Bereits vor drei Monaten lud Ubisoft Onpsx zu sich nach Düsseldorf ein, um die damaligen E3-Highlights zu zeigen und anscheinend hat sich Kollege Dimi gut benommen, denn wir wurden ein weiteres Mal eingeladen. Das \"Ubisoft Fantastic Five“ getaufte Event stellt das Spieleprogramm für das kommende Weihnachtsgeschäft vor, diesmal allerdings in einem Hotel in der Kölner Innenstadt.
Eine würdige Location
Ob Ubisoft bei der Wahl des Hotels an Altair und Ezio gedacht hat, werde ich wohl nie erfahren, aber abwegig wäre es nicht. Die Adresse führt mich zu einem ehemaligen Wasserturm aus dem 19.Jahrhundert, elf Stockwerke hoch und mit zahlreichen Fenstern und Vorsprüngen, die zum Klettern einladen. Ich gehe durch zwei Glastüren und stehe in der elf Meter hohen Lobby des fünf Sterne Hotels. Über mir spannen sich viele begehbare Stege und Treppen, um mich herum residiert dezenter Luxus. Ich fahre in den sechsten Stock, die Fahrstuhltür öffnet sich und ein Ezio auf Pappe weißt mir den Weg in eine geräumige Suite mit drei Zimmern, die vollgestopft sind mit Flachbildschirmen, Kabeln, Menschen und natürlich dem Buffet. Hinter den Fensterscheiben erstreckt sich das weite Panorama der Kölner Innenstadt und auch jetzt muss ich wieder an die beiden Assassinen denken.
Avatar und der Fluch der Lizenz
Und dann ist es auch schon vorbei mit der besinnlichen Ruhe, denn nach einer herzlichen Begrüßung und einem Kölsch finde ich mich auf einem Sofa wieder und neben mir spielt Brent George, seines Zeichens Director of Art Animation und sehr mitteilungsfreudig, den ersten Level von James Cameron’s Avatar. Bei Spielen zu Filmen denkt so mancher nicht zu Unrecht an Schund und so bin ich dementsprechend skeptisch. Die Story des Spiels erzählt glücklicherweise nicht den Film nach, sondern spielt zwei Jahre davor. Damit alles stimmig ist, arbeitet Ubisoft sogar mit den Storyschreibern von James Cameron zusammen. Am Anfang wechselt man zwischen einem menschlichen Soldaten und einem blauhäutigen Krieger der Na’vi, bevor man sich für eine der beiden Seiten entscheidet; es stehen also zwei Kampagnen zur Verfügung. Es gibt insgesamt 16 Karten, auf denen man Haupt- und Nebenmissionen erfüllen muss. Die beiden ersten Karten des Spiels durfte ich selbst unter die Lupe nehmen. Das Leveldesign lässt ein wenig zu wünschen übrig, denn sie sind nicht besonders groß und recht schlauchig. Wo es mal breiter wird, lauert garantiert ein Scharmützel auf mich. Bleibt zu hoffen, dass das nicht auf alle Levels des Spiels zutrifft. Obwohl die Handlung linear vorangetrieben wird, kommt ein gewisses Open World Feeling auf, da im Basislager jeder Karte ein Teleporter steht, mit dem man in bereits bereiste Karten zurückspringen kann, um dort Nebenmissionen abzuschließen oder Erfahrungspunkte zu ergattern. Da kommt der Rollenspielaspekt ins Spiel. Für praktisch alles im Spiel bekommt man Erfahrungspunkte, ist eine bestimmte Marke erreicht, werden neue Waffen, Rüstungen und Fähigkeiten freigeschaltet oder bestehende verbessert. Um seine Spielfigur noch weiter zu verbessern, steht ein Risiko-ähnliches Minigame zur Verfügung. Auf einer Karte des Planeten muss man rundenbasiert Einheiten kaufen, neue Gebiete erobern, befestigen und verteidigen. Jedes eroberte Gebiet bringt dabei einen Bonus wie mehr Erfahrung oder mehr Gesundheit. Und obwohl ich das Minigame nicht selbst spielen kann, macht es einen durchdachten Eindruck und bringt frischen Wind ins Spiel.
Die Missionstypen setzen sich aus Altbekanntem, also vornehmlich Sammeln, Suchen und Zerstören, zusammen, aber da immer recht viele verschiedene Typen von Nebenmissionen aktiv sind, kommt mir das gar nicht so eintönig vor. Für Sammler gibt es noch die Pandorapedia, eine Art Lexikon über den Planeten. Von Pflanzen über Tiere, Menschen und den Na’vi ist hier alles vertreten und bietet eine Menge Hintergrundwissen, aber auch die eine oder andere für den Kampf nützliche Information. Für einen Eintrag muss man zuerst ein Exemplar analysieren, was ein paar Sekunden dauert und vor allem bei Lebewesen knifflig werden kann. Die Grafik sieht schick aus und zeichnet einen dichten Dschungel auf den Bildschirm, der zwar nicht so glaubhaft rüberkommt wie in Uncharted, aber bis auf einige kleine unschöne Details im Gras sieht die Landschaft gut aus. Die Frage ist eher, wie viel optische Abwechslung ein Dschungelplanet bieten kann. Die Figuren sind detailliert und die Animationen bis auf kleine Ausnahmen gut gelungen. Zwischen der Xbox360- und der PS3-Version gibt es grafisch so gut wie keine Unterschiede – die 360 hat nur ein bisschen mehr Anti-Aliasing. Ein ungewöhnliches Feature ist die Unterstützung für 3D-fähige Fernsehgeräte inklusive verschiedener Einstellungen für den 3D-Effekt. Da die TVs vor Ort leider nicht 3D-tauglich sind, darf ich den Effekt leider nicht in Aktion bewundern. Avatar wird auch einen Mehrspieler-Modus besitzen, über den bisher jedoch geschwiegen wurde. Doch nach einigen netten Bitten zückt Brent sein iPhone und verrät mir exklusiv erste Details. 16 Spieler dürfen in 5 Modi gegeneinander antreten, unterteilt in Menschen und Na’vi. Die aus der Einzelspieler-Kampagne bekannte Ausrüstung darf im MP benutzt werden und das Matchmaking-System soll sehr einfach und vor allem präzise arbeiten, um ausgewogene Partien zu ermöglichen. Einen Coop wie auf der Wii wird es dagegen wohl nicht geben, weder lokal noch online.
Eine Liebe in Florenz – Assassin’s Creed 2
Kommen wir nun zum Star des Abends – nein, Jade Raymond war leider nicht da, dafür aber eine voll spielbare Version von Assassin’s Creed 2. Nach einer kleinen Einführung vom ansonsten sehr wortkargen Entwickler und der Vorführung der ersten Episode der sehr gut gemachten Lineage-Reihe darf ich endlich selbst Hand an den Dualshock legen. Um nicht zu viel zu verraten einfach folgendes: AC2 fängt dort an, wo der erste aufhörte. Wer den ersten Teil nicht gespielt hat, wird durch Rückblenden und Erzählungen auf den neuesten Stand gebracht. Nach ein wenig Small Talk reist man zurück ins Florenz des Jahres 1476, wo es das Tutorial zusammen mit dem eigenen Bruder zu bestreiten gilt. Das besteht aus einem Scharmützel mit den Angehörigen einer anderen Familie, die den im Verborgenen brodelnden Konflikt symbolträchtig mit dem Wurf des ersten Steins auf Ezio eröffnet. Hier wird die Nahkampfsteuerung erlernt, man kann Leute schlagen, treten, festhalten und anschließend auf vielfältige Weise in die Bewusstlosigkeit schicken. Dabei fällt auf, dass ein Kritikpunkt des ersten Teils nur halbherzig angegangen wurde. Die Gegner warten immer noch schön ab, bis sie dran sind vermöbelt zu werden. Nur wenn Ezio einen Gegner festhält, schlagen die anderen zu, um den Griff zu lösen. Schließlich endet der Kampf für Ezio mit einigen Blessuren und er muss die Besiegten nach Geld für einen Arzt durchsuchen. Im Tutorial bleibt dies ohne Folgen, auf offener Straße hingegen ist Diebstahl nicht gern gesehen. Mit genügend Kleingeld lässt er sich vom Straßendoktor wieder zusammenflicken. Hier fällt auf, dass auf der PS3 Verletzungen nicht am Charakter sichtbar sind, wie es auf der 360 der Fall ist. Nachdem Ezio wieder fit ist, wird das Klettern näher vorgestellt, indem es ein Wettrennen auf das Dach einer Kirche zu gewinnen gilt. Es kommt sofort das alte AC-Feeling auf, wenn man über Balken springt, auf Dächern herumturnt und hohe Mauern erklimmt. Auf dem Dach angekommen wechselt Ezio ein paar Worte mit seinem Bruder, während die Kamera auf das Meer von florentinischen Häuserdächern schwenkt, die den Eindruck einer lebendigen Stadt hinterlassen. Das ist auch kein Wunder, denn das Team reiste unter anderem nach Florenz und Venedig, um die Sehenswürdigkeiten und die städtische Atmosphäre möglichst authentisch ins Spiel zu übertragen. Bis auf die bereits erwähnten Unterschiede, ist die Grafik auf beiden Konsolen auf den ersten Blick identisch. Beide neigen zu leichtem Tearing, vor allem in den Zwischensequenzen, und zu leichter Treppchenbildung in der Umgebung. Der Detailgrad der Figuren schwankt teilweise stark. So sehen Ezio, sein Bruder und die Widersacher der anderen Familie sehr detailliert aus, während Ezios restliche Familienmitglieder sehr schlicht, schmucklos und fast schon fehl am Platze wirken. Die von mir gespielte Version verfügte über englische Sprache mit deutschen Untertiteln. Im Menü fand sich allerdings keine Sprachen-Option, so dass über das volle Sprachenpaket weiterhin spekuliert werden muss. Die deutsche Übersetzung hingegen ist gut gelungen, wenn auch derbe Schimpfwörter konsequent entschärft wurden. Und eine traurige Nachricht zum Schluss: Es wird aufgrund der offenen Welt keine Demo von Assassin’s Creed 2 geben.
Und wii ist der Rest so?
Wer mitgezählt hat, wird gemerkt haben, dass wir erst bei Terrific Two sind, nicht bei Fantastic Five. Das liegt daran, dass der Rest nur auf der Wii zu finden ist und, von einer Ausnahme abgesehen, nicht sonderlich innovativ oder interessant. Hier der Blick über den Sony-Tellerrand: Your Shape ist Ubisofts Version von Wii Fit und genauso sinnlos. Mehr gibt es darüber nicht zu sagen. Just Dance erinnert mich spontan an Dance Dance Revolution und andere Tanzspiele, nur mit Wii Mote statt Tanzmatte. Bis zu vier Spieler dürfen gleichzeitig auf Travolta machen. Die Musikauswahl ist eher fragwürdig – Cotton Eye Joe sollte in keinem Musikspiel dieser Welt zu finden sein! Der Retter der Wii-Ehre ist Rabbids Go Home. Endlich mal keine Minigame-Sammlung wie es sie schon zu Tausenden auf der Wii gibt, sondern einfach nur der herrlich schräge Humor der Rabbids in zusammenhängender Form. Wer kann den Rabbids schon widerstehen, wenn sie in einem Einkaufswagen quer durch die Stadt jagen und allerhand Zeug einsammeln, um einen Müllberg bis zu Mond aufzuhäufen? Noch einmal am Kölsch genippt, eine Runde ums Büffet gedreht und dann geht mein erster Presseausflug dem Ende entgegen. Nach meiner Verabschiedung von Entwicklern und Offiziellen gehe ich aus der Suite, verlasse das fünf Sterne Hotel und betrete den nicht ganz fünf Sterne-tauglichen öffentlichen Nahverkehr Kölns. Es war ein gemischter, aber sehr informativer und vor allem geselliger Abend. Assassin’s Creed 2 hat gehalten, was ich mir vom Spiel versprochen habe, Avatar hat mich positiv überrascht und die Klischees über die Wii haben sich (fast alle) bestätigt.
[ Special verfasst von Sanguinis ] [(c) 2009 www.onpsx.net ]