Filme von Bernardo Bertolucci, dem Regisseur von „1900“ gelten als harter Tobak. Auch „Der letzte Kaiser“ ist sicher kein Film für jedermann, was nicht nur an seiner stattlichen Länge liegt...
Originaltitel: The Last Emporer
Regie: Bernardo Bertolucci
Darsteller: John Lone, Joan Chen, Peter O’Toole, Victor Wong
Laufzeit: 156min (Kinofassung); 210min (Directors Cut)
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Kinofassung: DD 5.1 (deutsch); Dolby Sorround 2.0 (englisch)
DC: Dolby Stereo (deutsch); Dolby Sorround 2.0 (englisch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (beim DC: anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 1987
Erschienen: 2005
Vertrieb: Kinowelt
Preis: 19€
Film:
“Der letzte Kaiser“ erzählt, wie der Titel vermuten lässt, vom letzten Kaiser von China, Pu Yi. Dieser wird im Alter von drei Jahren zum Kaiser gekrönt und lebt ab da, abgeschirmt von der Außenwelt, in der „verbotenen Stadt“. Erst im jugendlichen Alter wird er durch seinen englischen Lehrer Reginald Flemming Johnson (Peter o’Toole) an das Geschehen außerhalb seines Palastes herangeführt, trotzdem darf er diesen nicht verlassen und bleibt gefangen im goldenen Käfig. Nach etlichen politischen Putschen und Umstürzen muss er dann mit Anfang 20 doch fliehen und findet in Japan Asyl. Die Japaner nutzen allerdings seinen Bekanntheitsstatus, um ihn gegen sein altes Heimatland, China, auszuspielen. Das funktioniert auch eine Weile, bis er erst von Russland und schließlich wieder von China gefangen genommen wird. Von nun an fristet er neun Jahre lang sein Dasein in einem chinesischen Umerziehungslager, um schließlich als alter Mann in die Freiheit entlassen zu werden.

Der Film erzählt die Geschichte in Rückblenden, ist aber immer nachvollziehbar. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile unterteilen: Die erste Hälfte des Films spielt in der verbotenen Stadt und ist mehr ein Sammelsurium von Eindrücken als eine wirkliche Geschichte. So sieht man den aufwachsenden Kaiser bei allen möglichen Aktivitäten zu und beginnt so nicht nur seine Ausgeschlossenheit von der Außenwelt nachvollziehen zu können, sondern auch seine Unfähigkeit, ein eigenes Leben zu führen, zu verstehen. Die zweite Hälfte beginnt mit seiner Vertreibung aus dem Kaiserpalast. Endlich kommt Schwung und der historische Hintergrund in die Geschichte. Ab jetzt springt die Handlung von einem Ort zum nächsten und macht wirkliche Fortschritte.
Trotzdem, wie für den Regisseur üblich und bei der üppigen Laufzeit absehbar, geschieht das alles sehr, sehr langsam. Ständige, lange Kamerafahrten fangen wunderschöne Bilder ein, erfordern aber auch viel Geduld und Freude am Visuellen beim Zuschauer. Wem Filme von Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Es war einmal in Amerika“) oder überhaupt Filme mit größeren längen Probleme bereiten, sollte tunlichst die Finger von „Der letzte Kaiser“ lassen. Alle anderen dürfen sich auf sehr gute Schauspieler, schöne Musik und ganz großes Kino freuen.

Bild:
Der anamorphe Transfer der Kino-Fassung des Films macht sich deutlich bemerkbar. So ist nicht nur die Schärfe besser, auch die Farben wirken deutlich „echter“. Das Bild des Director’s Cut sieht matschiger und farblich zu übersteuert aus, zudem hat es einen stellenweise recht heftigen Rot-Stich. Das macht sich besonders in den sehr farbenfrohen Palastszenen bemerkbar. Ansonsten kann man sowohl mit der Kinofassung als auch mit dem DC zufrieden sein. Der Hammer ist die Bildqualität zwar nicht, aber immerhin guter Durchschnitt. Trotzdem wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, den DC aufgrund seiner Länge auf 2 DVD’s aufzuteilen…
Ton:
Ein Effektfeuerwerk ist bei keiner der Tonspuren zu erwarten. Der englische Stereo Ton bietet sowohl beim DC als auch bei der Kinofassung klar verständliches, sauberes Stereo. Der deutsche 5.1 Track der Kinofassung ist eher ein Witz, scheinbar wurde einfach nur das Stereo Signal etwas leiser auf die Rear-Speaker verteilt. Da hätte man auch, wie beim DC, bei Stereo bleiben können. Ansonsten gibt’s keinen Grund zu klagen, der Ton ist in Ordnung.
Bonus:
Das Bonusmaterial ist so eine Sache. Zwar erwarten einen zwei lange Dokus, aber diese sind ersten durchwachsen und zweitens sind der traurige Rest nur ein paar Trailer.
- „Der italienische Reisende: Bernardo Bertolucci“ (ca. 50min)
- „Bernardo Bertolucci“ (ca. 66min)
- englischer Trailer von „Der letzte Kaiser“ (ca. 2min)
- 11 weitere Trailer
„Der italienische Reisende“ zeigt Bertolucci durch die Welt reisend, über seine Filme philosophierend. Er besucht dabei ihre Drehorte, gibt Anekdoten zum Besten und sinniert über Gott und die Welt. Das geschieht in französisch und italienisch mit deutschen Untertiteln und ist scheinbar aus stellenweise uralten und recht neuen Filmmaterial zusammen geschnitten. Dementsprechend schwankend ist auch die Bild und Tonqualität. Ich konnte mit dieser Doku nichts anfangen, zu groß ist mir ihr „künstlerischer Touch“, aber wem so was gefällt oder wer Riesen-Fan des Regisseurs ist, sollte mal einen Blick rein werfen.
Die 66minütige Doku „Bernardo Bertolucci“ ist wieder erwartend keine Dokumentation über den Regisseur, sondern eine über den Film „Der letzte Kaiser“, die ausführlich und etwas langatmig die Dreharbeiten und die geschichtlichen Hintergründe des letzten Kaiser zeigt. Wer sich dafür interessiert kann reinschauen, allen anderen sei aufgrund des doch recht geringen Unterhaltungswertes abgeraten.

FAZIT:
Wem „Der letzte Kaiser“ gefällt kann bei der DVD von Kinowelt bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten erstmal Probeschauen.
Bild - 7/10
Ton - 7/10
Bonus - 6/10
Film - 7/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Kinowelt zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]