Nikita

02. December 2005

Nikita

Bevor Luc Besson mit dem Profikiller-Film „Lèon“ einen riesen Hit landete, schickte er schon einmal einen Hitman, oder besser gesagt eine „Hitwoman“ ins Rennen: Nikita



Originaltitel: Nikita
Regie: Luc Besson
Darsteller: Anne Parillaud, Tcheky Karyo, Jean-Hugues Anglade, Jean Reno
Laufzeit: 112min
FSK: 16
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 5.1; dts (nur deutscher Ton)
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,78:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 1990
Erschienen: 2005
Vertrieb: Kinowelt
Preis: 14€


Film:
Nachdem die drogenabhängige, desillusionierte Nikita mit ihrer Gang einen Laden überfallen und dabei einen Polizisten getötet hat, wird sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Während der Haftzeit verabreicht man ihr illegal die Giftspritze – doch statt wie erwartet zu sterben, wacht sie in der Basis einer geheimen Regierungsorgansiation wieder auf. Dort macht man ihr ein Angebot: Entweder sterben oder als Profikiller für ihr Land arbeiten. Die Entscheidung fällt recht einfach und trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit ihrer Ausbildung stellt Nikita sich als begabte Schülerin heraus. Nach drei Jahren Lehre entlässt man sie als „Schläfer“ in ein neues Leben, in dem sie bald ihre große Liebe und ein neues Glück findet. Doch schon bald wird sie von der Regierung wieder gebraucht und muss so ein Doppelleben zwischen liebevoller Freundin und eiskalter Killerin führen. Nikita muss feststellen, dass es nicht einfach ist, sich dabei ein letztes Stück Menschlichkeit zu bewahren…

 

„Nikita“ ist wohl als Fingerspiel Luc Bessons zu betrachten, der sich damit schon mal für „Léon - der Profi“ warm machte. Denn mehr als eine Übung ist dieser Film leider nicht, zu unausgegoren ist noch die Mischung zwischen Action, Drama und Thriller. Die für sich genommen geniale Story wird stellenweise schleppend, manchmal aber auch total überhastet erzählt. Da werden plötzlich Jahre übersprungen, Personen ohne Einführung in die Handlung geworfen und wichtige Handlungspunkte einfach ausgelassen. Nikita scheint zum Beispiel den eben erst im Film erschienen Profikiller Victor (gespielt von einem genialen Jean Reno) schon seit Ewigkeiten zu kennen, ihre alte Mentorin aus der Ausbildung, die ohne Grund urplötzlich aus dem Film verschwindet, aber keine Träne nachzuweinen. So stolpert der Film etwas unbeholfen vor sich her. Zumindest sind die sehr, sehr rar gesäten Actionszenen auf typisch europäisch-harte Art und Weise klasse inszeniert und auch die Schauspieler können größtenteils überzeugen, obwohl gelegentliche Gefühlsausbrüche von Nikitas oft nicht ganz nachvollziehbar sind.
Große Geschütze fährt „Nikita“ bei der Kameraarbeit auf: Die vielen makellosen Kamerafahrten und die Bildgestaltungen, die jedes Frame zu einem visuellen Leckerbissen machen, heben den Film wohltuend von vielen Hollywood-Konkurrenten aus derselben Zeit ab.
Musikalisch erwartet einen das übliche, inspirationslose rumgehämmere von Eric Serra, welches bei diesem Film aber wenigstens noch nicht so verbraucht und unpassend war wie später bei „Das fünfte Element“ oder „Golden Eye“.
Alles in allem ist „Nikita“ trotz der „amerikanischen“ Handlung ein durch und durch französischer Film, der schwierig zu konsumieren, aber trotz aller Defizite sehenswert ist.

 

Bild:
Wenn man das Alter des Filmes betrachtet, geht das Bild durchaus in Ordnung. Die Schärfe ist okay, auch wenn leider wieder mal mit Edge Enhancement „nachgeholfen“ wurde. Bildrauschen ist sehr wenig vorhanden und auch Störfaktoren wie Nachzieheffekte und Artefakte sind kaum vorhanden. Bemerkbar macht sich dafür aber eine (gewollte?) Grobkörnigkeit in vielen Szenen, ein selten auftretendes, aber dafür umso störenderes Flimmern in manchen Bildteilen und ein etwas unausgewogener Kontrast, der zu Überstrahlung heller Bildteile führt.
Trotzdem ein in der Gesamtheit betrachtete zufrieden stellendes Bild. Interessanterweise zeigt die deutsche Fassung aufgrund eines anderen Masters mehr Bildinformationen an allen Seiten als zum Beispiel die amerikanische oder französische DVD.

Ton:
Im Gegensatz zum Bild ist der deutsche Ton ziemlich daneben gegangen. Das größte Problem ist dabei eine sehr störende, öfters auftretende Asynchronität zwischen Bild und Ton. Lippenbewegungen und Sprache passen an diesen Stellen überhaupt nicht zueinander. Zudem sind die Dialoge manchmal sehr dumpf und werden von einem leisen Rauschen begleitet. Wie auch immer Kinowelt den deutschen 5.1 und dts-Ton fabriziert hat – Sie hätten wohl lieber beim Monoton bleiben sollen. Dafür werden wenigstens die Rearspeaker immer mal angesprochen, scheinbar hat man ihre Tonspuren direkt aus dem französischen 5.1 Ton genommen. Dieser ist auch sonst dem deutschen vorzuziehen, bietet er einen homogenen 5.1 Klang und saubere, klar verständliche Dialoge.
Insgesamt hat sich Kinowelt also nicht mit Ruhm bekleckert, besser als die erste deutsche Auflage ist der Ton hier aber allemal.

Bonus:
Bis auf ein paar Trailer befindet sich das Bonusmaterial auf DVD 2. Die Menüs sind nicht animiert, sehen aber ganz hübsch aus und sind mit Musik aus dem Film unterlegt.
- The Sound of Nikita - Featurette (ca. 5min)
- Making Of (ca. 20min)
- Programming Nikita (ca. 2min)
- Interview mit Luc Besson
- Filmografien (Texttafeln)
- Fotogalerie
- Trailer („Das große Fressen“, „Jaguar“, „Erde Wasser Luft“, „Four Rooms“, „Angel Heart“, )
- Easter Egg (ca. 30sek)
“The Sound of Nikita“ blickt kurz hinter die Kulissen von Eric Serras musikalischer Arbeit. Dabei wirkt die Featurette ungewollt komisch, da der Komponist zwar ständig von großen Emotionen und Gefühlen spricht, die Beispielszenen aber trotzdem alle mit dem selben Synthesizer Gedudle unterlegt sind.
Das Making Of ist besser und beleuchtet anhand Interviews der Darsteller und des Kameramanns etwas die Intention des Films. Leider wird über die Technik und den eigentlichen Dreh fast gar nichts verraten und auch Luc Besson kommt nicht zu Wort. Trotzdem sind es 20 interessante Minuten.
„Programming Nikita“ ist eher ein schlechter Witz als ein Extra: Drei (!!) kurze, den Film beschreibende Sätze aus Interviews mit den Hauptdarstellern werden fast 2 Minuten lang mit wahllos ausgewählten Filmschnipseln aus „Nikita“ unterlegt. Was das soll, weiß wohl nur Kinowelt.
Die Fotogalerie zeigt ein paar wenige „Hinter-den-Kulissen“ Aufnahmen vom Dreh und Im sehr kurzen Easter Egg sagt Darsteller Tchéky Karyo ein paar Worte zu Luc Bessons Arbeitsweise – was aber nicht der Rede wert ist.

 

FAZIT:
Sicher nicht die ultimative Nikita-DVD, aber gehobener Durchschnitt. Wer den Film mag und sich an den Tonproblemen nicht stört, kann bedenkenlos zuschlagen.

Bild - 7/10
Ton - 6/10
Bonus - 6/10
Film - 7/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Kinowelt zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]