Nach dem Riesen Erfolg von „Joint Security Area“ gaben die Produzenten dem koreanischen Regisseur Park Chan-Wook vollkommene Narrenfreiheit in der Auswahl und Inszenierung seines nächsten Stoffes. Heraus kam ein schwieriger Film über Einsamkeit, Rache und den Strudel der Gewalt.
Originaltitel: Sympathy for Mr. Vengeance
Regie: Park Chan-Wook
Darsteller: Song Kang-ho; Shin Ha-kyun; Bae Du-na; Lim Ji-Eun
Laufzeit: 121min
FSK: 16
Sprachen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 5.1 (Deutsch und Koreanisch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2002
Erschienen: 2005
Vertrieb: I-ON New Media
Preis: 15€ (17€ für die Special Edition)
Film:
Ryu hat gleich mehrere Probleme: Er ist nicht nur taubstumm, sondern benötigt auch noch dringend eine Niere für seine todkranke Schwester. Da er nicht abwarten will, bis das Krankenhaus einen Spender findet, versucht er sich mit einer illegalen Organhändler Gruppe zu engagieren. Dieser scheint seine Schwester aber nicht ganz so am Herzen zu liegen, so dass sie ihm nicht nur sein Geld, sondern auch seine eigene Niere abnehmen. Vom Schicksal gebeutelt versucht Ryu nun wieder Geld zu beschaffen, indem er die kleine Tochter eines reichen Unternehmers entführt. Doch das hätte er wohl besser nicht tun sollen, löst er doch damit eine Lawine von Gewalt und Problemen aus…
Ich habe Park Chan-Wook’s Nachfolgewerk „Old Boy“ nicht gesehen und kann „Sympathy for Mr. Vengeance“ daher nur mit seinem Vorgängerfilm „Joint Security Area“ vergleichen. Und so gesehen enttäuscht er ein wenig. Die Story ist einfach viel zu holprig und löchrig. Und damit meine ich nicht einmal das ständige Wechseln der Erzählperspektive (zwischen Ryu und dem Vater der entführten Tochter), sondern den Fortgang der Geschichte ab der Entführung. Wie der Unternehmer auf die Spur des Kidnappers kommt ist derartig an den Haaren herbeigezogen, dass es dem Zuschauer graust. Manche Schritte der Handlung lies man auch gleich ganz weg, wodurch man öfter als einmal den Faden verliert. Schade, überzeugt der Film doch sonst fast auf ganzer Linie: Großartige Bilder beleuchten mit einer außerordentlichen Sound- und Musikkulisse die Frage, ob Rache wirklich zu rechtfertigen ist. Durch den ständigen Wechsel der Identifikationsfiguren ist auch der Zuschauer zwischen den Sympathien hin- und hergerissen und wird am Ende des Dramas mit einem flauen Gefühl im Magen entlassen – ist der Gerechtigkeit wirklich genüge getan? Leider zieht sich der Film an einigen Stellen doch etwas in die Länge, wenn man zum Beispiel Ryu zu Beginn minutenlang bei der Arbeit in der Fabrik zusieht. Sicher mag das ein Markenzeichen des Regisseurs sein, Momente zeitlich zu dehnen, aber an manchen (handlungstechnisch unwichtigen) Stellen wirkt es einfach deplaziert. Insgesamt trotzdem ein sehr guter Film, der dem Zuschauer keine leichte Kost bietet sondern zum Nachdenken anregen soll. Da nimmt man die Defizite in der Handlung gerne hin.

Bild:
Das Bild der DVD ist sicher keine Oberklasse, aber immerhin gehobener Durchschnitt. Besonders wenn man bedenkt, wie stiefmütterlich fernöstliche Filme in deutschen Veröffentlichungen sonst behandelt werden (abschreckendes Beispiel vom selben Regisseur: die „Sunfilm DVD von „Joint Security Area“). Scheinbar hat die Schärfe durch einen starken Rauschfilter etwas gelitten, so dass kleine Details im Hintergrund oft kaum auszumachen sind. Dafür rauscht das gesamte Bild aber nur in einem sehr geringen Maße, was sich besonders in dunklen Szenen positiv bemerkbar macht. Bei großen hellen Flächen gibt es stellenweise Abstufungen durch die Kompression, aber auch das hält sich in einen ertragbaren Rahmen. Die Farben sehen so aus, wie sie aussehen sollen (meistens etwas matt, manchmal aber auch als Stilmittel überstrahlt).
Ton:
Im Gegensatz zum Bild ist der Ton der DVD sowohl in der deutschen als auch in der koreanischen Tonspur überdurchschnittlich gut gelungen. Es gibt zwar kaum direktionale Effekte für die Rear-Speaker, aber dafür verteilen sich die Musik und besonders die akustische Atmosphäre der Handlungsorte perfekt auf alle fünf Boxen. Bestes Beispiel dafür ist die oben schon erwähnte Fabrik-Szene zu Beginn, bei der selbst der Subwoofer ordentlich zu tun hat. Leider kann die deutsche Synchronisation mit dieser Qualität nicht mithalten. Sie ist zwar nicht so schlecht, dass sie schon den Betitelung „Pornosynchro“ verdient, aber auch weit von gängigen Kinofilm-Synchronisationen entfernt. Das macht sich nicht nur an der stellenweise unpassenden Auswahl der Sprecher, sondern auch an dem unnatürlichen und lauten Studioklang der Dialoge bemerkbar. Bedeutend besser hört sich da schon der koreanische Originalton an, in die Stimmen wunderbar in die akustische Umgebung eingefügt worden.
Bonus:
Die Extras scheint sich I-ON Media für die inzwischen schon erschienene 2-Disc Special Edition aufgehoben zu haben. Dafür erscheint die DVD aber wie inzwischen vom Publisher gewohnt wieder als Amaray in einem recht hübschen Pappschuber. Als Bonus gibt es:
Leider sind nicht einmal die 30 Minuten „Behind the Scenes“ erwähnenswert, da es sich um unzusammenhängende Schnipsel der Dreharbeiten handelt. Dabei wurden nicht mal die Zwischenüberschriften und die vielen Gespräche untertitelt, was den Zuschauer etwas dumm dastehen lässt. Bloß die wenigen kurzen Interviews mit Regisseur und Darstellern hat man mit deutschen Sprechern lokalisiert. Die Trailer sind nicht weiter erwähnenswert.

Die vor kurzem erschienene Special Edition kommt als Digipack und mit neuem Cover daher, welches mir allerdings nicht ganz so zusagt. An Extras gibt satte 140min, die sich auf einer zweiten DVD befinden. So gibt es neben Interviews mit Song Kang-Ho, Shin Ha-Kyun, Bae Du-Na, Lim Ji-Eun und Han Bo-Bae noch ein Special über die Musik und im Making Of gibt es noch Infos über die Gebärdensprache, das Make Up und der Cameo’s (Gastauftritte) im Film. Des weiteren findet man noch einige Texttafeln und Infos über das technische Equipment, einem animierten Storyboard und einem Treffen mit dem Regisseur Park Chan-Wook.

FAZIT:
Insgesamt platziert sich die DVD im guten Mittelfeld. Wer Extras braucht, greift auf die SE zurück, alle anderen Freunde des koreanischen Films sollten sowohl mit der Bild und Tonqualität als auch mit dem Film selbst sehr zufrieden sein.
Bild - 7/10
Ton - 8/10
Bonus - 2/10 (6/10 für die Special Edition)
Film - 7/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von I-ON Media zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]
Shagy meint:
"Sympathy for Mr. Vengeance" trifft einen mit voller Wucht und zeigt wie weit der Mensch gehen kann. In dem düsteren und ziemlich heftigen Film gibt es weder Gut noch Böse. Die Verkettung der ganzen „Zufälle“ ist zwar wirklich etwas zu sehr konstruiert, aber anders ist so ein Film wohl nicht zu machen. Der Nachfolger „Oldboy“ hatte zwar auch mit einer konstruierten Story zu kämpfen, doch wurde diese dort plausibel am Ende aufgelöst, was hier leider nicht der Fall war. So stürzen sich die Charaktere immer tiefer in den Abgrund, aus dem es kein Zurück mehr gibt. Optisch und akustisch bin ich mit anno nym voll einer Meinung und Park Chan-Wook hat die Geschichte genial inszeniert. Wer gefallen an Rachefilmen hat und „Oldboy“ schon gradios fand, wird auch an diesen Film nicht vorbeikommen. Ich freu mich jetzt noch mit „Sympathy for Lady Vengeance“ auf den Abschluss der Trilogie.
8/10