Nach einigen Flops nahm sich Johnnie To, der Regisseur von „Fulltime Killer“ mit „Breaking News“ viel vor: Ein temporeicher Actionfilm und eine Mediensatire in einem, dazu eine Inszenierung, die man so selbst in Hollywood nicht jeden Tag sieht. Ob’s geklappt hat, zeigt folgendes Review…
Originaltitel: Dai si gein
Regie: Johnnie To
Darsteller: Kelly Chen; Nick Cheung Ka Fai; Hui Siu-Hung; Lam Suet
Laufzeit: 83min
FSK: 16
Sprachen: Deutsch, Chinesisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 5.1; dts (nur deutscher Ton)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen: 2005
Vertrieb: Kinowelt
Preis: 14€
Film:
Nach einer spektakulären Schießerei versteckt sich eine Gruppe von Verbrechern in einem gigantischen Wohnblock in Hong Kong vor der Polizei. Doch diese ist nicht untätig, spürt die Bande auf und will vor den Medien eine spektakuläre Festnahme inszenieren. Dass das schief geht, kann man sich an fünf Fingern abzählen, schließlich kehren die Bad Guys das Prinzip sogar um und stellen die Ordnungshüter vor der Bevölkerung bloß.
Dann folgt die Geiselnahme eines etwas schrägen Familienvaters samt seiner zwei Kinder, mehrere Schießereien, der unvermeidbare psychologische Krieg über die Medien und schließlich der abenteuerlicher Fluchtversuch aus dem umzingelten Hochhaus.
“Wow!“ ist wohl der erste Gedanke, wenn man zu Beginn von „Breaking News“ von einer fast achtminütigen Actionsequenz förmlich überrollt wird! Acht Minuten wilde Kamerakran und Steadycam-Fahrten, viel Action, Stunts und Dialoge - ohne einen einzigen erkennbaren Schnitt! So was sieht man nicht alle Tage, vor allen Dingen, wenn scheinbar nicht mal digital nachgeholfen wurde. Und zumindest inszenatorisch hält der Film dieses sehr hohe Niveau und bietet Action, Spannung und Unterhaltung am laufenden Band. In den nur 86 Minuten gibt es keine überflüssige Szene, der Film wurde auf das wesentliche zurechtgeschnitten, „Speed!“ scheint das Motto gewesen zu sein.
Darunter litt natürlich die Charakterzeichnung. Mit dieser hat es der Film sowieso schon schwer, gibt es doch keine einzige wirkliche Identifikationsfigur. Im Gegenteil, wie schon die Inszenierung schwenkt auch das Drehbuch wild zwischen den einzelnen Parteien hin und her. So ist man hin und her gerissen. Mal sympathisiert man mit dem dickköpfigen Polizisten Cheung, mal mit seiner Vorgesetzten Rebecca Fong und sogar die Verbrecher und Geiselnehmer dürfen positive Seiten zeigen. Negativer Nebeneffekt: Keine der einzelnen Figuren interessiert einen wirklich, keinen Toten weint man eine Träne nach. Das mag schlimmer klingen als es ist, gehen einem die Figuren doch trotzdem noch näher als die Charaktere mancher Hollywood Blockbuster.
Und auch die Atmosphäre sorgt für Beklemmungen, spielt der Großteil der Handlungen doch in einem riesigen, verwahrlosten Wohnblock mitten in Hongkong, was zu unzähligen Katz-und-Maus Spielen zwischen Gangstern und Polizei in den heruntergekommen, schier endlosen Fluren und Gängen führt. Auch das wurde wieder wunderbar von der Kamera eingefangen und wird keinen Moment langweilig.
Am Ende des Films bietet Jonnie To eine weitere schnittlose „Kinnlade-Herunterklapp“ Actionsequenz in einem Bus, die im etwas enttäuschenden Finale endet. Sowieso hat man die ganze Zeit das Gefühl, dass das Drehbuch und das Budget unter dem Niveau vom Regisseur lag. Man stelle sich nur vor, er würde eine Hollywood-Großproduktion drehen!
Aber das tat er nun mal nicht und so bleibt ein sehr guter chinesischer Actionfilm mit satirischen Seitenhieben auf die Medien und einigen Drehbuchschwächen, den man Fans nur wärmstens ans Herz legen kann.

Bild:
Das Bild zeigt sich als leicht überdurchschnittlich und bietet über den gesamten Film eine brauchbare Schärfe. Die Farben wirken etwas blass und ausgewaschen, aber das ist wohl Absicht. Dafür gibt’s kein Rauschen und keine Abstufungen bei großen einfarbigen Flächen, so dass man selbst in dunklen Szenen immer den Überblick behält. Für einen Film von der Herkunft und dem Bekanntheitsgrad liegt die Bildqualität also im grünen Bereich.
Ton:
Ich kann mich mit den miesen deutschen Synchros vieler japanischer und chinesischer Filme einfach nicht anfreunden. So auch bei „Breaking News“, dessen Übersetzung zwar noch nicht die Bezeichnung „Porno-Synchro“ verdient, aber knapp dran vorbeischrammt. Es ist also wie immer der chinesische Ton zu empfehlen.
Das gilt auch in Anbetracht der Soundeffekte und der Musik, die auf der chinesischen Tonspur einfach knalliger, lauter, basslastiger und vor allen räumlicher wirken. Der Unterschied zwischen deutscher 5.1 und dts Spur ist marginal und nicht der Rede wert.
Bonus:
“Breaking News“ kommt auf einer DVD daher, bietet ein recht hübsches, mit Filmszenen unterlegtes Hauptmenü, hat aber an Bonusmaterial leider nicht sehr viel zu bieten.
- Making Of (ca. 3min)
- Deleted Scene (ca. 2min)
- Trailer („Breaking News“ und elf weitere)
Nunja, viel gibt es zu den Extras nicht zu sagen. Das Making of ist ein sehr kurzer Zusammenschnitt aus ein paar Filmschnipseln vom Dreh und scheint zu Werbezwecken produziert worden zu sein. Wenigstens ist es deutsch untertitelt. Die Deleted Scene ist da schon interessanter und macht die Handlung für den Zuschauer etwas verständlicher.

FAZIT:
Super Film auf einer recht durchschnittlichen DVD. Aber besser eine mittelmäßige als gar keine Veröffentlichungen, Actionfans sollten zugreifen.
Bild - 7/10
Ton - 6/10
Bonus - 2/10
Film - 8/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Kinowelt zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]
Shagy meint:
Ich habe die Hongkong DVD schon seit über einem Jahr und kaufte diese eigentlich nur wegen dem wirklich sehr stylischen Cover. Als der Film dann schließlich bei mir im Player gelandet war, war ich aber nicht mehr nur von dem Cover begeistert! Nach der wirklich sehr genialen Einführungssequenz, ohne einen erkennbaren Schnitt, legte der Film ein unglaubliches Tempo vor. Besonders wie sich die Cops und Gangster versuchen auszuspielen und die Medien zu beeinflussen gefällt. Die Inszenierung ist ebenfalls mehr als gelungen und lässt die vielen durchschnittlichen Filmchen von Johnnie To vergessen und mich auf den neuen Film „Election“ freuen, welcher schon auf dem Weg zu mir ist. Das Bild der HK DVD von Mega Star ist im übrigen etwas besser als das Bild der Kinowelt Scheibe.
8/10