Silent Hill (Kinoreview)

12. May 2006

Silent Hill (Kinoreview)

Neben der Metal Gear Solid Serie gehören die Silent Hill Spiele mit Sicherheit zu den bekanntesten Konami Franchises, die es auf dem Markt gibt. Gut 7 Jahre ist es nun her, seit dem der erste Teil seinen Weg auf die gute alte PlayStation1 fand. Während das Genre zuvor nur von Capcom’s Resident Evil geprägt wurde, sorgte Konamis Psychothriller für einen kompletten Umschwung im bis dato einseitigen Horror-Adventure Bereich. Statt mit platten Gore Effekten zu prahlen ging es bei Silent Hill eher Richtung suptilen Horror. Natürlich gab es hier und da einige böse Momente (das Spiel hat nicht umsonst eine Altersfreigabe von 18 bekommen), aber hauptsächlich ging es darum den Spieler mit Hilfe einer verstörten Atmosphäre, sowie ekelerregenden Monstern jede Menge Angst einzujagen. Und wie man an den 3 Fortsetzungen sehen kann, hat dies auch geklappt. Nebenbei schien das Spiel anscheinend auch jemanden in Hollywood aufgefallen zu sein. Dementsprechend folgte vor gut zwei Jahren die offizielle Ankündigung, dass sich ein Silent Hill Film in der Mache befinden würde.



„Muss das denn sein?“ Diese Frage ging den meisten Fans sicherlich nicht nur einmal durch den Kopf. Schließlich konnten vorherige Videospielumsetzungen, wie Resident Evil Apocalypse oder Alone In The Dark nicht wirklich überzeugen. Einen ersten kleinen Hoffnungsschimmer gab es jedoch, als man erfuhr, dass die beiden Hollywoodgrößen Christophe Gans (Regie, Pakt der Wölfe) und Roger Avary (Drehbuch, Pulp Fiction) an dem Projekt mitarbeiten würden. Und so kam die Hypemaschinerie schließlich ins Rollen. Jedes neue Bild wurde begeistert aufgenommen und jedes neue Video mit unzähligen Lobpreisungen überhäuft. Doch kann der Film den Vorschusslorbeeren wirklich gerecht werden? Die Antwort lautet ganz klar ja!


Storytechnisch orientiert sich der Film am ersten Teil aus dem Jahre 1999. Da man jedoch darauf verzichtete eine 100%ige Umsetzung des Stoffs von damals zu machen fügte man einige Sachen hinzu, die es beispielsweise in den Spielen nicht gab. Allen voran natürlich die Hauptcharaktere Rose (Radha Mitchell), Christopher (Sean Bean) und Sharon (Jodelle Ferland). Grund des Besuches in Silent Hill ist nämlich die rätselhafte Krankheit ihrer Adoptivtochter Sharon. Da diese im Schlaf immer wieder von der Stadt Silent Hill spricht erhofft sich die Mutter mit einem Besuch dort dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Doch wie nicht anders zu erwarten war kommt es kurz vor der Ankunft zu einem verhängnisvollen Unfall, bei dem sich Rose ihr Auto überschlägt, wodurch sie sich kurze Zeit später außerhalb Silent Hills wieder findet. Wieder bei Sinnen merkt unsere toughe Heldin schließlich, dass ihre Tochter nicht mehr im Auto ist. So beginnt eine Odyssee durch die geheimnisvolle Geisterstadt.

Interessant ist jedoch die Tatsache, dass es neben der Tochtersuche in Silent Hill auch noch eine zweite Storyline gibt, in der gezeigt wird wie Christopher ebenfalls nach Silent Hill fährt, um seine Frau bzw. Tochter zu retten, die sich kurz vor dem Unfall noch mal bei ihm gemeldet haben. Leider scheint aber auch dies eine ausweglose Situation zu sein, da er zwar in der gleichen Stadt ist, sich aber in einer anderen Dimension befindet. Ob die Beiden noch mal zueinander finden verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht.

Während sich Christopher also im normalen Silent Hill befindet sieht es für Rose noch weniger erfreulich aus. In ihrer Dimensionen besteht nämlich stets die Gefahr, dass das Böse auftaucht und die komplette Umgebung in eine Art Hölle verwandelt. Und diesen Wandel hätte man besser nicht darstellen können. Beginnend mit einem lauten Aufheulen der Sirenen, verdunkelt sich die Umgebung, verändert sich das Aussehen der Gebäude und es kommt zum Erscheinen diverser grausiger Monster. Und selbst bei der Auswahl der Kreaturen hat sich Christophe Gans unbekümmert am riesigen Repertoire der Videospielereihe bedient. Demzufolge dürfen sich Fans der Games auf ein Wiedersehen mit den Krankenschwestern, sowie dem Pyramid Head freuen, der gruseliger hätte nicht sein können. Aber auch die anderen Monster haben es in sich, was wieder mal die Genialität, oder sollte man besser sagen die Krankheit, der Designer beweist.

Das große Plus des Films, nebst der Inszenirung, ist der geniale Soundtrack von Akira Yamaoka. Euch erwartet quasi ein Best Of aller Songs der letzten Silent Hill Spiele. Angeführt vom genialen Stück Promise (Reprise) erwarten euch unzählige, verstörende, schockierende, aber auch schöne Titel aus dem Silent Hill Universum. Besser hätte man es nicht machen können! Ähnliches gilt auch für die Kameraführung, die euch das Geschehen aus den unmöglichsten Blickwinkeln näher bringt. Silent Hill ist Kino, wie man es noch nie zuvor gesehen hat.


Großes Lob gebührt an dieser Stelle aber auch den hervorragenden Schauspielern, die ihre jeweilige Person stets gekonnt rüberbringen konnten. Kein Spruch wirkte je falsch, keine Miene unnötig. An dieser Stelle merkt man eben, dass man mit Roger Avary den richtigen Mann fürs Drehbuch gefunden hat. Darüber hinaus war es recht nett mit anzusehen, wie sich der Film im letzten Drittel immer mehr vom Videospiel befreite und eine eigene Story aufbaute. So geht es im Film beispielsweise mehr um das Schicksal der gehänselten Alessa, die nach ihrer missglückten Verbrennung (sie galt als Hexe) nur auf eins aus war: Und zwar auf Rache.

FAZIT:
Silent Hill kann man ohne großes Umschweifen als die beste Videospieladaptierung aller Zeiten bezeichnen. Hier und da wird man sich zwar über einige Sachen wundern, aber das ist eben normal im Silent Hill Universum. Schließlich waren auch die Spiele immer dafür bekannt, den eigenen Interpretationen genügend Raum zu lassen. Wer sich aber davon nicht abschrecken lässt bekommt 2 Stunden Psychoterror auf höchstem Niveau vorgesetzt.

10/10

[Review verfasst von Dimi]