PSP - europäische Version: Das Fazit

29. September 2005

PSP - europäische Version: Das Fazit

Meine europäische PlayStation Portable (kurz PSP) hatte ich zwar nicht am Launchtag in den Händen, wohl aber kurze Zeit später. Und das obwohl ich eigentlich kein Handheld Geräte Fan bin und mich der ziemlich hohe Preis anfangs stark abschreckte. Doch die Aussicht auf ein schmuckes Gerät, dass nicht nur Spiele in PS2 Qualität abspielen kann, sondern auch noch zum MP3 Hören und Filme schauen genutzt werden kann, beseitigte bei mir die letzten Zweifel. Warum das Gerät so gut ist und warum die PSP auch Ecken und Kanten besitzt, erfahrt ihr bei diesen persönlichen, reichlich subjektiven Eindrücken.

Das Gerät

Hält man die PSP das erste Mal in den Händen, fallen sofort der durchgestylte Look und der große Bildschirm auf. Erst nach längerer Nutzung machen sich andere Dinge bemerkbar. So ist unter anderem die Ergonomie des Gerätes nicht ganz optimal, weshalb sich bei längeren Spielsessions schon einmal die Finger verkrampfen können. Der Analognub ist zudem schlecht erreichbar und dadurch immer die zweite Wahl gegenüber dem Digitalkreuz. Auch die glatt polierte, mit Glanzlack überzogene Front und die fehlende Gummierung an den Seiten sorgen für Fettfinger und Schwitzerei. Davon abgesehen ist die Konstruktion robust genug geplant worden, um mehrere Jahre zu halten. Das UMD Laufwerk auf der Rückseite wirkt vielleicht etwas instabil, ist aber wie jeder andere CD Toploader ausreichend gefedert, um auch noch nach dem 50mal ohne Probleme auf- und zuzugehen. Die Schächte für den Memorystick und für den Akku befinden sich jeweils an den unteren Seiten und können nur von hinten geöffnet werden. Etwas wackelig kommt mir die Akku Abdeckung vor, die schon nach dreimaligem Entfernen, nicht mehr den besten Eindruck hinterlassen konnte. Wichtig zu erwähnen ist auch noch der separate WiFi Schalter, der sich auf der linken Seite befindet und in Hinsicht auf das Stromsparen ausgeschaltet bleiben sollte. Möchte man über WiFi spielen oder irgendwas herunterladen, sollte der Schalter aktiviert sein, sonst kommt es öfters vor, dass keine Verbindung hergestellt werden kann. Neben dem Steuerkreuz, vier Symboltasten, zwei Schultertasten und dem Analognub befindet sich noch eine Start und Select Taste auf der Oberseite der PSP und noch jeweils Tasten für die Lautstärkeregelung, Mute (Ton aus) und Bildschirmhelligkeit. Gerade die Bildschirmhelligkeit ist jedoch überflüssig, da man sowieso nur mit der hellsten Stufe Spielen wird. Die beiden anderen Abstufungen sind viel zu dunkel. Clever gelöst ist dagegen das Ausschalten des Gerätes, das dem Nutzer auch erlaubt, die PSP in den Sleep Modus (energiesparend) zu schalten. Neben einem Anschluss für das Akku Ladekabel (welches recht lang ist), gibt es auch noch einen Anschluss für die Kopfhörer und auf der Oberseite einen Mini B Anschluss für ein USB Kabel. Dooferweise ist der Anschluss aber größer, als bei gängigen Digital Kameras, weshalb man das mitgelieferte Kabel der meisten Kameras nicht nutzen kann.

 

Akku-Dauer bei Spielen : ca. 3.5 – 5 Stunden

Akku Dauer bei Musik   : ca. 8 – 11 Stunden

Akku Dauer bei Videos  : ca. 6- 9 Stunden

Ein echter Hingucker ist der große Bildschirm, der trendgerecht über ein 16:9 Format verfügt. Die Auflösung und die Schärfe sind phenomenal für den portablen Bereich. Gerade auch wegen dieses Bildschirms sind auch UMD Filme in dieser Qualität möglich. Trotzdem, eine Entspiegelung wäre äußerst wünschenswert gewesen, denn eine Anwendung am Tageslicht im Freien ist so nur eingeschränkt möglich. Zwar versprechen diverse Displayfolien Abhilfe, doch bislang konnte keine so recht überzeugen.

Ein richtiges Ärgernis ist die „Dead Pixel“ Angelegenheit. Durch diverse Produktionsbedingungen kann Sony nicht garantieren, dass alle Pixel zu Hundertprozent funktionsfähig sind. So kommt es immer wieder zu so genannten Toten Pixeln, die kein Schwarz auf dem Display darstellen können. Natürlich fällt das „nur“ auf, wenn der Bildschirm komplett schwarz (zum Beispiel bei Ladebildschirmen) ist, aber wenn sich einer dieser Toten Pixel in der Mitte befindet, kann das stark stören. Es ist übrigens so gut wie ausgeschlossen, dass es Geräte gibt, die nicht wenigstens einen Toten Pixel besitzen. Den meisten wird das nur noch gar nicht aufgefallen sein. Sony ist in dieser Angelegenheit jedoch äußerst unkulant, da es einen Toleranzwert von bis zu 8 Toten Pixeln gibt. Ein Austauschen der Geräte sollte man also gleich beim Händler vornehmen, wenn die Toten Pixel zu viel oder zu mittig sind.

 

Das Valuepack

Die PSP wird in Europa nur im so genannten Value Pack verkauft. In diesem Paket bekommt ihr neben der PSP gleich noch einen 32 MB großen Memorystick Pro Duo, Kopfhörer mit Fernbedienung (extra für Europa auf nur 90db runtergeregelt, was viel zu leise ist), Netzteil + Ladekabel, PSP Tasche aus Polyester und ein Reinigungstuch mitgeliefert. Zusätzlich befindet sich neben dem ganzen Zubehör noch eine Demo UMD in der Box, die neben Video Demos und Musikclips die neueste Firmware 2.0 enthält. Mit dem Upgrade werden zahlreiche neue Features (MP3 Support, Browserintegration, Designeinstellungen usw.) frei geschalten. In Zukunft werden sogar einige Spiele explizit nach der Firmware verlangen, so dass zwangsläufig niemand um dieses „freiwillige“ Upgrade herumkommt. Eine nackte Variante, also nur die PSP einzeln, ohne das Zubehör gibt es nicht. Es ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass Sony in 12 Monaten noch eine preiswertere Variante nachreicht.

 

Musik

Mit einem großen Speicherstick lässt sich die PSP auch problemlos als MP3 Player verwenden. Per USB Kabel oder Kartenlesegerät kopiert man die Musikdateien kinderleicht in das vorgegebene Verzeichnis auf den Stick. Unterverzeichnisse werden genauso wie ID Tags erkannt. Leider herrscht bei der Formatunterstützung Ebbe und man ist gezwungen, seine Musikdateien entweder im MP3 Format oder im Sony eigenen (und glücklicherweise gefloppten) ATRAC Format zu nutzen. WMV Files oder APE Unterstützung gibt es (noch) nicht. Im PSP Menü selber erwartet euch eine Vielzahl an Funktionen, so könnt ihr die Songs im Loop laufen lassen, Shuffeln und vor- bzw. zurückspulen. Die Tasten der PSP werden optimal ausgenutzt und auch die Menüführung weiß zu überzeugen. Man kann sogar kleine Bilder einbinden, die dann vor den Songs eingeblendet werden.

Video

Alle Videos müssen in dem wenig gebräuchlichen MP4 Format vorliegen. Das ist natürlich nicht leicht, denn alle herkömmlichen Videodateien müssen konvertiert werden. Zur Verfügung steht dazu ein Sony eigenes Programm, oder aber PSP Video 9, das als Freeware kostenlos im WWW zu finden ist. Meine Versuche und Tests habe ich mit Letzterem gemacht. Problemlos lassen sich damit MPEG, AVI, RAM, WMV Files in das PSP Format konvertieren und an die neue 16:9 Optik anpassen. Qualitätsverlust gibt es bei entsprechenden Einstellungen keine und die Anpassung an das 16:9 Format sieht meistens ordentlich aus. Während meiner Tests wandelte ich ein MPEG Musikvideo um und konnte es problemlos abspielen, auch ein Real Media File bereitete keine Probleme. Nur mit einem WMV Video gab es die. Während die Konvertierung keine Fehler zeigte, bockte die PSP beim Abspielen rum und hing sich sogar auf (da half nur das kurze Entfernen des Akkus). Hoffen wir mal, das Sony mit den nächsten Firmware Updates auch weitere Codecs hinzu addiert und bestehende verbessert. Negativ ist übrigens die Größe der Dateien, die praktisch 1:1 trotz des kleineren Formates übernommen wird. Also ein 45MB Musikvideo (MPEG) nimmt auch als MP4 PSP Datei mindestens 45MB weg, wenn die Qualität ähnlich sein soll. Ziemlich happig!

 

Yourpsp.com

Einen feinen Service bietet Sony Europe mit der Website www.yourpsp.com. Über diese Internetseite kann man nicht nur seine PSP registrieren (und anfangs eine kostenlose Spider-Man 2 Film UMD abstauben), sondern auch neue kostenfreie Downloads auf seine PSP installieren. Schon jetzt gibt es neben neuen Levels und Fahrzeugen zu Videospielen, Hintergrundbilder, Musik MP3s und Kurzfilme. Einziges Manko, der Download setzt eine Direktverbindung mit dem Memorystick voraus, was etwas nervig angesichts der ganzen Java Skripte ist. Eine optionale Möglichkeit die Inhalte auf die Festplatte runter zuladen wäre wünschenswert und wird in Zukunft hoffentlich noch umgesetzt.

Spiele + Filme

Da bei uns die PSP erst 9 Monate nach dem Japan Start in den Läden steht, gibt es natürlich eine Vielzahl an erhältlichen Spielen und UMD Filmen. Die Spielauswahl zum Start deckt mehr oder minder jeden Geschmack ab, bietet aber vor allem Rennspiele. Neben einigen Neuentwicklungen sind jedoch auch ziemlich viele (eher schlechtere Ports) von PS2 Spielen zu sehen. Hoffentlich richten auch westliche Hersteller ihr Augenmerk auf neue Spiele und Spielideen, anstatt altbekanntes mit langen Ladezeiten auf die PSP zu hieven. Günstig ist die Anschaffung der Software übrigens nicht, denn ungefähr 50 € will Sony pro Spiel haben. Ganz schön heftig, wenn man bedenkt, dass es sich „nur“ um Handheld Software handelt. Ähnlich preisintensiv sind auch die UMD Filme, die im Gegensatz zu ihren DVD Genossen über fast kein Bonusmaterial verfügen und im Schnitt mit 25 € zu Buche schlagen. In den nächsten Monaten sollten noch viele neue Spiele und Filme auf dem Markt erscheinen und sich die Preise auch etwas senken.

 

Zubehör

Zahlreiche Hersteller haben passend zum PSP Start eine Menge Zubehör im Angebot. Die Palette reicht von Displayschutzfolien, über Taschen und Kopfhörer, bis hin zu UMD Schutzhüllen. Wir haben uns bereits einige Sachen vorgenommen und testen auch in Zukunft vereinzelte Produkte.

Neben dem PSP Zubehör gibt es auch noch zwei Arten des Memorystick Pro Duo. Neben den selten vorzufindenden Sony Produkten, findet man immer häufiger die in Lizenz gebauten Sandisc Sticks. Im Gegensatz zu den schwarzen Sony Pedanten sind die Sandisc Sticks transparent gehalten. Beide nutzen die MagicGate Technologie.

FAZIT:

Die PSP ist wahrlich ein beeindruckendes Beispiel moderner Technik und hat das Zeug zum Revolutionieren des Handheld Marktes. Der große, gestochenscharfe Bildschirm, die Multimediafunktionen, die Internetfähigkeit und die Möglichkeit riesige Memorysticks zu benutzen machen die PSP fast zum Alleskönner. Doch das alles hat seinen Preis, die PSP ist kein perfektes Gerät. Die geringe Akkulaufzeit, das schlecht entspiegelte Display und die Ladezeiten, die durch den Zugriff auf das UMD Medium entstehen, können den einen oder anderen Gameboy Fetischisten durchaus abschrecken. Trotzdem bietet die PSP zu einem fairen Preis eine Vielzahl an Features und ist anderen, ähnlichen Gadgets dadurch haushoch überlegen. Wer Portables Gaming mag, kommt 2005 nicht mehr um eine PSP herum.

[ Review verfasst von .ram ]

Hier findet ihr alle Infos zur Technik, Preis und Launch Line-Up.