Michael Winterbottom war lange Zeit ein Geheimtipp unter den Regisseuren, doch letztes Jahr wurde ihm ein etwas zweifelhafter Ruhm beschert. Nicht durch einen besonders guten Film, sondern durch einen ziemlich kontroversen. So war für viele der Film „9 Songs“ mit seinen explizit gezeigten Sexszenen etwas zu heftig und die Story dabei zu dünn. So bekam man im 69minütigen Film neben neun Konzertaufnahmen bekannter Rockbands noch richtigen Sex zu sehen, und das bei einer FSK 16! Ich fand es weniger schlimm und war auch im Kino, denn das Thema Sex, Drugs & Rock `n´ Roll wurde selten so gut umgesetzt. Mit „Code 46“ drehte Winterbottom jedoch ein ernsteres Werk, um ein nicht so rosiges Zukunftsszenario.
Originaltitel: Code 46
Regie: Michael Winterbottom
Darsteller: Tim Robbins, Samantha Morton, Om Puri, Jeanne Balibar, Togo Igawa
Laufzeit: 89
FSK: 16
Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2003
Erschienen: 14.09.05
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Preis: 15€
Film:
In einer Welt, wo die natürlichen Ressourcen der Erde sich dem Ende neigen, wird die Bevölkerung in zwei Hälften gespaltet. Zum einen gibt es den privilegierten Teil, der in den letzten Großstädten der Welt lebt. Zum anderen gibt es den genetischen „Abfall“, welcher in die Wüsten der Welt abgeschoben wurden. Natürlich wollen diese Menschen aus den verbotenen Zonen ebenfalls in die Städte, was jedoch nur mit einem bestimmten Visum, genannt „Papelles“, möglich ist. Dadurch entsteht natürlich ein Schwarzmarkt, welcher von Detektiven zerschlagen werden soll. Einer dieser Detektive ist William Geld (Tim Robbins), welcher auf einen neuen Fall angesetzt wird. So soll er eine Diebin dingfest machen, was durch einen Virus in ihm relativ leicht fällt. So kann er mit dem Virus die Gedanken der anderen lesen und überführt dabei die junge Maria Gonzales (Samantha Morton). Leider begeht er hier einen schweren Fehler. Denn anstatt sie den Behörden zu übergeben, verliebt er sich in Maria. Wenig später wird William wieder zurück nach Shanghai geschickt, da die Papelles noch immer nach außen gelangen. Als er Maria warnen will, muss er leider feststellen, das sie gegen das genetische Gesetzt CODE 46 verstoßen hat. Der Code 46 besagt, das nur Paare Kinder bekommen dürfen, welche unter 25% miteinander genetisch Verwand sind.

Die düstere Zukunftsvision wird sehr ansprechend in Szene gesetzt und spielt hauptsächlich in Shanghai. Neben den zuende gehenden Ressourcen, ist die Klimakatastrophe schon unlängst eingetreten und das legale Klonen an der Tagesordnung. Um den Eindruck einer großen, neuen Welt noch zu verstärken, erfand Winterbottom zudem noch eine eigene Sprache, welche aus Teilen von englisch (bzw. in der Syncro deutsch), spanisch und französisch besteht. Leider ist die Sache mit den Klonen etwas außer Kontrolle geraten, weshalb eben der Code 46 ins Leben gerufen wurde. Nebenbei darf der genetische Abfall in der Wüste vor sich hervegetieren. Also keine sonderlich rosigen, aber realistische, Aussichten.
Die Kameraführung ist im Film sehr ruhig und gemächlich. Schnelle Kamerafahrten gibt es hier keine, genauso wenig wie Actionszenen. Durch die fremdartige Kameraführung, kommt der Film zudem sehr langsam daher, was einige vielleicht stören mag. Ich hatte ebenfalls teilweise ein gewisses Langeweile Gefühl, doch die spannende Story halfen darüber hinweg.
Tim Robbins und Samantha Morton spielen ihre Rollen zudem sehr gut und glaubhaft. Dabei lassen beide einen immer spüren, das es aufgrund ethischer Bedenken eigentlich keine Zukunft für bei gibt und die Liebe wohl an dem System zerbrechen wird. Oder doch nicht? Zudem hält der Film vor Augen, wie sich Individualität und der freie Wille immer mehr und mehr in der Zukunft verabschieden wird. Kein wirklich schöner Gedanke ...

Bild:
Leider gibt es hier nur etwas über Durchschnitt zu sehen. So stört immer ein leichtes Rauschen, welches bevorzugt im Hintergrund auftritt, den Sehgenuss. Des weiteren kann die Schärfe nicht vollends überzeugen und pendelt zwischen schwach und gut. Artefakte oder Verschmutzungen sucht man dagegen vergebens.
Ton:
Zwischen dem Deutschen DD 5.1 und DTS Ton gibt es keinen großen Unterschied. Beide kommen jedoch nicht ganz an die Dynamik des englischen Originaltons heran. Dennoch ist der deutsche Ton nicht schlecht und alle Lautsprecher werden, trotz der ruhigen Atmosphäre, gut bedient.
Bonus:
Hier gibt sich die DVD ziemlich mau und neben der üblichen Trailershow findet man nur noch ein kurzes Making Of, einige geschnittene Szenen sowie den Filmtrailer und Bio-, bzw. Filmographien der Darsteller und vom Regisseur. Das Making Of ist dennoch recht gut und besitzt, wie auch die geschnitten Szenen, deutsche Untertitel. Cool ist auch das kleine Booklet, wo einige Wörter der Kunstsprache übersetzt drin stehen.

FAZIT:
Der Film besticht durch wundervolle Bilder und eine ziemlich interessante Story rund ums Klonen und andere ethische Fragen. Leider werden viele mit der recht langsamen Erzählweise nicht klarkommen. Wem das nicht stört, bekommt eine schöne Liebesgeschichte und eine beängstigende Zukunftsvision erzählt. Michael Winterbottom hat aus dem geringen Budget einen wirklich tollen Film gemacht.
Bild - 6/10
Ton - 7/10
Bonus - 3/10
Film - 7/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Sunfilm zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]