Enduring Love

04. August 2006

Enduring Love

Nach dem Roman von Ian Mc Ewans schuf Regisseur Roger Michell ein 96 Minütiges Liebesdrama, welches wohl ursprünglich mal als Thriller gedacht war. Doch trotz seiner Längen ist der Film kein Totalausfall und weiß zumindest aus inszenatorischer Sicht durchaus zu gefallen.



Originaltitel: Enduring Love
Regie: Roger Michell
Darsteller: Daniel Craig, Rhys Ifans, Alexandra Aitken, Aoife Carroll
Laufzeit: 96min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Ton: DD 5.1, DTS 5.1 (Deutsch); DD 5.1 (Englisch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen 2006
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 19€


Film:
Enduring Love erzählt die Geschichte des gefühlsarmen, nur in mathematischen Dimensionen denkenden Joe (Daniel Craig), der bei einem Picknick mit seiner Freundin Claire (Samantha Morton) zum Zeuge eines Ballonunglücks wird. Beim Versuch, den außer Kontrolle geratenen Heißluftballon zu sichern, stirbt einer der Helfer und Joe gibt sich die Schuld dafür. Von nun an geht sein Leben, angefangen bei seiner Beziehung, in die Brüche. Zu allem Unglück scheint ihn von nun an auch noch ein weiterer Zeuge des Unfalls, Jed (Rhys Ifans), zu verfolgen. Dieser fühlt sich innerlich mit Joe verbunden und hält ihm zudem noch für den Auslöser der Katastrophe.

 

Ehrlich gesagt klingt die Story spannender als sie ist. Das Problem des Films ist nämlich genau diese Geschichte, die nach einem furiosen Einstieg viel zu langatmig und gradlinig verläuft, als dass sie den Zuschauer überraschen könnte. Nichts, aber wirklich überhaupt nichts unerwartetes passiert. Bis zum Ende hat man die Hoffnung, dass eine geschickte Wendung, ein unglaublicher Schwenk in der Story die Handlung plötzlich in eine völlig neue Richtung reißt und einem logische Löcher, die sich während des Sehens aufgetan haben, schließt. Doch nichts dergleichen geschieht. Der Film endet wie erwartet. Der Gute bleibt der Gute und hat natürlich dazu gelernt, dass das Leben nicht nur aus Nullen und Einsen besteht und der Böse bekommt seine gerechte Strafe. Gott seid dank dauert es nur 96 Minuten, bis einem dieser unbefriedigende Schluss aufgetischt wird.
Und bis dahin schlägt sich der Film zumindest aus technischer Sicht gar nicht mal schlecht. Die Regie und Kamera ist einfallsreich und sehr stilvoll. Das Spiel mit schiefen Ebenen und der Farbe Grün zieht sich von Beginn an durch den Film und einige Szenenmontage lassen mehr Talent erkennen, als es viele Hollywood Filme tun. Zudem beweist Daniel Craig, dass er wirklich gut schauspielern kann und auch Rhys Ifans überzeugt in jeder seiner Szenen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Fehler bei diesem Film einzig und allein beim Drehbuchschreiber liegt – Vielleicht eignet sich ja auch nicht jeder Roman für eine Verfilmung. Schade um das Talent und die Arbeit, die für so etwas verschwendet wurden.

 

Bild:
Das Bild ist bei diesem Film schwierig zu bewerten, da man nicht weiß, ob bestimmte Eigenschaften schlechtem Mastering oder der Intention des Regisseurs zuzuordnen sind. So wirken die Farben stellenweise blass und verfälscht. Ansonsten gibt’s keine größeren Probleme, bloß die üblichen kleinen Kompressionsartefakte und eine nur mittelmäßige Schärfe.

Ton:
Der Ton klingt eher nach Stereo als nach einer 5.1 Abmischung. So findet kaum ein Effekt mal den Weg zu den Rear-Speakern oder zum Subwoofer. Sicher, der Film ist dialoglastig und kein Actionfeuerwerk, aber etwas mehr Dynamik (z.B. in der Ballonszene am Anfang) hätte nicht geschadet. Die deutsche und die englische Tonspur unterscheiden sich nicht voneinander, der deutsche DTS Track ist ein reiner Speicherfresser und einzig und allein etwas lauter als der Dolby Digital Ton.

Bonus:
Bis auf sehr schön gestaltete Menüs hat die DVD von Enduring Love leider nicht sehr viel brauchbares zu bieten.
- Audiokommentar (Regisseur Roger Michell, Kevin Loader)
- Der Dreh des Ballon (ca. 5min)
- Aus Sicht der Schauspieler (ca. 7min)
- Der Film und der Roman (ca. 5:30 min)
- Vier TV-Spots zu „Enduring Love“ (ca. 1 min)
- Darstellerinfos zu Daniel Craig, Rhys Ifans, Samantha Morton
- Trailer (Handbuch der Liebe; Paradise Now; Dot the I; Agents Secrets; Enduring Love; Domino)
- Kurzfilm “Burst” (6:30 min)
„Der Dreh des Ballons“ ist ein netter kurzer Einblick in die Dreharbeiten der Ballonszene.
„Aus Sicht der Schauspieler“ zeigt einige Interviews mit der Filmcrew und Filmausschnitte und erzählt so die Handlung des Filmes nach. Viel neues erfährt man dabei nicht, wenigstens gibt es ein paar interessante Interpretations-Ansätze zu hören.
„Der Film und der Roman“ ist wohl hauptsächlich für die Leute interessant, die den Roman kennen. Drehbuchautor, Romanautor und Regisseur erzählen hier über die Schwierigkeiten und Intentionen, die sie beim Umwandeln des Stoffes in ein Drehbuch hatten, ohne jedoch die einzelnen Unterschiede genau aufzuzählen.
Der Kurzfilm „Burst“ von Roger Mitchell ist unterhaltsamer und kurzweiliger als „Enduring Love“ selbst und auf alle Fälle einen Blick wert.
Der Audiokommentar ist leider nicht untertitelt und durch die langsame und leise Sprechweise der beiden Sprecher etwas einschläfernd. Trotzdem bietet er einige Interessante Infos zum Film.

 

FAZIT:
Furioser Einstieg – und dann geht’s abwärts. Leider hält der Film nicht, was er in den ersten Minuten verspricht und ist so sicher nur für Freunde des Romans interessant. Die Qualität der DVD ist leider nur sehr durchschnittlich, besonders die Extras sind enttäuschend.

Bild - 7/10
Ton - 5/10
Bonus – 4/10
Film - 6/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]