitet sich mit dem Ausbilder, techtelmechtelt mit seinem Mädel rum, lässt sich von diesem beschimpfen wie gefühllos er doch sei und dann geht das ganze wieder von vorne los.

Es gibt keinen Handlungsstrang, an den man sich als Zuschauer klammern könnte und der für Spannung sorgen würde. Das einzige Ziel des „Helden“ ist die Grundausbildung zu schaffen und – seien wir doch mal ehrlich – wer glaubt schon, dass er das nicht schafft? Ansonsten herrscht die große Langeweile. Einzig die Substory um seinen besten Freund (David Keith) verleiht den Film ein paar dramatische Momente und lässt ihm im letzten Viertel an Fahrt gewinnen. Da ist es aber auch schon zu spät, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Was man den Film allerdings zu Gute halten muss ist, dass er konsequent und realistisch das Leben und die Probleme der Arbeiterklasse der 80er Jahre beleuchtet. Ich denke aus diesem Grund traf er auch damals den Nerv der Zeit. Ansonsten ist „Ein Offizier und Gentleman“ leider nicht viel mehr als eine Ansammlung von Klischees, die auf kaum erträgliche zwei Stunden gestreckt wurden.
Bild:
Als erstes fällt auf, dass das Bild sehr dunkel und trüb ist. Diesen Fehler würde ich aber nicht allein Paramount, sondern vor allem den Film selber anlasten. Dieser scheint nämlich komplett bei schlechtem Wetter gedreht worden zu sein, ständig ist der Himmel verhangen oder es regnet leicht. Ansonsten sieht das Bild ganz okay aus, besonders wenn man das Alter des Films betrachtet. Es rauscht zwar etwas und mit der Schärfe könnte man auch keinen Preis gewinnen, aber besser als die TV-Ausstrahlung ist es auf alle Fälle.
Trotzdem, mit mehr Mühe hätte man da viel mehr rausholen können und wie das geht, hat Paramount selbst ja in letzter Zeit oft genug bewiesen (man denke nur an die Nobody Filme).
Ton:
Sowohl die englische als auch die deutsche Tonspur sind in Mono. Ich finde das gar nicht mal so verkehrt, da das der Originalmischung des Films entspricht. Zudem klingen 5.1 Upmixes von Monospuren immer sehr künstlich und gelingen selten. Trotzdem ist der Ton nicht so gut, wie er sein könnte. Er klingt etwas dumpf und leiert teilweise etwas. Die deutsche Tonspur fällt gegenüber der englischen auch noch etwas ab und klingt noch künstlicher und „breiiger“.
Bonus:
Die Doppel-DVD erscheint in einer normalen Amaray-Hülle und wartet mit relativ langweiligen Standbildern als Menüs auf. Die Extras sind allesamt deutsch untertitelt.
- Audiokommentar von Regisseur Taylor Hackford
- Ein Offizier und Gentleman – 25 Jahre später (ca. 27min)
- Rückkehr nach Port Townsend (ca. 12min)
- Schule für Offiziersanwärter: Einblicke (ca. 38min)
- Die Musik von “Ein Offizier und Gentleman” (ca. 9min)
- Gere und Gosset: Mann gegen Mann (ca. 3min)
- TV-Spots
- Foto Galerie
Der Audiokommentar ist äußerst interessant und zudem auch noch deutsch untertitelt.
„Ein Offizier und Gentleman – 25 Jahre später“ enthält viele Interviews mit allen Stars des Films und dem Regisseur. Allerdings werden diese nicht, wie sonst üblich, trocken hintereinander abgespielt, sondern mit Setfotos, Filmausschnitten etc. unterlegt. So erfährt man viel über die Entstehung und die Probleme des Films und wird nebenbei auch noch gut unterhalten.
Die „Rückkehr nach Port Townsend“ zeigt Louis Gosset Jr. bei einer Drehortbesichtigung 25 Jahre später. Er führt durch den kleinen Ort Port Townsend, zeigt alle wichtigen Sets und erzählt kleine Anekdoten dazu.
Die „Schule für Offiziersanwärter“ ist in vier verschiedene Beiträge unterteilt, die sehr gut gemacht und unterhaltsam die echte Navyschule in Pensecola, den Drill der Darsteller und echte Navyschicksale beleuchten.
In „Die Musik von Ein Offizier und Gentleman“ erfährt man ausführliche Hintergrundinfos zur Entstehung des Soundtracks und vor allen Dingen zum oscarprämierten Titellied.
„Gere und Gosset: Mann gegen Mann“ beleuchtet kurz den finalen Kampf der beiden im Film.
Insgesamt hat sich Paramount bei den Extras sehr viel Mühe gegeben, besonders wenn man bedenkt, dass in der Zeit der Entstehung des Films nur selten Making Ofs gedreht wurden und so kein entsprechendes Material existierte.

FAZIT:
Sehr gewöhnungsbedürftiger Film auf einer technisch mittelmäßigen DVD, die allerdings nicht mit interessanten Extras geizt.
Bild - 6/10
Ton - 6/10
Bonus – 9/10
Film - 5/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]