Der Kalte Krieg lässt grüßen...
METAL GEAR SOLID 3 LAUNCH EVENT
Verfasst von Justicer und Flek
Am 3. März war es endlich soweit. Nach den Amerikanern und den Japanern dürfen nun auch europäische Zocker ihre Finger an die PS2 Pads legen und sich am letzten Teil der Metal Gear Solid Trilogie ergötzen. Immerhin fast ein Vierteljahr verging nach dem NTSC Launch, bis wir eine PAL Fassung bekamen. Neben einigen Bonusfeatures spendierte Konami of Europe dem Titel zudem noch ein zünftiges Launch Event am Abend vor dem Erstverkaufstag.
MGS 3 Launch Event Nummern Fotos
Schon seit Wochen, besser gesagt, seit dem Eintreffen der Einladung von Konami, war es um unsere innere Ruhe geschehen. Daran sollte sich auch nichts ändern, als wir in Erwartung der Pressekonferenz durch die Hallen des Berliner Hotels Adlon (Foto 1) flanierten. Gegen 17 Uhr wurden nach einiger Wartezeit die Türen zum Konferenzsaal geöffnet (Foto 2, 3) und es ging los.
Nach ein paar einleitenden Worten durch Konami of Europe und Konami Japan (Foto 4, 5) wurde den Presse-Vertretern ein neuer Trailer zu Metal Gear Solid 3: Snake Eater (MGS3) gezeigt. Gleich im Anschluss erläuterte Hideo Kojima (Foto 6) die Entstehung und Recherche der Dschungellandschaft (inspiriert durch Yakushima Island). Dabei bewegten sich bis auf die Ankündigung von Metal Gear Solid 4 (Foto 7) beinahe alle Informationen im Rahmen des schon Bekannten, zumal die US-Version von MGS3 durch die Fachpresse inzwischen ausführlich getestet wurde und Hintergrunddetails teilweise schon auf der Games Convention 2004 vorgestellt wurden.

Wie erhofft stellten sich Hideo Kojima und Yoji Shinkawa nach Beendigung der Pressekonferenz nicht nur den Fotografen, sondern signierten auch geduldig Spielecover und Poster. Wir ließen uns diese Möglichkeit natürlich auch nicht entgehen. Schade nur, dass pro Person gerade Mal ein Gegenstand unterschrieben wurde. Leider ließ sich über zusätzliche, signierte Autogrammkarten für euch liebe Leser nicht verhandeln. Wir haben es immerhin auf Deutsch, Englisch und Russisch probiert.
Der wichtigste Abschnitt des Abends sollte sich allerdings auf der Kuppe des Teufelsberges ereignen. Die Zeit bis zum Bustransfer dorthin konnte man entweder mit Häppchen und Drinks, der Weitergabe der MGS4-Ankündigung an die Redaktion oder einfach nur mit Gesprächen unter Kollegen überbrücken (Foto 8). Jenseits des Brandenburger Tors warteten schließlich gegen 19 Uhr mehrere Busse auf die versammelten Gäste (Foto 9). Streng nach Gästeliste gab es noch vor Abfahrt das obligatorische Kunststoffarmband für den Einlass, sowie einen Satz Hundemarken (Dog Tags). Für eine der beiden Marken durfte man zum Ende der Party einen Goodie-Bag abholen, der selbstverständlich noch eine Menge mehr Schmankerl enthielt, als das nach der Pressekonferenz ausgehändigte Presse-Kit. Nachtschwarz und mit Metal Gear Solid 3 Schriftzug versehen, brachten die Busse schließlich alle wohlbehalten bis zum Fuß des Berges. Von da an ging es allerdings nicht weiter. Es lag zu viel Schnee, da der Winterdienst nicht wie abgesprochen für befahrbare Straßenverhältnisse gesorgt hatte und sich die Busfahrer vehement weigerten die steile und kurvenreiche Straße hinaufzufahren. Besonders ungeduldige Gäste nahmen trotz hoher Absätze einen kurzen Fußmarsch in Kauf, um nicht auf die kleinen Transferbusse warten zu müssen. Als VIP (Very Importend Person = Hideo Kojima usw.) hatte man es da natürlich noch einfacher. Passend zur Location und dem Setting des Spiels hatte Konami extra mehrere GAZ 13, genannt Chaika, angemietet, welche die VIPs in bester Staatsbesuchs-Manier vom Hotel zum Teufelsberg chauffierten.
Aber selbst der normale Gast brauchte nur kurze Zeit warten bis der logistische Engpass beseitigtwar. Etappenweise ging es mit kleinen Bussen die engen Kurven hinauf. Schon ein Blick aus dem Fenster in die dunkle Nacht sorgte für helle Aufregung. Schnee, mit Tarnnetzen behangene und aus dem Hintergrund heraus beleuchtete Zäune, sowie blau angestrahlte Radarkuppeln (Radome) durchbrachen das Dunkel und sorgten für erstaunte Blicke (Foto 10, 11). Am endgültigen Ziel der Fahrt angekommen, flankierten Türsteher in Uniformen und mit Waffenattrappen den Eingang (Foto 12, 13).Vorbei an den abgestellten Chaikas mit MGS3-Diplomatenfähnchen (Foto 14, 15) führten unsere Schritte und in das Herz einer aufgegebenen Militäreinrichtung. Der hohle Klang der Absätze begleitete uns durch den Gang aus nacktem Beton, immer weiter auf den orangerot leuchtenden Scheinwerfer zu, der das Tarnnetz vor uns durchbrach und für die einzige Beleuchtung sorgte. Nach einer kurzen Drehung befanden wir uns im Treppenhaus, indem sich schmale Treppen zwischen Betonwänden von Etage zu Etage (Foto 16) wanden. Von nun an war Sportlichkeit gefragt, wer nämlich alles sehen wollte, hatte allein schon eine ganze Menge Treppenstufen zu überwinden. Der Abend brachte es allerdings mit sich, dass man öfters einmal rauf und runter kraxelte und sei es nur weil die Natur rief.
Schon beim ersten Betreten merkte man sofort, dass die ehemalige Geheimdienstanlage vor Jahren aufgegeben wurde. Dementsprechend funktionierte keine Heizung und es war verdammt kalt. Selbst eine Vielzahl von Gasbrennern, Heißluftgebläsen und Baustellenheizungen konnten die Temperaturen nicht sonderlich über den Gefrierpunkt heben. Zumindest das Treppensteigen hatte somit noch eine wärmende Nebenwirkung.
Der erste Weg führte den Besucher zwangsläufig am Party Floor (Foto 17) vorbei. Davon führte eine Tür aus dem runden Turm hinaus und in ein Festzelt hinein, das auf dem Dach des Gebäudes aufgebaut worden war. Hier hielt sich stets ein Großteil der Gäste auf, da es nicht nur wärmer als im Rest des Gebäudes war, sondern auch ein ausladendes asiatisches Büfett und eine Bar zum Verweilen einluden. Von diesem Zelt aus, war es möglich, die beiden Radome auf dem Dach des Gebäudes zu betreten, Dancefloor und Chillout-Zone. Alle weiteren Räume befanden sich im Inneren des Turms und legten sich kreisförmig um das quadratische Treppenhaus. Die Größe war aus diesem Grund etwas begrenzt, so dass diese ausschließlich als Lounges genutzt wurden. VIP Lounge (hier kamen nur die wirklich sehr wichtigen Leute herein), Jungle Lounge (Foto 18, 19), Historic Lounge (Foto 20) und Game Lounge (Foto 21, 22, 23, 24). Die Game Lounge besaß den Vorteil, dass sie den gesamten oberen Radom einnahm. So war immer eine PS2 frei, falls man Metal Gear Solid 3 spielen wollte und man konnte sich bewegen, ohne jemanden auf die Füße zu treten, wie es am Büfett öfters passierte. Als der Uhrzeiger auf die neun zuging, versuchten Gogo-Girls (Foto 25) die Stimmung der Gäste noch einmal anzuheizen, aufgrund der Kälte jedoch ein schwieriges Unterfangen. Generell verringerte sich die Besucherzahl ab 22 Uhr und auch uns drängte es kurz vor 23 Uhr langsam zum Aufbruch. Gute 200 km Autofahrt und der Job ab 6:30 Uhr können verdammt überzeugende Argumente sein, selbst von einer tollen Party zu verschwinden
Flek meint:
Ein großartiges Spiel braucht einen großartigen Event. So etwas weiß natürlich auch ein großer Publisher wie Konami und es ist nicht gelogen, wenn man behauptet, dass dieser Event bestens gelungen ist. Das Adlon war als Ort für die Pressekonferenz einfach perfekt, genauso wie die Abhöranlage auf dem Teufelsberg für die Party danach. Es war wirklich nicht sonderlich warm, aber spätestens beim Kampf am Buffet um die letzten Stückchen Sushi vergaß man die Kälte. Überraschenderweise stellte sich der verzweifelte Kampf um Nahrung (wie ihn Snake wohl auch kennt) später als vollkommen sinnlos heraus, da immer wieder neue Köstlichkeiten aufgetischt wurden. Ein lustiges Detail am Rande: die Drinks an der Bar hatten alle Namen von Charakteren aus MGS 3.

Geschichtliche Fakten zum Teufelsberg:
Nach dem 2. Weltkrieg wusste man in Berlin einfach nicht, wie man all die Schuttmassen der zerbombten Häuser beseitigen sollte. Teilweise konnte man einiges als Füllmaterial wieder verwenden, aber im Großen und Ganzen war einfach zuviel davon da. So entschied man sich kurzer Hand, den Schutt auf einem Haufen aufzutürmen, aus dem mit der Zeit ein ganzer künstlicher Berg entstand. Mit seinen etwa 115 Metern Höhe überragte er ganz Berlin, so dass sich der US Army eine ideale Möglichkeit bot, ihre Abhörtechnik aufzustellen. Anfänglich geschah dies noch mittels mobiler Radaranlagen, doch Mitte der sechziger Jahre begannen sich die Alliierten dauerhaft einzurichten und erbauten eine komplette Abhörstation, die im Schichtbetrieb bis zu 800 Mann beschäftigte. Die Anlage war so leistungsfähig, dass man angeblich sogar den gesamten Funkverkehr bis hin zum Ural abhören konnte. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage auf dem Teufelsberg wie so viele andere auch nicht mehr benötigt und so gab die NSA die Anlage im Jahre 1992 auf. Seitdem hat sich auf der Kuppe des Berges nicht mehr viel getan. Aus den geplanten Luxus-Apartments wurde bis heute nichts und so nagt der Zahn der Zeit an der historischen Anlage.

Auszug aus der Konami Presse-Disk:
Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) errichtete eine stationäre Abhöranlage, die auch vom britischen Geheimdienst genutzt wurde. In den Folgejahren entwickelte sich die \"Field Station Berlin\" zur wichtigsten Lauschstation der Welt. Immer sensiblere Geräte konnten schließlich den gesamten Funk- und Telefonverkehr bis nach Moskau abhören, was einen großen strategischen Vorteil für die Geheimdienstler und Militär bedeutete. Wichtige Vorkommnisse wie der Einmarsch der Sowjetarmee in der CSSR oder Afghanistan wurden schon vorher von hier aus erkannt. Bis zu tausend Spezialisten waren in Hochzeiten auf dem Teufelsberg beschäftigt, sie waren von der Außenwelt mit einer dreifachen Sperre abgeschottet die meisten durften während ihres Aufenthalts in Berlin das Gelände nicht verlassen. Dafür kamen viele von ihnen später in hohe militärische Ränge, mehrere spätere Geheimdienstgeneräle begannen ihre Karriere im \"Großen Ohr\", wie die Anlage auch genannt wurde. Die mehrfach schallisolierten Gebäude mit den Auswertungsräumen hatten keine Fenster zur Außenseite. Die modernste Technik die weltweit verfügbar war kam hier zum Einsatz, z.B. wurden die ersten E-Mails zwischen der Field Station und dem US-Hauptquartier in Dahlem verschickt. Der Turm und die beiden Kuppeln waren mit Stoffbahnen gegen den Einblick von außen geschützt. Mit der Ausrichtung der großen Parabol-Antennen hätten feindliche Geheimdienste sonst schnell erkannt, welche Bereiche gerade von hier aus überwacht wurden. Und tatsächlich haben ostdeutsche und sowjetische Spione jahrelang versucht, Informationen über das Innere dieser Abhöranlage zu erhalten. Tragisch endete der Versuch eines sowjetischen MIG-Jets, der am 6. April 1966 während der Überwachung aus der Luft abstürzte und sich mit beiden Piloten in den Grund der Havel bohrte. Mehr Erfolg hatte der Türke Hüseyin Yildirim: Durch seine Arbeit in der Autowerkstatt der US-Kaserne \"Andrews Barracks\" in Lichterfelde kam er 1985 in Kontakt mit dem US-Unteroffizier James Hall, der in der Field Station arbeitete und - wie sich bald herausstellte - an streng geheime Dokumente heran kam. Yildirim arbeitete jedoch für die ostdeutsche Staatssicherheit und die bezahlte gut, denn Hall lieferte weitaus mehr Material, als man von einem einfachen Abhörspezialisten erwarten könnte. Darunter Entschlüsselungcodes des NATO-Funkverkehrs und vor allem die Studie \"Canopy Wing\", in der die Chancen eines atomaren Erstschlags der NATO gegen den Ostblock analysiert wird. Als Hall und Yildirim 1988 aufflogen und verhaftet wurden, erkannten die US-Behörden den geheimdienstlichen Super-GAU.
© 2005 Konami
Interessante Links und Quellen:
Teufelsberg
http://www.zeit.de/archiv/2002/03/200203_teufelsberg.xml
http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelsberg
http://fiedel.dyndns.org/teufelsberg/pix/
http://www.ccc.de/teufelsberg/
Chaika
http://www.gaz.ru/
Yakushima Island
http://www.davidbarber.org/japan/aprilmay2001/yakushima/pics1.html